Andrea Fischer

Der Mann für Konzer Geschichte(n)

Konz. (MW) Heimatforscher Rudolf Molter im Porträt.

Es gibt wohl kaum jemand, der ein ähnlich umfangreiches Wissen über die Geschichte seiner Heimat hat, als Rudi Molter.

Es gibt wohl kaum jemand, der ein ähnlich umfangreiches Wissen über die Geschichte seiner Heimat hat, als Rudi Molter.

Bild: Matthias Willems

Rudolf Molter kann viel erzählen. Es gibt wohl kaum jemand, der ein ähnlich umfangreiches Wissen über die Geschichte seiner Heimat hat, als der gebürtige Wellener, der als Autor der Konzer Chronik und vieler weiterer Veröffentlichungen über die Geschichte der Saar-Mosel-Stadt bekannt ist.

Vom Leser zum Bauingenieur

1937 kam Molter in der Werkssiedlung der Trierer Kalk-Dolomit und Zementwerke (TKDZ) in Wellen zur Welt. Schon während der Schulzeit las er gerne Bücher. „Ich war eine Leseratte“, erinnert sich der 89-Jährige. Anfang der 50er Jahre machte er im Werk eine Bauzeichnerlehre. „Mein Ausbilder war (der damalige Besitzer) Josef Schnuch. Er und seine Familie haben das sehr gefördert, indem sie mir Zugang zu ihrer Bibliothek gewährt haben.“ Nach der Lehre machte Molter an der damaligen staatlichen Ingenieursschule für Bauwesen Trier (heute FH) sein Examen als Diplomingenieur und Architekt.

Einer seiner damaligen Dozenten war Professor Rolf Robischon, der Gründer des Freilichtmuseums Roscheider Hof. „Er konnte interessant aus Kunst- und Kulturgeschichte erzählen. Kann sein, dass da während meiner Ausbildung ein erster Impuls kam“, vermutet der Heimatforscher.

Nach dem Examen bewarb sich Molter beim Architekturbüro von Baurat Heinrich Otto Vogel, damals das bedeutendste Architekturbüro Triers mit dem Schwerpunkt Kirchenbau. „Dadurch hat man einen besonderen Einblick in die Geschichte bekommen. Ich schätze mal, 20 bis 30 Prozent unserer Tätigkeit war Denkmalpflege“, erzählt er.

1971 wechselte er in die Hauptabteilung Bau des Bischöflichen Generalvikariats Trier. Dort war er Abteilungsleiter „Objektbetreuung Kirchengemeinden“. Auch kommunalpolitisch war Molter lange aktiv. 1974 wurde er in den Konzer Stadtrat gewählt, dem er 33 Jahre angehörte.

Engagement für Denkmalschutz und Heimat

Als der Kreis einen ehrenamtlichen Denkmalpfleger suchte, bewarb sich Molter erfolgreich auf die Stelle. Dadurch kam er auch in Kontakt mit der staatlichen Denkmalpflege in Mainz. Dank seiner Verbindungen war es ihm beispielsweise möglich, das alte Pfarrhaus in Hamm an der Saar vor dem Abriss zu bewahren.

„In den Karten der Saarkanalgesellschaft war es schon nicht mehr drin. Da ich zu dieser Zeit mit meiner Frau auch in Hamm Jugendarbeit gemacht habe, habe ich gemeinsam mit einigen Leuten erreichen können, dass die Planung total verändert wurde. Das war ein harter Kampf“, erinnert sich Molter.

Der eigentliche Einstieg in die Geschichtsschreibung war 1987 eine Chronik über die Geschichte des Klosters Karthaus mit dem Titel „Die Kartause“, die zur Einweihung des renovierten Klosters erschien. „Damals wurde im Stadtrat beschlossen, das Kloster zu behalten, zu renovieren und zu nutzen. Die Stadt hat es dann den Franziskanerinnen abgekauft und übernommen“, erzählt Molter.

Zunächst habe es, auch im Stadtrat, viele Stimmen gegeben, die den Abriss forderten, um an der Stelle Wohnungen zu bauen. „Dann habe ich gesagt: Das ist ein hochwertiges Baudenkmal, das man doch nicht einfach abreißen kann.“ Mit dem damaligen Konzer Bürgermeister Hermann Hendricks erstellte er ein Konzept. Den Auftrag zur Renovierung bekam das Architekturbüro Konen. Das Kloster wurde zum Kulturzentrum, das noch heute für Veranstaltungen genutzt wird.

Die Konzer Chronik als Lebenswerk

„So kam ich zur allerersten Chronik wie die Jungfrau zum Kinde. Da habe ich dann die Chance gesehen, wirklich in die Heimatgeschichte einzusteigen. Und das ist ein ganzes Stück Heimatgeschichte geworden“, sagt er. Denn die Geschichte von „Contionacum“ ist lang. Der lateinische Name, aus dem später einmal Konz werden sollte, stammt von einer spätrömischen Kaiservilla.

Die erste Konzer Chronik stammte von Michael Scherer, damals Rektor der Konzer Realschule. Scherer sei allerdings mehr ein Erzähler gewesen, so Molter. Konz hatte jedoch keine umfassende Chronik über die Stadtgeschichte. „Die haben mir keine Ruhe gelassen. Dann habe ich gesagt: Ja gut, ich mach’s – aber bitte nicht unter Zeitdruck. Ich brauche schon ein paar Jährchen.“

Viele Informationen für sein am Ende 700 Seiten umfassendes Werk fand er in Archiven der Region. Neben dem Stadtarchiv Trier zählten auch das Bistumsarchiv sowie das Landeshauptarchiv Koblenz zu seinen Quellen. Die Spurensuche führte ihn sogar nach Luxemburg ins Regionalarchiv des Nachbarlandes. „Luxemburg spielt immer wieder in die Konzer Geschichte rein“, erklärt Molter. „So habe ich auch mal gelernt, Urkunden zu lesen. Das ist gar nicht so einfach.“

Durch die Lage an Saar und Mosel bekam Konz schon in der Römerzeit eine besondere Bedeutung – zunächst durch das Militär, später durch den Handel. Im Mittelalter ist selten von Konz, sondern fast immer von „Konzerbrück“ die Rede. Ein großer Einschnitt war auch der Bau der Eisenbahn ab 1857. Mit ihr kamen neue Berufsgruppen in die Stadt, und sie war Auslöser für industrielle Ansiedlungen wie 1897 den Baumaschinenhersteller Zettelmeyer.

2009 wurde die Konzer Chronik pünktlich zum 50-jährigen Stadtjubiläum fertiggestellt. Von 1984 bis 2023 war Molter zudem ununterbrochen als Autor heimatlicher Beiträge im Jahrbuch des Kreises Trier-Saarburg tätig. Dazu gehört auch die Geschichte des Pfarrers Canaris und seiner „Konzer Doktoren“, ein Begriff, dem man noch heute überall in der Stadt begegnet.

Hinzu kommen zahlreiche Beiträge für Festschriften, Broschüren sowie Aufsätze und Presseartikel. Für seine Verdienste wurde Rudolf Molter 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Seit 2014 ist er Ehrenbürger der Stadt Konz.