

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten hatten die Schönstätter Marienschwestern nach einer langfristigen Lösung für ihr Anwesen vor den Toren Euskirchens gesucht. Gefunden wurde sie nun ganz in der Nähe: Die bereits bestehenden Verbindungen zur Familie Scheidtweiler und zum Kloster Steinfeld münden in eine Partnerschaft, die dem traditionsreichen Standort eine Zukunft sichern soll.
Grundlage ist ein Erbbaurechtsvertrag, durch den die langfristige Nutzung und Entwicklung des Areals gesichert wird. Dabei geht es Wolfgang Scheidtweiler nicht allein um Gebäude und Grundstücke. »Unser Ziel ist es, das Bestehende zu bewahren und gleichzeitig eine Perspektive für die Zukunft zu schaffen. Maria Rast soll ein Ort bleiben, an dem Menschen ankommen, Gemeinschaft erfahren und neue Kraft für Leib und Seele schöpfen können«, sagt er.
Für die Menschen, die dort arbeiten und zu Gast sind, bedeutet die Vereinbarung zunächst vor allen Dingen Kontinuität. Das bestehende Gästehaus wird weitergeführt, die Mitarbeiter werden übernommen. Damit bleiben die Arbeitsplätze ebenso erhalten wie Erfahrung und Wissen der Menschen, die den Betrieb über viele Jahre geprägt haben.
Und auch die Schönstätter Marienschwestern verschwinden nicht aus Maria Rast. Ein Teil der Schwestern wird weiterhin dort leben und die Entwicklung des Hauses begleiten.
»Wir freuen uns und sind dankbar, dass wir als Schwestern weiterhin in Maria Rast präsent bleiben und unsere religiöse Arbeit wie bisher fortsetzen können«, sagt Schwester Marisa Spickers, Provinzoberin der Schönstätter Marienschwestern. Das gelte insbesondere für die vielen Menschen, die das Heiligtum der Dreimal Wunderbaren Mutter, Königin und Siegerin von Schönstatt besuchen und die Angebote der Schwestern wahrnehmen.
Damit soll auch das geistliche Profil erhalten bleiben, das Maria Rast seit Jahrzehnten prägt.
Der Ort kann auf eine lange Geschichte zurückblicken. Das historische Herrenhaus wurde 1899 für die Familie von Mallinckrodt errichtet und steht heute unter Denkmalschutz. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangte das Anwesen an die Schönstätter Marienschwestern, die dort eine Bildungsstätte entwickelten.
Eine besondere Bedeutung besitzt die Schönstatt-Kapelle. Am Sonntag, 2. Juli 1950, wurde in Maria Rast das erste Schönstattheiligtum auf europäischem Boden außerhalb des ursprünglichen Schönstattortes in Vallendar eingeweiht. Im vergangenen Jahr konnte dessen 75-jähriges Bestehen gefeiert werden.
Nun beginnt ein neues Kapitel. Mit Maria Rast wächst die von der Familie Scheidtweiler geprägte Eifel-Klosterfamilie auf vier Standorte. Neben Kloster Steinfeld gehören dazu Kloster Mariawald im Kermeter bei Heimbach sowie das ehemalige Benediktinerinnenkloster in Steinfeld, in dem heute die Trappistinnen von Maria Frieden leben. Ab Januar kommt Haus Maria Rast mit der Schönstatt-Kapelle hinzu.
Die vier Standorte sollen dabei keineswegs über einen Kamm geschoren werden. »Wir sehen die vier Standorte nicht als gleichartige Häuser, sondern als eigenständige Orte mit jeweils ganz eigener Geschichte und Ausstrahlung«, betont Wolfgang Scheidtweiler. Was sie verbinde, sei der Gedanke, diese besonderen Orte zu erhalten, mit Leben zu füllen und für kommende Generationen zugänglich zu machen.
Gleichzeitig eröffne die Vereinbarung Möglichkeiten, Gebäude und Flächen von Maria Rast langfristig weiterzuentwickeln. Wie diese Entwicklung im Einzelnen aussehen wird, soll sich in den kommenden Jahren zeigen.
Fest steht dagegen bereits, dass mit dem Wechsel zum Donnerstag, 1. Januar, kein Schlussstrich unter die Geschichte von Maria Rast gezogen wird. Das Gästehaus bleibt, die Arbeitsplätze bleiben und auch die Schwestern bleiben dem Ort verbunden.
»Ein solcher Ort lebt nicht allein von seinen Gebäuden, sondern vor allem von den Menschen, die ihn mit Leben erfüllen«, sagt Wolfgang Scheidtweiler. Gemeinsam mit ihnen wolle man nun den Weg in die Zukunft gehen.



