Thomas Förster

Trauerspiel um einen Funkmast

Rinnen. Er steht seit mehr als einem Jahr, aber die notwendige Technik fehlt weiterhin
Hoffen, dass der Funkmast in Rinnen zeitnah in Betrieb geht (v.r.): Ortsvorsteher Thomas Müller, Bürgermeister Emmanuel Kunz und sein Allgemeiner Vertreter Markus Auel.

Hoffen, dass der Funkmast in Rinnen zeitnah in Betrieb geht (v.r.): Ortsvorsteher Thomas Müller, Bürgermeister Emmanuel Kunz und sein Allgemeiner Vertreter Markus Auel.

Bild: Gemeinde Kall / Alice Gempfer

Rinnen. »Das ist ein Trauerspiel und eine Lachnummer.« Bürgermeister Emmanuel Kunz findet deutliche Worte für den weiterhin nicht in Betrieb genommenen Mobilfunkmast in Rinnen. Der Mast steht bereits seit Ende 2024 am Sportplatz, doch noch immer fehlt die notwendige Funktechnik. Damit bleibt die Mobilfunkversorgung in Rinnen und mehreren umliegenden Orten unzureichend.

Seit Jahren setzt sich die Gemeinde Kall für eine bessere Mobilfunkversorgung im Bereich der Ortslage Rinnen ein. Bereits 2018 hatte die Gemeinde im Rahmen des Telekom-Programms »Wir jagen Funklöcher« einen Antrag gestellt. Ursprünglich sollte die Telekom die Planung für einen Funkmast bei Rinnen übernehmen. Im Zuge der Vergabe der 5G-Frequenzen erhielt jedoch Telefónica den Zuschlag für das Gebiet und beauftragte eine eigene Planung. Der Standort am Sportplatz wurde daraufhin noch einmal um einige Meter verschoben. Ende 2024 wurde der Mast schließlich errichtet.

Seitdem wartet die Gemeinde auf den nächsten Schritt. »Seitdem hat sich aber nichts mehr getan. Die Funktechnik fehlt nach wie vor«, erklärt Markus Auel, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Die Bedeutung des Mastes geht dabei weit über komfortables Telefonieren und mobiles Internet hinaus. »Es geht um die digitale Grundversorgung, die im Ernstfall auch Leben retten kann«, betont Auel. Eine funktionierende Mobilfunkversorgung sei unter anderem für Notrufe, Krisenkommunikation und den Katastrophenschutz von Bedeutung.

Wie groß das Problem vor Ort ist, weiß Ortsvorsteher Thomas Müller aus eigener Erfahrung. »In Rinnen haben rund 80 Prozent des Ortes keinen Empfang«, sagt er. Auch der Kreis Euskirchen habe sich bereits eingeschaltet. Eine Verbesserung sei bislang jedoch nicht erreicht worden. Besonders unverständlich ist für Müller, dass andernorts Masten in Betrieb genommen werden, während die Rinnener weiterhin warten.

Dabei könnte der Rinnener Mast auch die Versorgung umliegender Orte verbessern. »Auch umliegende Orte wie Golbach, Sötenich, Steinfelderheistert, Sistig und Frohnrath könnten besser versorgt werden, wenn der Mast sendet«, erklärt Bürgermeister Kunz. Die Gemeinde habe, so Emmanuel Kunz, bei Telefónica immer wieder nach dem Stand des Projektes gefragt. Als Grund für die Verzögerung seien wiederholt Lieferschwierigkeiten beim benötigten Material genannt worden. Zuletzt hatte das Unternehmen zugesichert, dass der Mast im zweiten Quartal 2026 in Betrieb gehen werde. Diese Frist ist inzwischen verstrichen. »Das zeigt mal wieder, wie sehr wir beim Internetausbau weiter hinterherhinken«, kritisiert Kunz. Die Gemeinde hat Telefónica deshalb erneut schriftlich aufgefordert, die notwendige Technik zu installieren und den Mast in Betrieb zu nehmen.

Von Telefónica gibt es inzwischen eine Erklärung für einen Teil der Verzögerung. Das Bauwerk sei erst Ende des ersten Quartals 2026 mängelfrei übergeben worden, erklärt Unternehmenssprecher Jörg Borm. Vor der Übernahme müsse ein Mast vollständig fertiggestellt sein. »Manchmal fehlt zum Beispiel der Blitzschutz oder die Stromversorgung«, so Borm. Die für den Aufbau der Funktechnik zuständige Firma sei inzwischen beauftragt. Nach Abschluss der Arbeiten könne der Mast ans Netz gehen. Als voraussichtlichen Termin nannte Borm das Jahresende 2026. Bürgermeister

»Es bleibt abzuwarten, ob Telefónica diesmal den Worten auch Taten folgen lässt – wir hoffen es«, sagt Emmanuel Kunz und ergänzt: »Wir brauchen eine funktionierende Mobilfunkversorgung nicht irgendwann, sondern jetzt.« Gerade mit Blick auf Notfälle, Katastrophenschutz und die zunehmende Bedeutung digitaler Kommunikation gehe es nicht an, dass ein fertiger Funkmast über Monate hinweg nicht genutzt werden kann: »Das kann man auch den Bürgerinnen und Bürgern nicht mehr erklären.«