9 Kommentare

Kritiker aus Verband ausgeschlossen

Zoff beim DEHOGA geht weiter

Mosel. Renommierter Traben-Trarbacher Hotelier Matthias Ganter und weitere Gastronomen hatten Wahl und Entlohnung des DEHOGA-Verbandspräsidenten kritisiert. Nun kam postwendend und per Einschreiben der Rausschmiss für Ganter.

von Mario Zender

Traben-Trarbach. Matthias Ganter ist ein erfolgsverwöhnter Unternehmer. Seine beiden Hotels, das »Jugendstilhotel Bellevue« und das »Moselschlösschen«, gehören zu den besten und erfolgreichsten an der Mosel. Der rührige Hotelier tut auch viel dafür. Er bildet viele junge Menschen aus, steckt Geld in Weiterbildung und investiert immer wieder in seine Häuser. Der Erfolg gibt ihm Recht. Ganter ist Hotelier mit Leib und Seele, engagiert sich im DEHOGA und im IHK-Tourismusausschuss. Überall ist sein profundes Fachwissen gefragt. Doch an diesem Freitag sitzt Ganter fassungslos im Jugendstil-Sessel seines Hotels. Gerade hat er ein dreiseitiges Einschreiben des Hotel- und Gaststättenverbandes Rheinland-Pfalz bekommen. Darin wird ihm mitgeteilt, dass er mit sofortiger Wirkung aus dem Verband ausgeschlossen wurde. Begründung: Ganter habe sich verbandsschädigend verhalten«. Der Hotelier ist entsetzt: »Ich kann eine solche Reaktion nicht nachvollziehen und auch nicht akzeptieren.« Der Zwist mit dem Verband hat nach Angaben von Ganter mit einer - nach seiner Meinung - nicht rechtmäßigen Verlängerung des Vertrages von DEHOGA-Präsident Geroen Haumann begonnen.
Der 57-Jährige Ganter ist Sprecher von 20 Gastronomen, die den DEHOGA wegen der vorzeitigen Amtszeitverlängerung des Präsidenten Gereon Haumann verklagt haben. Haumann hatte sich im August 2018, mitten in seiner laufenden Amtsperiode, vorab für weitere acht Jahre wählen lassen. Durch diese vorgezogene  Wahl bleibt er bis 2029 DEHOGA-Präsident. Die klagenden Hoteliers kritisieren zudem, dass Haumann dafür ein hohes Honorar erhalte. Demnach soll Haumann mehr als 250.000 Euro bekommen.
Die üppige »Entlohnung« des Präsidenten, der bis vor kurzem auch noch an einer Tochterfirma des DEHOGA beteiligt war, wird von vielen Mitgliedern kritisch gesehen.
Denn seine Vorgänger und auch die anderen Landes-Präsidenten im Bundesgebiet begleiten das Amt ehrenamtlich. Auf Anfrage des WochenSpiegel wollte sich der DEHOGA mit Hinweis auf ein »laufendes verbandsinternes Verfahren« nicht äußern. Allerdings lud die Pressesprecherin unseren Reporter zu einem »Presse-Brunch« Mitte April ein. Matthias Ganter hingegen will den Rauswurf nicht akzeptieren. Er werde nun Beschwerde und Rechtsmittel einlegen. »Ich bin in meinem Leben noch niemals irgendwo rausgeworfen worden«, resümiert der Traben-Trarbacher Hotelier.

 

Kommentar

Maßlosigkeit

Von Mario Zender

20 Hoteliers gehen gegen ihren Interessenverband vor. Grund ist offenbar die selbstherrliche Art des Präsidenten. Der ist in allen anderen Landesverbänden ehrenamtlich tätig, bekommt eine kleine Aufwandsentschädigung. Nur in Rheinland-Pfalz gönnt Präsident Gereon Haumann sich rund eine viertel Million Euro pro Jahr. In Zeiten, in denen zahlreiche seiner Mitglieder um ihre Zukunft bangen, sichert sich der Präsident sein üppiges Salär und das gleich über die satzungsgemäße Laufzeit hinaus. Denjenigen, der das kritisch hinterfragt, wirft man einfach raus. Das nenne ich: Maßloses Verhalten nach Gutsherrenart!

mzender@weiss-verlag.de

Artikel kommentieren

Kommentar von Yvonne
Ich frage mich, warum nicht viel mehr Mitglieder aus dem Dehoga austreten... nach all diesen Veröffentlichungen.
Wird nur viel geredet, aber keiner steht an Herrn Ganters Seite. Wenn die Mitgliederzahlen zurück gegen, muß irgendwann zwingend reagiert werden.
Kommentar von Jürgen Deneu
Toll!!!
Die Gastronomiebetriebe kämpfen vielerorts ums nackte Überleben und der DEHOGA-Chef bedient sich gerade eben mal so mit 1/4 Million Jährlich. Wer finanziert eigentlich dieses horrente Salär? Einfach maßlos.
Kommentar von Heidi Bieger
Herr Ganter hält für uns den Kopf hin und dafür sind wir ihm alle sehr dankbar. Es muß ja schließlich einen Sprecher geben. Ich
frage mich allen Ernstes, warum wir nicht alle 20 ausgeschlossen werden. Wir stehen alle zusammen .
Wir glaubten uns in einer Demokratie, aber hier bestimmt nur einer.
Die Bundeskanzlerint kann doch auch nicht sagen, es läuft gerade so gut, wählt mich mal bitte für weitere 8 Jahre .???? was ist das für eine finanzielle Hypothek auf unseren DEHOGA.

Alle Kommentare anzeigen