Michael Nielen

Tante Enso soll Tondorf versorgen

Nettersheim-Tondorf. In Tondorf und Umgebung hofft man nicht nur auf den Besuch von Tante Enso, man hegt vielmehr den großen Wunsch, sie möge bleiben. Darauf haben letztlich die Bürger selbst großen Einfluss …

André und Gaby Barth (v.li.), Ortsvorsteher Andreas Metzler und Bürgermeister Norbert Crump stellten das Genossenschaftsprinzip des Dorfladens »Tante Enso« vor, der in Tondorf neben der Kirche etabliert werden soll.

André und Gaby Barth (v.li.), Ortsvorsteher Andreas Metzler und Bürgermeister Norbert Crump stellten das Genossenschaftsprinzip des Dorfladens »Tante Enso« vor, der in Tondorf neben der Kirche etabliert werden soll.

Bild: Michael Nielen

Was braucht ein Dorf, damit es auch in Zukunft lebendig bleibt? Wohnraum, Begegnungsorte – und vor allem die Möglichkeit, die Dinge des täglichen Lebens direkt vor Ort einkaufen zu können. In Tondorf könnte genau hier bald ein neues Kapitel beginnen: Mit einem »Tante Enso«-Markt soll die Nahversorgung zurück ins Dorf kommen.

Seit 2023 fehlt Tondorf eine eigene Einkaufsmöglichkeit. Der Edeka-Markt ist Geschichte, auch andere Treffpunkte sind weggefallen. Für einen der größeren Ortsteile der Gemeinde Nettersheim ist das eine schmerzliche Lücke. »Der ehemalige Edeka-Markt, aber auch der Imbiss sind geschlossen, der Wiederaufbau stockt. In Tondorf sind Treffpunkte und Nahversorgung weggefallen«, beschreibt Norbert Crump, Bürgermeister der Gemeinde Nettersheim, die Situation.

Nun bietet sich die Chance, diese Lücke zu schließen. Neben der Kirche St. Lambertus, auf dem Gelände der ehemaligen Trafostation, soll ein modernes Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Im Erdgeschoss ist ein »Tante Enso«-Markt vorgesehen, darüber sollen Wohnungen entstehen. Nicht nur für Crump ist das Projekt deshalb mehr als nur ein neuer Laden. Er spricht von einer »ganz tollen Entwicklung für Tondorf«. Das Konzept von »Tante Enso« verbindet nach Auskunft der Investoren Gaby und André Barth, die den Komplex errichten werden, klassischen Einzelhandel mit digitalen Möglichkeiten. Vorgesehen ist ein Sortiment von rund 3.000 Artikeln, die zum Supermarktpreis angeboten werden und die komplette Palette des täglichen Bedarfs abdecken. Hauptlieferant ist REWE. Hinzu kommen viele regionale Produkte. Vormittags soll der Markt mit Personal besetzt sein. Außerhalb dieser Zeiten können die Kunden mit einer Zugangskarte selbstständig einkaufen – und das rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. .

Eine Besonderheit des Projekts ist die Beteiligung der Bevölkerung. Der »Tante Enso«-Markt funktioniert auf genossenschaftlicher Grundlage. Wer einen Anteil zeichnet, wird damit nicht nur Teil des Projekts, sondern erhält auch ein Mitspracherecht. Ein Anteil kostet 100 Euro. Zusätzlich sind fünf Prozent Dividende sowie Rabatte vorgesehen, die als Einkaufsguthaben gutgeschrieben werden.

500 Erstanteile müssen gezeichnet werden

Doch zunächst muss die wichtigste Hürde genommen werden: Innerhalb von vier Wochen müssen mindestens 500 Erstanteile gezeichnet werden. Erst wenn diese Zahl erreicht wird, kann das Projekt umgesetzt werden.

Damit ist klar: Ob Tondorf künftig wieder einen eigenen Markt bekommt, liegt ein gutes Stück weit in den Händen der Bürger selbst. Ortsvorsteher Andreas Metzler blickt dieser Herausforderung optimistisch entgegen: »Ich bin da äußerst positiv gestimmt, dass wir diese 500 zusammen bekommen.«

Metzler sieht in dem Projekt auch eine Chance für das gesamte Dorfleben. Wenn das Umsatzziel erreicht wird, schüttet das Unternehmen pro Quartal 400 Euro für lokale Projekte aus: »Das sind, wenn wir Glück haben, bis zu 1600 Euro, die wir zur Unterstützung von Vereinen oder Maßnahmen im Ort verwenden können.« Damit könnte der neue Markt zu weit mehr werden als zu einer Einkaufsgelegenheit.

Auch die geplante Architektur soll sich in das Umfeld einfügen. Das neue Gebäude soll sich mit seinem klassischen Satteldach in das Ortsbild rund um die Lambertuskirche einfügen. Im Obergeschoss sind Wohnungen vorgesehen, während das Erdgeschoss dem Gewerbe vorbehalten ist. Neben dem »Tante Enso«-Markt bemühen sich die Investoren zudem darum, zusätzlich eine Metzgerei-Filiale einzurichten.

Noch ist der »Tante Enso«-Markt allerdings keine beschlossene Sache. Entscheidend wird sein, ob es gelingt, innerhalb der vorgegebenen Frist die erforderlichen 500 Anteile zu gewinnen. Deshalb sind jetzt die Tondorfer und die Menschen aus den umliegenden Dörfern gefragt. Denn ein Markt kann nur dann dauerhaft funktionieren, wenn die Menschen ihn auch annehmen und unterstützen.

Wer mehr über das »Tante Enso«-Konzept, die geplante Beteiligung und die konkreten Pläne für Tondorf erfahren möchte, kann sich am Donnerstag, 3. September, um 18.30 Uhr im Dorfsaal Tondorf eingehend informieren. Vertreter von »Tante Enso«, die Investoren Gaby und André Barth, Ortsvorsteher Andreas Metzler und weitere örtliche Ansprechpartner stellen das Projekt vor und stehen für Fragen zur Verfügung.

Der Baubeginn des Objekts ist für Januar 2027 geplant. Mit einer kalkulierten Bauzeit von zehn Monaten hoffen die Beteiligten, dass die Tondorfer bereits Ende 2027 oder Anfang 2028 in ihrem neuen Dorfladen einkaufen können.