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Prozessauftakt gegen Bunker-Bande aus Traben-Trarbach

VG Traben-Trarbach. Ein professionelles Rechenzentrum in einem unterirdischen Bunker im Moselort Traben-Trarbach war den Ermittlungen zufolge eine Schaltstelle für zahlreiche Verbrechen. Die Geschäfte florierten, bis am 26. September die GSG 9 und 600 Polizisten anrückten. Ab dem kommenden Montag muss sich die »Bunker-Bande« jetzt vor Gericht verantworten.

Von Mario Zender

Die Dimensionen in dem Verfahren mit dem Aktenzeichen 5 Js 30/15. 2a KLs sind in jeglicher Hinsicht gewaltig. Ab dem kommenden Montag müssen sich vor der 1. Großen Jugendkammer des Landgerichtes Trier vier Niederländer im Alter von 25, 34, 50 und 60 Jahren, drei Deutsche im Alter von 21, 24 und 53 Jahren und einen Bulgare im Alter von 40 Jahren wegen der Bildung oder Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung und Beihilfe zu mehr als 249.000 Straftaten unterschiedlicher Art, verantworten. Das Verfahren ist bereits jetzt bis Dezember 2021 terminiert –  zweimal wöchentlich wird verhandelt, jeweils montags und donnerstags. Insgesamt 18 Verteidiger stehen den Angeklagten zur Seite. Die Bande soll unter dem Namen »Cyberbunker« ein Rechenzentrum betrieben haben, »dessen einziger Zweck es war, Webseiten krimineller Täter zu speichern und diesen ihre Straftaten so erst zu ermöglichen«. Kopf der Bande soll der Niederländer Herman Johann X. sein. Er hat, so die Generalstaatsanwaltschaft Koblenz, die die Ermittlungen leitet, im Jahr 2013 über eine von ihm gegründete niederländische Stiftung den vormals von der Bundeswehr genutzten, größtenteils unterirdischen Bunker hoch über Traben-Trarbach, gekauft. Nach und nach soll er mit vier weiteren Angeklagten ein Rechenzentrum für illegale Zwecke, einen sogenannten »Bulletproof-Host« eingerichtet haben. Und das florierte offenbar, wie die Ermittler zusammentrugen. Ein Tatkomplex ist die Hostung des Darknet-Marktplatzes »Wall Street Market«. In der Zeit vom 5. Oktober 2016 bis zum 6. Mai 2019 hätten die Angeklagten »Wall Street Market« gehostet, eine Verkaufsplattform für überwiegend verbotene Güter, wie Betäubungsmittel, gefälschte Dokumente, Malware, PayPal-Konten sowie illegal erlangte Kreditkarten. Im Tatzeitraum sollen über diesen  seinerzeit weltweit zweitgrößten Marktplatz in 239.617 Einzelfällen Betäubungsmittel im Wert von über 36 Millionen Euro verkauft worden sein; dabei seien mindestens 2,6 Tonnen Marihuana, 138 Kilo Haschisch, 238 Kilo MDMA, 692.772 Ecstasy-Pillen, 16 Kilogramm Heroin, 160 Kilogramm Kokain, 68 Kilogramm Methamphetamin, eine dreiviertel Tonne Amphetamin und 362.735 LSD-Trips umgesetzt worden.
Außerdem fanden die Ermittler auf den Servern der Angeklagten die URL cb3rob.org/Darknet, auf der 6.581 Darknet-Webseiten aufgelistet gewesen sein sollen. Bei diesen verlinkten Seiten habe es sich um betrügerische Bitcoin-Lotterien, Darknet-Marktplätze für Betäubungsmittel, Waffen, Falschgeld, Mordaufträge und Kinderpornographie gehandelt, so die Ermittler.  Auch ein großer Hackerangriff soll über die in Traben-Trarbach gehosteten Server ausgeführt worden sein. Laut Generalstaatsanwaltschaft sei das sogenannte »Mirai-Botnetz«, durch das im November 2016 ein groß angelegter Angriff auf Router der Deutschen Telekom AG erfolgte, über im Rechenzentrum der Angeklagten gehostet worden sein. »Es ist das erste Mal in Deutschland, dass nicht gegen Betreiber von Shops oder Marktplätzen, sondern gegen die ermittelt wird, die diese Straftaten erst möglich machen«, sagte Jürgen Brauer, Leiter der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz. Bericht folgt!

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