

Ein Hochzeitsgedicht war der Anfang. Ein Priester hörte Josef Zonker bei einer Feier zu und gab ihm einen ungewöhnlichen Rat: »Josef, du musst ein Buch schreiben.« Der Satz blieb hängen. Nicht sofort, aber irgendwann. Inzwischen hat der 69-Jährige seine Verse aus mehr als vier Jahrzehnten zusammengetragen. Herausgekommen ist ein sehr persönliches Buch.
1978 stand Josef Zonker erstmals auf einer Karnevalsbühne in Morscheid bei Waldrach, seinem Heimatort. 20 Jahre lang gehörte die Morscheider Fastnacht zu seinem Leben. Er war meist der Erste auf der Bühne, schrieb seine Ansagen selbst und sorgte mit seinen Versen für Unterhaltung. Was er damals zu Papier brachte, verschwand anschließend nicht in irgendeiner Schublade.
Für jedes Jahr legte Zonker eine Mappe an, mit Programmpunkten, Ansagen und seinen Texten. So hat er über die Jahrzehnte einen kleinen persönlichen Schatz bewahrt.
Im neuen Buch geht es deshalb auch um die Fastnacht – aber nicht nur. Zonker schreibt über Geburtstage, Hochzeiten und Familienfeiern, über Menschen, Haus- und Flurnamen und immer wieder über seine Heimat. Auch die moselfränkische Mundart findet ihren Platz. »Ich bin damit groß geworden«, sagt er. Die Mundart liegt ihm. Ob sie von jüngeren Generationen noch weitergetragen wird, bezweifelt er allerdings. Vielleicht ist sein Buch deshalb auch ein kleines Stück Sprach- und Heimatgeschichte.
Viele seiner Verse entstehen aus einem konkreten Anlass. Die Ehefrau bittet um einen Text, ein Geburtstag steht an oder Freunde wünschen sich etwas Persönliches. Manchmal kommt eine Idee auch einfach so.
Beim Schreiben ist Zonker durchaus ehrgeizig. Wenn er einmal angefangen hat, möchte er auch fertig werden. Und ein wenig Humor gehört für ihn immer dazu: »Es muss kein großer Lacher sein, aber ein bisschen Witz muss rein.«
Auch die Familie findet sich in seinen Texten wieder. »Mein Opa lässt das Dichten nicht« heißt eines der jüngsten Gedichte. Es entstand spontan und bezieht eines seiner fünf Enkelkinder mit ein. Sein Berufsleben verbrachte Zonker 48 Jahre lang bei der Post, zunächst in Trier, später in Konz. Hunde und extremes Wetter gehörten zu den weniger angenehmen Seiten des Berufs. Viel wichtiger sei für ihn aber gewesen, Selbstbewusstsein zu entwickeln und mit Menschen umzugehen. Daneben blieb er der Bühne treu – als Karnevalist und bis heute als Stadionsprecher.
Die Idee, seine Texte zu veröffentlichen, nahm schließlich konkretere Formen an. Er suchte im Internet nach Informationen darüber, wie man ein Buch schreibt, nahm Kontakt zu einem Verlag auf und begann, seine alten Mappen zu sichten.
Die technische Seite war dabei die größte Herausforderung. Seine Frau und zwei Computerfachleute halfen ihm. Eine erste Ausgabe entstand zunächst nur für den privaten Gebrauch. Danach wurde noch einmal überarbeitet, sortiert und mit Fotos ergänzt. Nun ist die zweite Ausgabe erschienen. Für Zonker ist damit ein Projekt abgeschlossen, das vor mehr als vier Jahrzehnten auf einer kleinen Karnevalsbühne begann.
Noch einmal ganz aufhören möchte er mit dem Schreiben eigentlich nicht. Nur die Ideen seien inzwischen etwas rarer geworden. Eine Lesung ist derzeit nicht geplant, ganz abgeneigt wäre er einem solchen Auftritt aber nicht. Sein schönster Wunsch für das Buch ist ohnehin ein anderer. Was damit in 20 Jahren passiert, weiß er selbst nicht. Vielleicht landet es in einer Schublade. Vielleicht interessiert sich niemand mehr dafür. Vielleicht aber nimmt eines seiner Enkelkinder das Buch irgendwann in die Hand und entdeckt zwischen den Seiten einen Teil seines Großvaters. Und denkt: »Ach ja, das war der Opa Josef damals.«
Das Buch ist über den Books-on-Demand-Verlag erhältlich und kostet 10 Euro.
Wenn ich mir Morscheid so betrachte, ein kleines Fleckchen auf der Karte,landschaftlich schön an zusehn. Menschen, die noch Platt verstehn.Gastwirtschaften, Feuerwehr ein Bürgerhaus, was will man mehr. Vereine mit viel Festlichkeiten all das sind Morscheider Kostbarkeiten. Fällt dir de häem de Deck opp de Kopp, Maach en Ausflug, de Drischa ropp.
Dou seihs den Äschbersch rech da hand, Ett ass en Pläsia, e sche Steck Land.Gähs weida dann on an da Näh, stes de schon opp de Saudawä. Daat ass »die Rüe da mua« e ruhisch Pläätzie fer Jengelscha matt härerm Schäätzie, seihs de Bröswald, kucks opp Schoaz möel en tua on denks, wie schen ass hei de Natur, sö vill Griens, gut Lofft o Weiden, och daat seiin Moaschelda Kostbarkeiten.
(Josef Zonker)




