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Verputzer "spurlos" verschwunden

Cochem. In Cochem baut die Verbandsgemeinde ein neues Verwaltungsgebäude. Dabei läuft nicht alles glatt, was im konkreten Fall verwunderlich und mehr als außergewöhnlich ist, denn jetzt sitzt ein Unternehmer in Haft.

Derzeit sind die Büroräume der Verbandsgemeindeverwaltung Cochem über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Nach der Fusion mit der VG Treis-Karden und der dadurch erheblich aufgestockten Personalstärke sind Behördenmitarbeiter neben dem bisherigen Rathaus in der Ravenéstraße, im alten Rathaus am Marktplatz sowie in einem angemieteten Gebäude gegenüber untergebracht. Weder für die Beschäftigten, noch für die Bürger, die teilweise Umwege in Kauf nehmen müssen, ein erfreulicher Zustand. Damit sich daran etwas ändert, hat der Verbandsgemeinderat beschlossen, einen Neubau neben den bisherigen Verwaltungssitz zu stellen. 3,3 Millionen Euro lässt sich die Behörde das Bauwerk kosten.

Einzugstermin verzögert sich

Eigentlich sollten bereits seit geraumer Zeit die Mitarbeiter umgezogen sein und in den Büros reger Publikumsverkehr herrschen. Das war die Planung. Die Realität wird aber durch Pech und Pannen durchkreuzt. Erst gab es Probleme bei den Fenstern (Auftrag musste abgeändert werden) und nun kommt es auch noch zu massiven Komplikationen bei den Verputzarbeiten. Eigentlich war dafür eine Firma aus dem Westerwald verpflichtet worden. Das Unternehmen hatte bei der Ausschreibung, so WochenSpiegel-Informationen, mit rund 50.000 Euro das günstigste Abgebot abgegeben und deshalb den Auftrag erhalten. Die Arbeiten an der Rückseite des Gebäudes sind auch bereits ausgeführt. An der Frontseite - also zur Ravenéstraße hin - wurde bisher lediglich die Isolierung vorgenommen und der Grundputz in einer ersten Lage aufgetragen. Das war Anfang Juni. Seitdem ist von den Arbeitern der Firma nichts mehr zu sehen. Elmar Konzen von der Verbandsgemeinde Cochem: "Die Firma ist für uns seit Anfang Juni trotz wiederholter Bemühungen nicht mehr erreichbar." Dies hat offenbar mit einer großangelegten Polizeiaktion am 5. Juni zu tun.

Organisierte Schwarzarbeit?

Am Morgen dieses Tages hatten in einer Großrazzia rund 600 Einsatzkräfte - unter Federführung der Staatsanwaltschaft Koblenz - in Rheinland-Pfalz und Hessen rund 90 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. Der Verdacht: organisierte Schwarzarbeit (Az. 2050 Js 5035/17). Harald Kruse, Leitender Oberstaatsanwalt: "Gegen die beiden Haupttäter, einen 38 Jahre alten türkischen Staatsangehörigen und dessen Bruder, einen 34 Jahre alten deutschen Staatsangehörigen, besteht der Verdacht, sie hätten mittels Nutzung sogenannter Servicefirmen und Abdeckrechnungen Steuern und Sozialversicherungsbeiträge hinterzogen." Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, soll der noch nicht genau bestimmbare Gesamtschaden an Steuern und Sozialabgaben bei mehreren Millionen Euro liegen. Nach Informationen des WochenSpiegel handelt es sich bei einem der Festgenommenen um den Chef der Verputzerfirma, die in Cochem die Außenfassade des VG-Gebäudes herstellen sollte. Elmar Konzen von der VG-Cochem: "Um den zu befürchtenden Verzögerungen im Bauablauf bestmöglich entgegen zu wirken, wurde das betreffende Unternehmen unter Androhung der Vertragskündigung kurzfristig formell in Verzug gesetzt." Parallel soll nun eine beschränkte Ausschreibung der noch zu erbringenden Restarbeiten vorbereitet werden. Wann die Fassade verputzt sein wird, ist derzeit noch offen. Fest vorgenommen hat sich die Verwaltung aber schon mal den Umzug der Mitarbeiter. Der soll, so derzeitige Planungen, Anfang/Mitte August diesen Jahres erfolgen. Vorausgesetzt es kommt nicht noch zu "Überraschungen"...

Foto: Zender

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