

Der Zug rollt Richtung Merzig. In der Tasche: Sportsachen. Im Kopf: das nächste Training. Während andere nach der Schule abschalten, beginnt für Sebastian Lellig der zweite Teil seines Tages. Für den 17-Jährigen aus Saarburg ist das längst Normalität geworden.
Bundesliga-Qualifikation, Landeskader und Training mit Handball-Weltmeister Christian „Blacky“ Schwarzer – was nach großer Bühne klingt, ist für ihn Alltag. Und trotzdem bleibt etwas, das ihn auszeichnet: Bodenständigkeit.
Handball ist schnell, körperlich, intensiv. Entscheidungen fallen in Sekundenbruchteilen. Genau das fasziniert ihn seit Jahren. „Es gibt immer neue Situationen. Man braucht Schnelligkeit, Kraft, Ausdauer und Köpfchen“, sagt Sebastian. Aus einem frühen Hobby ist längst ein klar strukturierter Weg geworden.
Der Moment, in dem alles ernster wurde
Den Wendepunkt erlebte Sebastian mit der Aufnahme in den saarländischen Landeskader. Fahrten nach Saarbrücken, Training mit den besten Spielern des Bundeslandes, ein deutlich höheres Niveau – und die Erkenntnis: Das hier ist Leistungssport.
Heute spielt er beim HSV Merzig/Hilbringen, nachdem er seinen Heimatverein TuS Fortuna Saarburg verlassen hat, um den nächsten Schritt zu gehen. Mehrmals pro Woche Training, dazu Kraft- und Laufeinheiten – sein Alltag ist eng getaktet.
„Natürlich gibt es Tage, an denen die Motivation mal etwas geringer ist“, sagt der 17-Jährige. „Aber genau dann muss man trotzdem hingehen.“ Disziplin ist für ihn kein Schlagwort, sondern Routine.
Mehr als nur Talent
Dass Sebastian zu den größten Talenten der Region zählt, hat viele Gründe. Er bringt Größe, Athletik und Spielverständnis mit – vor allem aber den Willen, sich zu entwickeln.
Im Angriff sucht er konsequent den direkten Weg, nutzt Tempo und Übersicht und kommt regelmäßig zum Abschluss. Gleichzeitig arbeitet er intensiv in der Abwehr, geht in Zweikämpfe, erobert Bälle und startet Gegenstöße. „Das gehört genauso dazu“, sagt er – und genau diese Haltung zieht sich durch sein Spiel.
Bundesliga-Luft geschnuppert
Ein wichtiger Meilenstein war die erfolgreiche Qualifikation für die Jugend-Bundesliga. Plötzlich standen Spiele gegen Teams aus Frankfurt, Köln oder Großwallstadt auf dem Programm – Vereine mit Geschichte im deutschen Handball. „Als wir das realisiert haben, war das schon etwas Besonderes“, erinnert sich Sebastian. Auch im Landeskader beim Deutschland-Cup wurde schnell klar, wie eng die Leistungsdichte im Nachwuchsbereich ist – und wie klein der Abstand nach ganz oben.
Lernen vom Weltmeister
Ein prägender Einfluss war das Training mit Christian „Blacky“ Schwarzer. Der Weltmeister von 2007 arbeitet mit den Talenten an Details, die im Spiel entscheidend sein können. „Er hat immer noch Tricks auf Lager, die man sonst nirgendwo lernt“, sagt Sebastian. Es seien oft kleine Abläufe, einfache Lösungen – aber perfekt umgesetzt. Mit der Zeit habe sich auch sein eigenes Spiel verändert: weniger Einzelaktionen, mehr Zusammenspiel. „Das Team ist entscheidend“, sagt er.
Familie als Fundament
Dass Sebastian diesen Weg gehen kann, liegt auch an seinem Umfeld. Er kommt aus einer Handballfamilie. Seine Eltern, Dr. med. Claudia und Dr. med. Christian Lellig, haben selbst gespielt – der Sport gehört seit jeher dazu.
Er ist der mittlere von drei Brüdern. Der jüngere steht selbst im Tor, der ältere hat den Schritt Richtung Studium bereits gemacht.
Fahrten zu den Spielen, Turniere am Wochenende, Training unter der Woche – vieles läuft über die Familie. „Meine Familie ist immer für mich da und kennt mich am besten“, sagt Sebastian. Sein Vater beschreibt es so: „Es gibt keinen Tag, an dem er nicht auf irgendeine Art und Weise trainiert.“ Antreiben müsse man ihn kaum – „eher bremsen“, sagt er mit einem Lächeln
Zwischen Training, Schule und Alltag
Trotz des hohen sportlichen Pensums bleibt Sebastian vielseitig. Am Gymnasium in Saarburg gehört er zu den Leistungsstarken, besonders interessiert ihn der Bereich Mathematik, Informatik und Technik.
In seiner Freizeit programmiert er, spielt Schlagzeug oder löst den Zauberwürfel in beeindruckender Geschwindigkeit – ein Ausgleich, der ihm wichtig ist.
Große Ziele – klarer Blick
Profihandball? „Ein Traum, klar. Aber man muss wissen, wie schwer das ist“, sagt Sebastian. Der Weg ist offen, aber nicht selbstverständlich. Abitur, mögliche Ausbildung oder Studium – auch diese Perspektiven gehören dazu. Was ihn besonders macht, ist diese Mischung aus Ehrgeiz und Klarheit. Große Ziele, ohne sich darin zu verlieren.
Auf die Frage, was Erfolg für ihn bedeutet, denkt er kurz nach. Dann sagt er: „Glücklich sein bei dem, was man tut.“ Vielleicht ist genau das sein eigentlicher Antrieb. Denn egal, wohin der Weg noch führt: Sebastian ist längst unterwegs – Schritt für Schritt, mit Ziel, Ruhe und einer Klarheit, die jetzt schon auffällt.




