Michael Nielen

Kultur und Natur: Nettersheim macht es einfach

Nettersheim. Die Gemeinde Nettersheim stellte ihr umfangreiches Kultour- und das Jahresprogramm des Naturzentrums Eifel vor: Vom Dreijährigen bis zum Senior – für alle ist etwas dabei.
Alexander Mauel (v.li.), Jochen Starke und Norbert Crump stellten das umfangreiche Kultur- und Naturprogramm vor.

Alexander Mauel (v.li.), Jochen Starke und Norbert Crump stellten das umfangreiche Kultur- und Naturprogramm vor.

Bild: Michael Nielen

Was hat eine Eifelgemeinde Nettersheim mit ihren knapp 7000 Einwohnern mit einer Großstadt gemeinsam? Die Antwort lautet: ein Literaturhaus. »Ein ländliches Literaturhaus in diesem Format gibt es in Deutschland kein zweites Mal«, sagt Jochen Starke, der bei der Gemeinde für Kultur zuständig ist.

Bürgermeister Norbert Crump sieht Nettersheim längst als »Kulturregion«. »Kultur ist ein Teil der Daseinsvorsorge – und das, was viele Bürger möchten«, sagt er. Seit dem Bezug des Literaturhauses 2012 ist das Kulturprogramm stetig gewachsen, durch Kooperationen, durch das Förderprogramm »Dritte Orte« und durch das Engagement von Vereinen und Kulturinitiativen. Entstanden sind dabei zwei Ankerzentren – das Literaturhaus und das ehemalige Kloster –, die Crump als »fast schon einzigartig« beschreibt. »Im Kloster haben wir seit der Bauphase 2016 durchgehend mindestens einmal im Monat Kulturveranstaltungen vorgehalten.«

Das Kultour-Programm 2026 umfasst Lesungen, Kabarett, Konzerte, Theater, Kino und Bilderbuchstunden ebenso wie aktive Angebote – von Schreibwerkstätten für Erwachsene über Kalligraphie-Kurse bis hin zu einem Märchenkreis. »Wir sorgen nicht nur für rezeptive Angebote, also für Genuss«, betont Starke. »Wir bieten den Leuten auch Aktivitäten an – schon den Kindern in Märchen- und Schreibwerkstätten, für Jugendliche mit dem Jugendliteraturpreis, für Erwachsene in Schreibwerkstätten. Und neu kommt jetzt ein Fantastic-Science-Fiction-Kreis dazu, der sich regelmäßig bei uns treffen will.«

Was Starke besonders betont: Das Programm richtet sich an alle – »von Dreijährigen bis zu den Senioren«. Und es bleibt nicht im Literaturhaus: »Wir gehen in die Kindergärten, in die Grundschulen, in die Gesamtschule, in die Dörfer.«

37 Jahre Naturzentrum Eifel

Im Naturzentrum Eifel, geht es in diesem Jahr ins 37. Jahr. Und die Nachfrage ist ungebrochen. »Fossilien sind nach wie vor unser Dauerbrenner«, sagt Alexander Mauel vom Naturzentrum. »Obwohl wir es seit fast 30 Jahren anbieten, ist es immer noch gefragt.« Rund 130 Termine umfasst das Jahresprogramm, allein das beliebte Fossilienprogramm »Fossilien? … Find ich gut!« wird 30 Mal angeboten.

Die Besucherzahlen haben sich nach der Corona-Pandemie und der Flutkatastrophe wieder erholt: Am Haupteingang wurden im vergangenen Jahr knapp 40.000 Gäste registriert. Für die kommende Saison blickt Mauel optimistisch nach vorn – vor allem, wenn der Bahnbetrieb wieder aufgenommen wird. »Das ist für Individualgäste und Radfahrer entscheidend«, sagt er.

Die Themenpalette reicht von Archäologie und Erdgeschichte über Pflanzenkunde, Pilze und Tiere bis hin zu Nachhaltigkeit, Kreativität und – neu in diesem Jahr – Astronomie. »Durch die Kooperation mit dem Naturpark Nordeifel wird das Thema Himmel und Astronomie stärker angeboten«, erklärt Mauel. Drei Veranstaltungen mit Spezialschwerpunkten sind geplant, darunter eine zu mythischen Aspekten der Himmelsbeobachtung – passend zum Sternblick im Archäologischen Landschaftspark.

Ein wichtiger Aspekt ist die Funktion des Naturzentrums als Regionalzentrum für Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE). Mauel betont, dass BNE weit über klassische Umweltbildung hinausgehe: »Es geht nicht nur um ökologische Aspekte, sondern auch um wirtschaftliche und gesellschaftliche Fragen.«

Zu den Jahreshöhepunkten zählen der Eifeler Kräutertag, das Römerlager im Archäologischen Landschaftspark oder die Eifeler Fossilien- und Mineralienbörse.

Norbert Crump blickt mit Stolz auf das umfangreiche Programm: »Nettersheim macht es einfach. Und das seit Jahrzehnten.« Für ihn ist das Netz aus Familienzentrum, Literaturhaus, Kloster und Naturzentrum kein Zufall, sondern gelebte Strategie: »Ich hoffe, dass wir daran auch in schwierigen Haushaltszeiten festhalten können – weil es von den Bürgern stark nachgefragt wird.«