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Die Angst ist größer geworden

Die Flutkatastrophe an der Ahr hat das gleichzeitige Hochwasser der Nette in der Wahrnehmung verdrängt. Dabei war es beispielsweise für die Mayener Anlieger des Bachlaufs mit sehr hohen Schäden verbunden – und die Angst vor einer Wiederkehr der Wassermassen ist sogar größer geworden.
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Vier Monate nach dem Nette-Hochwasser geht der Blick der Anwohnerinnen und Anwohner der Grerberstraße und der Straße Im Bannen mit gehörigem Frust in Richtung Bachlauf. Grund: Sie fühlen sich und ihre Ängste nicht ernst genommen. "Es liegt immer noch das Treibgut in der Nette. Zudem hängen zum Teil Bäume direkt über dem Wasser. Darüber hinaus wurde bei dem Hochwasser viel Geröll angeschwemmt. Wenn ein Starkregenereignis wie im Juli wieder kommen würde, wäre eine Staubildung an den Brücken – gerade in unserem Bereich – vorprogrammiert – mit den entsprechenden Folgen", sagt Günter Laux. Der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt Mayen rechnet vor: "In Mayen waren rund 500 Haushalte vom Hochwasser betroffen. Die durchschnittliche Schadenssumme beträgt 40.000 Euro. Das macht 20 Millionen Euro aus!" Und bei einigen, die sich an diesem Nachmittag an der Nette versammelt haben, liegt der Schaden sogar im sechsstelligen Eurobereich. Die Angst, dass sich die Hochwasserschäden von 2016 und 2021 wiederholen ist groß. Im Vergleich zur Ahr sei alles natürlich relativ, aber man fühlt sich einfach vergessen. Und die Kritik an der Stadt wächst, dass sich wenig bis nichts getan hat: Die Verwaltung habe bereits an verschiedenen Stellen Treibgut entfernt. Hinsichtlich weiterer Stellen stehe sie in Kontakt mit den entsprechenden Behörden (Wasserbehörde, Naturschutzbehörde), heißt es auf WochenSpiegel-Anfrage aus dem Rathaus. Darauf wollen die Anwohnerinnen und Anwohner aber nicht warten. Sie fordern eine sofortige Umsetzung von Maßnahmen. "Die Stadt soll endlich räumen", fordert Josef Bouvet. Von der Verwaltung oder von Ratsmitgliedern habe man auch lange nichts gehört. Ein Zustand den die Freien Wähler Mayen (FWM) so nicht hinnehmen wollen. "Es wird sich eine Interessengemeinschaft zum Hochwasserschutz bilden", so der FWM-Chef Hans-Georg Schönberg nach einer "sehr gut besuchten Informationsveranstaltung". Und es gebe ja eigentlich schon einen einstimmig gefassten Stadtratsbeschluss bezüglich des Hochwasserschutzes, so Schönberg weiter, aber getan habe sich noch nichts Konkretes. "Es ist richtig, dass im Jahr 2020 ein Stadtratsbeschluss hinsichtlich des Maßnahmenkataloges aus dem Gewässer- und Hochwasserschutzkonzept erfolgt ist. Dieser lautete ‚Der Stadtrat stimmt dem Maßnahmenkatalog aus den Konzepten zu und beauftragt die Verwaltung mit der sukzessiven Umsetzung.‘ Die Verwaltung arbeitet an der sukzessiven Umsetzung – eine sofortige Durchführung aller Maßnahmen war weder angedacht, noch ist diese möglich", so die Antwort der Stadtverwaltung auf eine Anfrage des WochenSpiegel. Ob das den Nette-Anwohnerinnen und -Anwohnern ausreicht, darf bezweifelt werden.  Fotos: Pauly(3)/privat