

In Mechernich entsteht die größte Anlage Deutschlands zur Reinigung schwermetallbelasteten Wassers. Es geht dabei um das belastete Wasser, das durch den Burgfeyer Stollen zunächst in den Veybach und im späteren Verlauf bis in die Nordsee gelangt. Die NRW-Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Mona Neubaur und ihr Amtskollege und Umweltminister Oliver Krischer stellten gemeinsam mit dem Erftverband den Standort am Klärwerk Mechernich vor – ein Projekt mit Signalwirkung weit über die Region hinaus. Damit wird ein Umweltproblem angegangen, das seinen Ursprung im jahrhundertealten Erzbergbau der Region hat.
Mehr als fünfzig Tonnen Schwermetalle gelangen bislang jedes Jahr aus dem Burgfeyer Stollen in die Gewässer – das soll sich jetzt ändern. „Als ich den Hafen in Rotterdam besucht habe, zeigte man mir eine große Deponie mit Material, das wegen seiner Schwermetallbelastung durch den Rhein nicht in die Nordsee entsorgt werden darf“, erzählte Oliver Krischer. „Und die Holländer sagten mir: Ein wesentlicher Teil davon kommt aus Mechernich. Deshalb ist es gut, dass wir diesen Schritt jetzt gehen. Wir beseitigen heute eine der größten Altlasten der Eifel – das ist ein guter Tag für die Region, für Nordrhein-Westfalen und für die Niederlande.“
Rund zehn Millionen Kubikmeter Stollenwasser fließen jährlich durch den 7,5 Kilometer langen Burgfeyer Stollen aus dem ehemaligen Bergbaugebiet. Dieses Wasser ist stark mit Schwermetallen wie Zink, Kupfer, Nickel, Blei, Cadmium, Kobalt und Arsen belastet. „Für einzelne Parameter werden die gesetzlichen Umweltqualitätsnormen in den betroffenen Gewässern deutlich überschritten – so etwa für Nickel und Cadmium“, erläuterte Prof. Heinrich Schäfer, Vorstand des Erftverbandes. „Auch Zink und Kupfer tragen maßgeblich zum schlechten ökologischen Zustand der Erft bei.“
Künftig sollen dem Wasser jährlich etwa 30 Tonnen Zink, acht Tonnen Nickel, vier Tonnen Kobalt sowie weitere Schwermetalle entzogen werden. „Die Schwermetallbelastung des Stollenwassers ist eine der letzten großen ungelösten Altlasten des historischen Bleibergbaus in Mechernich“, so Schäfer.
Das Problem verschärft sich zusätzlich durch den Braunkohleausstieg. „Die Erft wird renaturiert. Das Kühlwasser, das bisher aus den Braunkohletagebauen eingeleitet wird, fällt künftig weg. Dadurch sinkt der Durchfluss von heute 8,5 auf künftig 2,6 Kubikmeter pro Sekunde“, erklärte Mona Neubaur. „Das bedeutet, dass die Konzentrationen von Schwermetallen größer werden. Deshalb ist es notwendig und höchste Zeit, dass wir eine Lösung gefunden haben.“
Die Lösung ist technisch anspruchsvoll. René Düppen, Bereichsleiter Abwasser beim Erftverband, erläuterte das zweistufige Verfahren: „Zunächst werden in einer Filtration Eisen und Mangan herausgenommen. Das ist ein übliches Verfahren, wie man es auch bei der Aufbereitung von Trinkwasser kennt.“ Der zweite Schritt sei dann der besondere: ein Ionenaustauschverfahren. „Das sind sogenannte Harze, die eine bestimmte Eigenschaft haben. Sie nehmen die Schwermetalle aus dem Wasser, ziehen sie an sich und dort kumulieren sie dann.“ Die Anlage soll 1.100 Kubikmeter Wasser pro Stunde behandeln – mit acht Filtern und zwölf Ionisierungseinheiten.
