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Andrea Fischer

"Mein Herz blutet": Warum wurde der Biberteich abgelassen?

Hermeskeil. Jahrelang haben sich Biber in dem Teich gegenüber der ehemaligen Kaserne an einem kleinen See getummelt. Nun wurde er - versehentlich - abgelassen.

Vor etwa einem Jahrzehnt begann die Geschichte dieses Teiches, als Biber zum ersten Mal einen Damm nahe eines Ablaufrohrs an der Landstraße errichteten. Im Laufe der Jahre wurde der Damm immer größer und tiefer, bis schließlich ein kleiner See entstand. In den Sommermonaten war der Teich ein beliebtes Ziel für Menschen, die sich dort zum Entspannen niederließen, während zahlreiche Tiere sich neben den Bibern ansiedelten. Fische, Enten, Graureiher und Kanada-Gänse gehörten zu den regelmäßigen Bewohnern. Doch seit Gründonnerstagnachmittag ist der Biberteich verschwunden.

Die Maßnahme lief nicht wie geplant ab. Seit Gründonnerstag ist nichts mehr wie es war. 

"Unser Herz blutet", schreibt die Hermeskeiler Stadtbürgermeisterin Lena Weber in ihrem Statement in den Sozialen Medien. Die Maßnahme des LBM am Biberdamm am Lascheider Hof habe die Stadtbürgermeister ebenso gewundern, vielleicht auch erschüttert wie sie selbst. Der Landesbetrieb Mobilität (LBM) habe am Gründonnerstag einen größeren Einsatz am Biberdamm in Nähe der Kaserne gehabt. Am selbigen Abend noch teilte Lena Weber, in den sozialen Medien ihre Bestürzung mit: "Die Biber hatten hier bekanntermaßen einen Damm errichtet, durch welchen das Wasser nicht mehr ablaufen konnte. (Man berichtete mir, dass die Soldaten zu Bundeswehrzeiten sogar durch den Durchlass gingen). Weil der Straßendamm, auf dem die B52 (L151) verläuft, wegzubrechen drohte, sollte am Durchlass unter der Straße kontrolliert - und mit Genehmigung des Biberbeauftragten sowie der Unteren Wasserbehörde - Wasser abgelassen werden. Der Straßendamm war niemals darauf ausgelegt, den Druck solcher Wassermassen Stand zu halten, weshalb der Einsatz notwendig wurde. Insbesondere in den vergangenen 4 Monaten ist der Wasserspiegel extrem (und auch bedrohlich) angestiegen. Die Maßnahme ist heute leider nicht ganz so abgelaufen, wie geplant. Beim Durchstechen des Durchlasses sind unverzüglich ungeheure Wassermassen durchgeflossen. In der Folge wurden viele Wiesen und Weiden geflutet. Brutstätten vieler Lebewesen wurden vom Wasser mitgerissen. Auch der Dörrenbach wuchs auf ein Vielfaches an. An der Stelle vielen Dank an die Einsatzkräfte von LBM, Ordnungsamt und Feuerwehr, die mit Sandsäcken größeren Schaden im Bereich der Wohnbebauung verhindern konnten. Informiert wurden wir über diese Maßnahme leider nicht. Wir hätten uns hier eine bessere Beteiligung (auch der Öffentlichkeit) gewünscht. Wir werden uns in den nächsten Tagen ein genaueres Bild von der Lage und möglichen Schäden machen."

Eine Katastrophe für Fische,  abgelaichten Reptilien und Brutvögel

Stefanie Venske vom Biberzentrum Rheinland-Pfalz ist erschrocken: Es war ja nicht geplant, den Biberteich ablaufen zu lassen. Wir wissen auch nicht, was da schiefgelaufen ist. Uns war bekannt, dass der Rohrdurchlass zugelaufen ist. Wir haben dieses Jahr drei tote Biber auf der Landstraße dort gehabt, denn die Biber sind ja immer bei der Straße gequert auf die andere Seite´." Das unter der Straße verlaufende Rohr habe sich zugesetzt und somit häten die Biber über die Straße laufen müssen, um auf die andere Seite des Teiches zu gelangen. Das Revier verliefe ja auf beiden Seite der Straße. "Weiter den Bach rauf gibt es weitere Biberdämme und auch eine schöne neue Burg, so dass ich glaube, dass die im Moment aktive Burg des Bibers nicht betroffen ist. Die Katastrophe hier ist aber, dass der Biber da ein tolles Biotop angelegt hat.  Jedoch sind Fische, die abgelaichten Reptilien und die Brutvögel dort Tiere, die sich nicht selbst ihren Lebensraum neu gestalten können.

