

Was die Fachfrau vom LVR-Amt für Denkmalpflege beschreibt, ist eine der vielen Überraschungen, die der mittelalterliche Wohnturm der Burg Kallmuth seinen Rettern bereitet hat. Er ist eine echte Zeitkapsel — und wird gerade mit viel Aufwand, Leidenschaft und Geduld aus dem Dornröschenschlaf geholt.
Bauherr Peter Ratz hat sich gemeinsam mit seiner Frau Dr. Stephanie Zippel auf ein Abenteuer eingelassen, das selbst erfahrene Fachleute ins Staunen versetzt. Das Mauerwerk reicht bis ins Jahr 1285 zurück. Seit 1525, als ein neues Burghaus errichtet wurde, blieb der Turm nahezu unberührt — kein späterer Umbau, keine Modernisierung, die die historische Substanz verwässert hätte.
Für Dr. Kristin Dohmen ist das schlicht ein Glücksfall. Sie gerät regelrecht ins Schwärmen, wenn sie von dem Projekt spricht — und zeigt beim Ortstermin auf ihrem Tablet, was die Steine alles verraten: frühere Tür- und Torbögen, Balkenverankerungen, mehrere Bauphasen. Sogar eine repräsentative Gewölbehalle im Eingangsbereich lässt sich nachweisen.
»Diese Geschichtsspuren stecken in den Steinen, in der Bausubstanz«, sagt Dohmen — und genau deshalb komme der Bauforschung hier eine Schlüsselrolle zu.
Doch der Weg zur Wiederbelebung ist steinig — im wahrsten Sinne. Gleich zu Beginn der Arbeiten entpuppte sich eine der Wände als echtes Problem: ohne Fundament, gefährlich schief und kaum mit dem übrigen Mauerwerk verzahnt.
Peter Ratz ist erfahren in der Sanierung alter Gebäude. In Eiserfey schuf er aus einem alten Gebäude seinen bekannten Kunsthof. In Kallmuth erwarteten ihn schwierige Unterfangungsarbeiten: »Man will nicht zugucken, wenn da unten die ganzen Steine rausgenommen werden.«
Er blieb trotzdem dran — auch dank der Unterstützung durch Architektin Margret Riggert und Denkmalschützerin Janine Deinzer von der Stadt Mechernich, die das Projekt von Anfang an konstruktiv und lösungsorientiert begleiteten. Immer wieder tauchten neue Befunde auf, immer wieder mussten Lösungen gemeinsam entwickelt werden — mit ungewöhnlich vielen Ortsterminen, die sich als unverzichtbar erwiesen.
Mechernichs Bürgermeister Michael Fingel, der beim jüngsten Besuch dabei war, zeigte sich beeindruckt — und erfreut: »Ich höre häufiger, dass wir in Mechernich eher lösungsorientiert unterwegs sind. Das freut mich natürlich auch zu hören.«
Auch Landeskonservatorin Dr. Andrea Pufke, die eigens nach Kallmuth gekommen war, um sich ein Bild zu machen, lobte die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten ausdrücklich: »Bei so einem Gebäude, das dieses Alter aufweist und so komplex ist, war das genau der richtige Weg.« Nicht bei jedem Denkmal sei eine solche Begleitung nötig — hier aber schon. Am Ende soll eine Mietwohnung der besonderen Art entstehen: historisches Gemäuer trifft auf moderne Technik — Fußbodenheizung, Wärmepumpe, Photovoltaik. Auf dem Turm ist ein Aufbau aus Holz und Cortenstahl geplant, der sich bewusst als zeitgenössische Ergänzung zu erkennen gibt und sich zugleich sensibel in den Bestand einfügt.
Peter Ratz hat dabei auch schon genaue Vorstellungen für die Begrünung der Dachfläche: »Ich hätte gerne dieses Eifelgold, ein bisschen Ginster, der runterwächst, goldenes Haar, das nach unten läuft.« Regenwasser soll aufgefangen und für die Pflanzen genutzt werden — Nachhaltigkeit und Geschichte, Hand in Hand.
Wer künftig in diesem alten Gemäuer seine Wohnung findet, lebt buchstäblich in einem Stück Geschichte.