Die Harze werden regelmäßig mit Säuren von den Schwermetallen befreit, die dann gesammelt und entsorgt werden. Oder – wie Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel anmerkte – vielleicht auch wiederverwertet: „Wir prüfen derzeit, ob sich die aus dem Wasser gefilterten Stoffe als Wertstoffe weiterverwenden lassen. Das wäre ein weiterer wichtiger Schritt hin zu nachhaltigem Umweltschutz. Dann wären wir nämlich eine Art Gewinnungsanlage.“
Der Standort auf dem Gelände der Kläranlage Mechernich sei ideal, betonte Prof. Heinrich Schäfer: „Man muss das Wasser einmal zuführen, es dann behandeln und nachher auch wieder ins Gewässer zurückführen. Von daher ist das der perfekte Standort.“ Auf dem Gelände – eine von 29 Anlagen, die der Erftverband betreibt – entsteht damit die größte Schwermetallreinigungsanlage ihrer Art in Deutschland.
Die Kosten des Projekts liegen nach aktuellem Stand bei rund 30 Millionen Euro. Finanziert wird die Anlage vollständig vom Land Nordrhein-Westfalen. Das Umweltministerium übernimmt Planung und Bau, das Wirtschaftsministerium die laufenden Betriebskosten, die sich jährlich auf etwa 1,2 Millionen Euro belaufen. Zwei bis drei Fachkräfte werden die Anlage künftig dauerhaft betreuen und den Betrieb überwachen.
„Das ist eine Investition in die Zukunft unserer Region“, betonte Mona Neubaur. „Der Bergbau hat über Jahrhunderte Wohlstand gebracht, aber die Natur trägt bis heute die Folgekosten. Jetzt übernehmen wir Verantwortung und schaffen gemeinsam mit dem Erftverband und dem Umweltministerium eine dauerhafte Lösung. Das ist gelebte Zusammenarbeit im Sinne der Umwelt.“
Die Historie des Problems reicht weit zurück. Der Burgfeyer Stollen wurde Anfang des 19. Jahrhunderts angelegt, um die Gruben des Mechernicher Bleibergs zu entwässern. Der Bergbau in der Region reicht bis in die Römerzeit zurück und prägte Landschaft und Wirtschaft bis in die 1950er-Jahre. „Die Schwermetallbelastung des Stollenwassers ist eine der letzten großen ungelösten Altlasten des historischen Bleibergbaus in Mechernich“, sagte Schäfer.
Der ehemalige Mechernicher Bürgermeister Dr. Hans-Peter Schick hatte über viele Jahre für eine Lösung des Problems gekämpft. „Endlich ist eine Lösung dieser besonders belasteten Hinterlassenschaft des ehemaligen Mechernicher Bleiabbaus in Sicht“, sagte Schick.
Die Vorarbeiten laufen bereits: Artenschutzgutachten sind auf den Weg gebracht, Bodengutachten laufen, Vermessung und Grundstücksverhandlungen sind gestartet. „Wir gehen hier auch planerisch neue Wege“, erklärte Düppen. „Wir setzen auf ein Building Information Modeling-System – ein 3D-Modell, in dem alle Daten hinterlegt sind, um den Planungsprozess effizient zu gestalten.“
Der Weg bis zur Fertigstellung ist allerdings noch lang. „Bis zur Inbetriebnahme sprechen wir derzeit von 2031“, so Düppen. Zunächst müssen die detaillierte technische Planung und die Genehmigungsverfahren folgen. Zudem wird ein 7,5 Kilometer langer Kanal entlang der Straße gebaut, um das Wasser von den Einleitstellen am Mundloch des Stollens zur Behandlungsanlage zu führen.
Prof. Heinrich Schäfer zeigte sich optimistisch: „Wir freuen uns, dieses Jahrhundertprojekt aktiv mitzugestalten und mit dieser Anlage unsere Gewässer nachhaltig zu verbessern. Es ist gut und wichtig, dass das Land die Finanzierung dieses Großprojektes übernimmt.“
Für Oliver Krischer ist das Ziel klar: „Jedes Kilogramm Schwermetall, das künftig nicht mehr in den Veybach und die Erft gelangt, ist ein Gewinn für die Umwelt. Heute machen wir einen großen Schritt zur Beseitigung einer Jahrhundertlast – für Mechernich, für Nordrhein-Westfalen und für die Nordsee.“