Der LBM begründet das Vorgehen in einer schriftlichen Stellungnahme wie folgt:

Aufgrund Gefährdung der Verkehrssicherheit musste der Durchlass des Langwiesenbaches unter der B 52 bei Hermeskeil kurzfristig am 28. März 2024 geöffnet werden. Ursprünglich wurde der Langwiesenbach mittels eines Durchlasses (Durchmesser 1 m) unter der B 52 geleitet. Es gab keine größeren Stauflächen. Im Laufe der letzten Jahre siedelten sich Biber in dem Bereich des ehemaligen Wiesengeländes an und bauten dort eine "Biberburg" unmittelbar vor dem Durchlass. Hierdurch staute sich über die Jahre der Langwiesenbach auf, wodurch ein kleiner See entstand. Diese "Biberburg" ermöglichte zunächst weiterhin den verzögerten Abfluss des Langwiesenbaches. Durch Aktivitäten des Bibers wurde die Biberburg immer stärker abgedichtet und so zu einem wasserundurchlässigen Damm vor dem Durchlass. Aufgrund der massiven Niederschläge seit Oktober 2023 und dem nicht mehr vorhandenen Durchfluss durch den Durchlass staute sich das Wasser des Langwiesenbaches unaufhörlich extrem auf. Die Stauhöhe betrug zuletzt ca.9 m über Sohle. Der Straßendamm der B 52 ist kein Hochwasserschutzdamm, d.h. er wurde seinerzeit nicht gebaut, um diesen enormen Wasserdruck aufzunehmen. Es fehlte hier an einer entsprechenden Abdichtung. Das Wasser des zum Schluss zu einem sehr großen See aufgestauten Langwiesenbaches drückte sich durch den Straßendamm. Es bestand Gefahr in Verzug für die Verkehrsteilnehmer an der B 52, denn der Straßendamm drohte ohne Vorankündigung plötzlich zu versagen, da er zwischenzeitlich vollkommen durchnässt war. Seeseitig zeigten sich in der Böschung Setzungen und Risse. Alternativen gab es keine. Ein Teilablass ist technisch nicht möglich. Seitens der zuständigen Straßenmeisterei musste kurzfristig gehandelt werden. In der Zeit von November bis Dezember 2023 gab es drei überfahrene Biber in diesem Streckenabschnitt der B 52. Seit Mitte November 2023 war keine Bibertätigkeit in dem Dammbereich mehr gegeben; d. h. die Biberburg war zu Beginn der Arbeiten verlassen. Die Arbeiten des LBM wurden ab dem Spätherbst 2023 mehrfach mit dem Biberbeauftragten abgestimmt. Hierzu zählte auch die Öffnung des Damms für den Fall, dass die Sicherheit des Straßendamms nicht mehr gewährleistet wäre. Dieser Fall war nun eingetreten.

Dennoch hat der LBM versäumt, die zuständigen Institutionen und Behörden zu informieren. Hartmut Heck, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, sagte ebenfalls: Über die Arbeiten am Mittwoch, 27. März, und am Donnerstag, 28. März, seien weder die Stadt Hermeskeil noch die VG Hermeskeil informiert worden. "Die Sache muss vollständig aufgeklärt werden, damit so etwas nicht noch einmal vorkommt", betonte VG-Chef Heck ausdrücklich.

Ob die Zerstörung des Biberdamms rechtliche Folgen haben wird, bleibt offen. Denn laut dem Bundesnaturschutzgesetz ist das Zerstören eines Biberdamms oder Biberbaus in Rheinland-Pfalz streng verboten. Das Beschädigen oder Zerstören einer Fortpflanzungs- oder Ruhestätte eines Bibers kann in Rheinland-Pfalz mit einem Bußgeld in Höhe von bis zu 5000 Euro geahndet werden.


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