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Klaus Desinger

Extremsportler Heukemes fand in Kirschweiler ein neues Zuhause (Video)

Kirschweiler. Einer der bekanntesten und erfolgreichsten Extremsportler der Republik hat in Kirschweiler eine neue Heimat gefunden.

Achim Heukemes, mittlerweile 71 Jahre jung, hat im Extremsport so ziemlich alles abgeräumt. Angefangen hat für den gebürtigen Wuppertaler alles mit 33 Jahren. Nach einem schweren Motorradunfall hat er den Bezug zu seiner Maschine verloren. »Ich musste etwas verändern«, erinnert er sich im WochenSpiegel-Gespräch. So vollzog er einen Cut, zog nach Mittenwald in Oberbayern und lernte Kurt König, einen der besten Bergläufer Europas kennen.

"Aus dir kann was Großes werden"

»Du hast eine ideale Lauffigur, aus dir kann was ganz Großes werden«, attestierte ihm König und nur so aus Spaß und aus dem Stand nahm Heukemes an einem 10-Kilometer-Lauf teil. Nun hatte er Blut geleckt. Der gelernte Industriekaufmann trainierte neun Monate und nahm an seinem ersten Marathon in Berlin teil. »Ich bin ein Mensch, der sich Ziele setzt«, verrät der Sportler. Nachdem er mit 2,29,26 seine persönliche Marathon-Bestzeit erreicht hatte, hatte sich diese Disziplin für ihn erledigt. Er wollte mehr, absolvierte 24 und 48-Stunden Tag- und Nachtläufe. »Das ist genau mein Ding«, schmunzelt der Neubürger. Den Schlafentzug, der dabei den Kick gibt, kannte er schon etwas aus seiner Zeit als Lkw-Fahrer. Runden im Stadion drehen, das war Heukemes zu langweilig. Sechs- und Zehntagerennen, querfeldein, mussten her. In 16 Tagen ging es vom Brenner nach Sizilien und später sogar vom Nordkap auf das italienische Eiland. 5.735 Kilometer, 55 Tage und als erster Mensch mit einer Strecke von 105 Kilometern pro Tag. Er umrundete Mallorca, lief von der holsteinischen Marsch bis zur Zugspitze. »Ich halte auf drei Kontinenten die Rekorde im Durchqueren, Europa, Australien im Laufen und Amerika - Rad & Laufen, 11.000 Kilometer in 79 Tagen«, resümiert Achim Heukemes. »Wer schläft, verliert«, schmunzelt der zehnfache Weltmeister im Ironman in der Masterklasse (38 Kilometer Schwimmen, 1.800 Kilometer Radfahren und 422 Kilometer Laufen). Da Schwimmen nicht seine Königsdisziplin ist, stieg er 2021 bei der WM auf Duathlon um, Radfahren - Laufen - Radfahren. Doch was veranlasste den Tausendsassa, in den Hunsrück zu ziehen?

"Wir suchten ein bissken watt für auffet Land"

»Wir suchten ein bissken watt für auffet Land«, erklärt Extremsportler Heukemes seinen Umzug von Kallstadt in die Verbandsgemeinde Herrstein-Rhaunen. Wie man hört, hat er seinen Kohlenpott-Dialekt nicht abgelegt. Auch das macht ihn sympathisch. In ein 100 Jahre Altes Fachwerkhäuschen in Kirschweiler haben er und seine Frau Suthida sich sofort verliebt. »Es ist hier eine gute Umgebung, um zu trainieren«, konstatiert der Iron-Man.Im Winter trainiert er noch immer zwei bis drei Stunden täglich beim Indoor-Cycling, ab 10 Grad über Null geht es wieder per Rad an die frische Luft: 100 Kilometer jeden Tag. Die nächsten Wettkämpfe? Im April nimmt Heukemes bei der Duathlon-EM in Alsdorf teil. Und eine große Sache, die noch niemand gemacht habe, steht an: In dem von der Tour de France bekannten Ort Alpe d‘Huez will Heukemes heuer auf 1.800 Metern Höhe die 21 Kehren 30 Mal unter 72 Stunden fahren. »Das hat noch kein Mensch geschafft«, freut sich der 71-Jährige auf seine Jahresplanung. Während Otto-Normalverbraucher froh ist, auf seine 10.000 Schritte täglich zu kommen, was meist minder als mehr gelingt, startet Extremsportler Heukemes weiter durch. »Nur so lernt man seinen Körper kennen«.


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