

Manchmal beginnt eine Weltreise ganz unspektakulär – mit einem Paar Laufschuhe und dem Wunsch nach Ausgleich. Gerhard Janzen aus Schweich hat alle sieben Rennen der World Marathon Majors absolviert und dafür die Six Star Medal erhalten, eine der begehrtesten Auszeichnungen im Ausdauersport. Berlin, New York, Chicago, Tokio, London, Sydney, Boston – sieben Marathons auf vier Kontinenten, über mehrere Jahre hinweg. „Für mich steht dabei weniger die Medaille im Vordergrund, sondern vielmehr der gesamte Weg dorthin – mit all seinen Erlebnissen, Herausforderungen und besonderen Momenten«, sagt der Schweicher.
Zum Laufen kam Janzen eher zufällig. Nach dem Studium an der RWTH Aachen zog er beruflich nach Morbach. „Laufen war für mich der einfachste Ausgleich – Schuhe an und los, unabhängig von Zeit und Ort.« Ein prägender Moment war der Hospizlauf von Koblenz nach Trier, bei dem er zunächst 30 Kilometer absolvierte – damals eine enorme Distanz. Später schaffte er Etappen von bis zu 80 Kilometern am Stück. Sein Freund Matthias Tritsch, auch Patenonkel seiner Kinder, überredete ihn schließlich zum ersten Marathon in Frankfurt. „Nach dem Zieleinlauf war klar: Ich bin mit dem Marathon-Virus infiziert.«
2017 folgte Berlin mit 50.000 Läufern. „Diese Atmosphäre, durch eine meiner Lieblingsstädte zu laufen, war etwas ganz Besonderes.« Den Plan, alle großen Marathons zu laufen, fasste er erst später – als ein Freund ihn auf die Major-Serie aufmerksam machte. New York war der erste gemeinsame Lauf, und damit begann das Sammeln.
Jeder Marathon hatte seinen eigenen Charakter. In Chicago lief Janzen zu schnell an und kämpfte am Ende mit Krämpfen – „wurde aber von den Zuschauern bis ins Ziel getragen.« Tokio beeindruckte ihn durch seine ruhige Ordnung trotz 40 Millionen Einwohnern, ein früher Morgen auf dem Fischmarkt gehörte zu den stärksten Eindrücken. In London, wo er mit Knieproblemen startete, liefen verkleidete Läufer an Tower Bridge und Big Ben vorbei. Sydney bot einen Start bei Sonnenaufgang auf der Harbour Bridge und einen Zieleinlauf am Opernhaus.
Den emotionalsten Lauf erlebte Janzen zuletzt in Boston. „Ich war dort mit meinem Sohn Georg – ein ganz besonderer Moment, da er selbst beim Youth Mile gestartet ist und über die berühmte Ziellinie gelaufen ist. Solche Momente sind unbezahlbar.«
Was von außen wie sportlicher Ehrgeiz aussieht, war in Wirklichkeit ein jahrelanges Projekt, das viele Lebensbereiche beeinflusste. Parallel zur Marathonreise wurde sein zweiter Sohn Leonard geboren, die Familie zog nach Schweich, Janzen absolvierte ein berufsbegleitendes MBA-Studium von 2022 bis 2025 und übernahm als Bereichsleiter in der Forschung und Entwicklung mehr Verantwortung. Dazu kommt politisches Engagement im CDU-Kreisvorstand Trier-Saarburg. „Ich habe oft früh morgens oder spät abends trainiert – teilweise Läufe zwischen 22 Uhr und Mitternacht oder ab 3.30 Uhr morgens.«
Ohne seine Frau Olga wäre das alles nicht möglich gewesen, betont Janzen. Viele Reisen plante die Familie bewusst als Kombination aus Wettkampf und Urlaub. Unterstützt wurde er zudem von seinen Trainern und Lauffreunden Dirk Engel vom LT Schweich und Thomas Koch aus Morbach. Engel und seine Frau Yvonne absolvierten in diesem Jahr ebenfalls den Boston Marathon. Janzens Söhne Georg und Leonard sind als TriKids sportlich aktiv, Georg trainiert seit zwei Jahren beim LT Schweich.
„Der Marathon zeigt einem, dass man kein außergewöhnlicher Held sein muss, um außergewöhnliche Dinge zu erreichen«, sagt Janzen. Der Moment im Ziel sei überwältigend – doch danach folge oft ein kleines Tief. „Plötzlich ist das große Ziel erreicht. Aber genau das zeigt, wie besonders dieser Weg war. Die Reise ist nie wirklich zu Ende.«




