Jutta Kruft

Udo Weingarts Kunst wirkt weiter und bewegt

Die feierliche Enthüllung.

Video: Jutta Kruft

Mayen. Zu Ehren des Mayener Bildhauers Udo Weingart wurde eine Gedenktafel enthüllt. Am 28. Januar wäre Udo Weingart 86 Jahre alt geworden – ein außergewöhnlicher Ehrentag. In Mayen lebte und wirkte er, auf dem Lapidea-Areal hinterlässt sein kurzes Künstlerleben bis heute tiefe Spuren. Die fachliche Würdigung seines Werkes ist vielfach erfolgt; wir gehen täglich über die von ihm entworfenen Intarsien der Marktstraße. Heute soll jedoch auch an Udo Weingart als Freund und Mitmenschen erinnert werden.
Bereits in den 1960er Jahren inspirierte er Mitschüler der Steinmetzfachschule Mayen dazu, auf dem Grubenfeld frei und ohne Auftragszwang kreativ zu arbeiten. Kunst sollte aus Freiheit entstehen, im Einklang mit der Natur. »Alle wollten weg von dem Zwang des industriell geprägten Konformismus«, schrieb Weingart 1970. Für ihn waren Natur- und Kulturraum untrennbar verbunden.
Der Silbersee und das Grubenfeld waren für ihn Orte künstlerischer Vision.
Ohne Udo Weingart wäre dieses Gelände kaum zu dem heutigen gestalteten Areal geworden. Er prägte entscheidend die Idee des Vereins »Lapidea-Förderkreis Naturstein Mayen« und gilt zu Recht als Vater von Lapidea. Internationale Symposien, die Bedeutung des Natursteins und die Kulturgeschichte der Region wurden durch ihn nachhaltig ins öffentliche Bewusstsein gerückt.
Große Aufmerksamkeit erhielt 1971 das Bodenrelief »Apokalypse« im Andernacher Bollwerk – bis heute eine eindrucksvolle Gedenkstätte für die Opfer der Weltkriege. Im selben Jahr begeisterten Skulpturen aus der Mayener Lay bei der Bundesgartenschau in Köln; sie sind noch heute im Rheinpark zu sehen.
Udo Weingarts selbst gebautes Atelier auf der Mayener Lay ist ein historisches Zeugnis dieses visionären Wirkens. Die heutige Bronzetafel erinnert an einen Künstler, dessen Denken Freiheit, Unabhängigkeit und Sinnsuche bestimmte.
Früh gefördert, unter anderem durch Anton Woger, entwickelte Weingart, trotz der fordernden Arbeit im elterlichen Betrieb, eine außergewöhnliche künstlerische Eigenständigkeit. Bereits mit 22 Jahren erhielt er für das Mahnmal in Burgen den Förderpreis des Landes Rheinland-Pfalz. Ausstellungen im In- und Ausland folgten.
Neben der Bildhauerei wandte er sich neuen freien Objekten zu, etwa den eigentümlichen »Charetten«, die zwischen Faszination und Schrecken oszillieren. Auch hier sprengte er Grenzen – er brauchte den persönlichen Freiraum.
Am 28. Dezember 1975 wählte Udo Weingart den Freitod. 1978 wurde ihm posthum der Staatspreis des Landes Rheinland-Pfalz verliehen. Sein Werk, seine Gedanken und seine Widersprüche bleiben ein Vermächtnis – aktuell, gültig und rätselhaft zugleich.
»Wir erinnern uns heute mit Hochachtung an einen großen, selbstbestimmten Künstler, dessen zeitlose Kunst weiter wirkt und bewegt«, beendete Rolf Schumacher seine Ansprache.

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