

Kunst und Kultur, Weinbau und Kulinarik – all das kennt man an der Mosel. Bieg und Fischer aber interessiert die zweite Reihe: übersehene Kleinode, markante Ecken, bisweilen unheimliche Plätze rechts und links des Flusses. Auch Trier kommt nicht zu kurz – aber anders als erwartet. Statt Dom und Porta Nigra stehen eine Treppe für Fische, eine Reklame-Hauswand und die Werke von »Love« im Mittelpunkt.
Peter Bieg, Jahrgang 1986, absolvierte die Deutsche Journalistenschule und ist promovierter Kommunikationswissenschaftler. Seine Geburtsstadt Trier hat er öfters verlassen – um bisher doch immer wieder zurückzukommen. Angelina Fischer, Jahrgang 1993, ist Bankbetriebswirtin und an der Mosel aufgewachsen. Heute leben beide in Schweich – mittendrin also, in dem Landstrich, den sie gerade neu vermessen haben. Was die Autoren auf ihrer Entdeckungsreise erlebt haben – das erzählen sie im Gespräch.
111 Orte – wie lange haben Sie dafür gebraucht?
»Rund ein Jahr, wenn man von der Zusage des Projektes bis zur Veröffentlichung des Buches rechnet. Bis zur Abgabe der Texte waren es acht Monate ab Zusage. Wir sind beide berufstätig und haben dieses Projekt in unserer Freizeit verfolgt.«
Welcher Ort hat Sie beim Recherchieren am meisten überrascht?
»Winningen, in der Nähe von Koblenz. Was dieser 2.500-Einwohner-Ort zu bieten hat, ist schwer zu übertreffen: Berggolf, das Grab des Audi-Gründers, einen nahezu einmaligen Ortsrundfunk, den Hexenhügel und noch einige Orte mehr, die es in unser Buch geschafft haben.«
Sie sind in Trier geboren beziehungsweise an der Mosel aufgewachsen und immer wieder zurückgekehrt. Was hält Sie hier?
»Eine extrem hohe Lebensqualität zwischen Natur, Sport und Kultur. Die Wege sind kurz – und schön. Es gibt besonders in der schönen Jahreszeit extrem viel zu sehen. Und Hektik ist selten, was wir sehr positiv finden. ‚Wohnen, wo andere Urlaub machen‘ lässt sich hier sehr gut umsetzen.«
Was entdeckt man an der Mosel, das man anderswo vergeblich sucht? »Abwechslungsreichtum auf wenig Raum, gastronomisch und kulturell, aber auch in Sachen Landschaft und Natur. Jeder Ort hat seine Besonderheiten, und viele Menschen bemühen sich darum, diese auch zu pflegen und herauszuarbeiten.«
Welcher der 111 Orte ist Ihr persönlicher Geheimtipp?
»Die Entscheidung fällt schwer. Der Ortsrundfunk in Winningen sowie das Agenten-Anwesen an einem Ort, den wir aus juristischen Gründen nicht genauer benennen durften und deshalb als Rätsel formuliert haben. Das sind beides sehr spektakuläre Orte.
Gab es einen Ort, den Sie unbedingt aufnehmen wollten – und dann doch nicht konnten?
»Jein. Aus juristischen Gründen mussten wir einen Ort verfremden, um keine Klage zu riskieren. Ansonsten haben wir versucht, keine Kompromisse zu machen und bis auf buchstäblich ein, zwei Ausnahmen nur Orte aufzunehmen, die unmittelbar an der Mosel liegen.«
Das Buch richtet sich an wen: Einheimische oder Touristen?
»Insbesondere an Menschen, die die Region bereits sehr gut kennen oder zu kennen glauben. Das sind oft natürlich Einheimische, aber es gibt auch Touristen, auf die das zutrifft. Es geht einfach darum, unbekanntere Orte abseits des Mainstreams und möglichst vielfältige Geschichten zu entdecken.«
Wein, Radweg, Römer – was nervt Sie an der Mosel-Klischeeküche?
»Die Römer. Die spielen in unserem Buch eher eine Nebenrolle, da sie viele sehr bekannte und gut dokumentierte Spuren hinterlassen haben. Diese eignen sich zwar als Tipps, aber über sie gibt es wenig Neues zu erzählen.«
Zu zweit ein Buch schreiben: Wie haben Sie sich die Arbeit aufgeteilt?
»Angelina hat mehr – und schönere – Fotos gemacht, dafür hat Peter einige Texte mehr geschrieben. Wir waren da sehr spontan, jeder hat Ideen eingebracht, wir haben immer wieder diskutiert und sind nicht mit einer besonders strukturierten Aufgabenteilung gestartet. Es war buchstäblich ein sehr kreativer Prozess.«
Welcher Ort fehlt noch – für Band zwei?
»Die Moselquelle am Col de Bussang in den Vogesen. Für jeden, der die Mosel wirklich verstehen und kennenlernen möchte, ein Muss. Wir waren selbst dort, haben uns aber in diesem Buch auf die sogenannte „deutsche Mosel« zwischen Koblenz und Perl beschränkt. Auch in Luxemburg und Frankreich gibt es entlang des Flusses viel zu sehen.«
Lesungen
• 25. Juni: Der kleine Buchfink, Trier, 19 Uhr
• 2. Juli: Vinothek Winningen, 19.30 Uhr
• 11. Juli: Weinhütte Marx, Wintrich, 18 Uhr
• 30. Juli: Kino&Vino im Kinopalast, Wittlich, 18.30 Uhr
Weitere Lesungen in Schweich & Umgebung geplant.
Gewinnspiel
Das Buch ist jetzt im Emons Verlag erschienen:
Peter Bieg, Angelina Fischer – 111 Orte an der Mosel, die man gesehen haben muss,
ISBN 978-3-7408-2856-1,
18,95 Euro.
Wir verlosen vier Exemplare! Wer gewinnen will, schickt eine E-Mail mit dem Betreff »111 Orte an der Mosel« an gewinnen@weiss-verlag.de
Teilnahmeschluss: 30. Juni
Teilnahmebedingungen unter www.wochenspiegellive.de/service/gewinnspiele
Datenschutzbestimmungen finden Sie unter www.wochenspiegellive.de/datenschutz



