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"Dunkelste Zeit der Geschichte"

Stolpersteine für die Familie Kaufmann

Bad Bertrich. Die Kurfürstenstraße in Bad Bertrich ist die Heimat der Familie Kaufmann gewesen. Paula Kaufmann wurde 1942 von den Nazis ins Vernichtungslager Treblinka deportiert und dort vermutlich sofort ermordet. Ihre Kinder Ernst, alfred und Erna konnten emigrieren und überlebten den Holocaust.

Das Verlegen der Stolpersteine ist für den Künstler Gunter Demnig an diesem Vormittag Schwerstarbeit. Die Temperaturen klettern auf über 30 Grad und das Pflaster in der Kurfürstenstraße vor dem ehemaligen Haus der Kaufmanns ist hart. Demnig arbeitet trotzdem mit einer stoischen Ruhe - dem anlass entsprechend. "Die Stolpersteine sollen uns daran erinnern, dass früher etwas nicht in Ordnung war", sagt Alfred Steimers, Bürgermeister der VG Ulmen. Er spricht von der "dunkelsten Zeit unserer Geschichte". Aber auch heute sei nicht alles in Ordnung, wenn Flüchtlingsheime brennen. "Da müssen wir uns wehren und das frühzeitig", geißelt er die geistigen Brandstifter solcher Taten.

Mit den vier Stolpersteinen wird jetzt ständig an das Schicksal der Familie Kaufmann erinnert.

Paula Kaufmann (*1874), Ernst (*1910), Alfred (*1912) und Erna Kaufmann (*1915)

Paula Kaufmann führte in Bad Bertrich eine Schreibwaren- und Buchhandlung, für die sie seit dem Tod ihres Mannes alleine verantwortlich war. Ihr Mann Samuel starb 1919. Die gemeinsamen Kinder Ernst, Alfred und Erna zog sie ebenfalls alleine groß. Dies alleine dürfte zur damaligen Zeit schon eine schwere Aufgabe gewesen sein, doch mit der Machtergreifung der Nazis wurde es zusehends schwieriger. Spätestens als Nazis im Jahr 1935 mit großen Buchstaben das Wort "Jude" auf das Schaufenster und die Straße vor dem Geschäft schrieben, war klar, dass sie die Familie wirtschaftlich ruinieren und zur Flucht zwingen wollten. Der älteste Sohn Ernst flüchtete ein Jahr später erst nach Schweden, dann in die USA. Die beiden jüngeren Geschwister verließen mit ihrer Mutter ebenfalls Bad Bertrich, zunächst nach Trier, um dort die weitere Flucht vorzubereiten. Doch diese gestaltete sich schwierig. Zwar konnte Alfred Kaufmann wenig später in die USA ausreisen, seiner Mutter Paula wurde die Einreise jedoch wegen einer Augenkrankheit abgelehnt. Tochter Erna harrte zunächst an der Seite ihrer Mutter aus, wurde jedoch von dieser schließlich gedrängt, Deutschland zu verlassen. Erna Kaufmann emigrierte daraufhin 1939 nach England. Mutter Paula blieb bei einer Freundin in Trier zurück. Beide wurden im Juli 1942 ins Ghetto Theresienstadt verschleppt. Paula Kaufmann wurde am 19. September 1942 ins Vernichtungslager Treblinka deportiert und vermutlich direkt nach ihrer Ankunft ermordet.

Fotos: Pauly

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Kommentar von SV
....in der Kurfürstenstraße vor dem ehemaligen Haus der Kaufmanns ist hart.
-leider ist das die Kurfürstenstraße 46!
Fam. Kaufmann hat doch aber in der Kurfürstenstraße 42 gelebt, oder?