Wenn nichts mehr so ist, wie es war

St.Aldegund. Statt des Startes in die "Goldenen 20er Jahre" des 21. Jahrhunderts wird 2020 als das Jahr in die Geschichte eingehen, dass unser Leben auf den Kopf gestellt hat. Alle Planungen waren wegen Corona von heute auf morgen hinfällig. Eine Geschichte aus St. Aldegund...

Keine Weinfeste, keine ungezwungenen Partys und Feiern, Abstand halten, das Tragen von Mund-Nasenschutzmasken, beim Einkaufen und vieles mehr, wäre vor Jahresfrist ins Reich der Phantasie geschoben worden. Doch alles kam ganz anders und keiner weiß, wie lange Corona noch unser Leben bestimmt.

Geschäftsfelder ohne Grundlage

Eine Frau, die sich dem Wein verschrieben hat, wollte in diesem Jahr eigentlich ein kleines Jubiläum feiern, doch das verlief, wie so vieles, völlig anders als geplant. Vor 20 Jahren war Janine Reichert Ortsweinkönigin von St. Aldegund. Ein Amt, das ihr Leben nachhaltig beeinflussen sollte. Als Gebietsweinkönigin sammelte sie weitere Erfahrungen, die sie kontinuierlich mit viel Wissen um das Produkt der Reben erweiterte. Als Weinberaterin ist sie so seit vielen Jahren unterwegs, um für das Produkt der Winzer zu werben und es Interessierten näherzubringen. Zudem gilt Janine Reichert als "Queen Mum" der Weinköniginnen an der Mosel, denn im Rahmen ihrer Seminare bereitet sie den Königinnen- und Prinzessinnennachwuchs von der Mosel auf ihre Regentschaft vor. Und nicht zuletzt betreibt sie in St. Aldegund eine Vinothek. Geschäftsfelder, denen zumindest zeitweise – wie vielen im Corona-Jahr 2020 – von heute auf morgen die Grundlage entzogen wurde. Janine Reichert erinnert sich heute wehmütig an den Jahreswechsel. "Ich habe auf einem Hotelschiff auf der Mosel eine Weinprobe moderiert und wir haben auf die bevorstehenden ,Goldenen 20er Jahre‘ angestoßen. Als Anfang März die Pro-Wein in Düsseldorf wegen Corona abgesagt wurde, schwante mir nichts Gutes. Die Gemütslage hatte sich damit ganz schnell in Richtung Unsicherheit entwickelt und die Hoffnung, dass es sich nur um ein kurzes Intermezzo handeln würde, wurde jeden Tag kleiner", erzählt die Wein-Expertin. Ihrem Geschäftsmodell war die Grundlage entzogen. Mit Kreativität und Optimismus sagte sie dem Virus den Kampf an. Der Online-Handel mit Wein erreichte zwar neue Umsatzrekorde, aber die konnten die Umsatzverluste nicht kompensieren. "Jammern hilft nicht. Wir haben beispielsweise ein kleines, alternatives Weinfest in St. Aldegund gefeiert – von einer Weinwanderung bis zu einer Schifffahrt. Es war zuallererst ein Fest für die Einheimischen, die sich die Freude nicht gänzlich nehmen lassen wollten. Das Gemeinschaftsgefühl war toll. Der große Aufwand, um die Folgen der Krise zu kompensieren, ist ideell belohnt worden", beschreibt Janine Reichert das Corona-Weinfest 2020. Dass Weinfeste aber auch von Quantitäten leben, die wohl mit keiner noch so gut gemeinten Aktion aufgefangen werden, gehöre aber auch zur Realität.

Mit Kreativität gegen die Krise

In Sachen Seminare setzte die Wein-Expertin auf digitale Angebote. "Unsere Weinmajestäten konnten ja maximal zu zweit zu mir kommen, deshalb habe ich auch Videokonferenzen genutzt und beispielsweise Anregungen für Blogs gegeben." Die Wein-Repräsentantinnen seien gerade in der Krise wichtig, um einen Ort und ein Produkt zu bewerben. Denn auch der Tourismus an der Mosel hat nach den Lockerungen Ende Mai angezogen. "Viele Menschen entdecken unsere und auch ihre eigene Heimat neu", sagt sie, wohl wissend, dass viele Menschen auch eine erhöhte Infektionsgefahr mit sich bringen. Solange die Spätsommersonne die Menschen verwöhnt und die Gäste im Freien den Wein und die Region genießen können, bleibt Janine Reichert guter Dinge. Und nicht nur sie fragt sich, wie es sein wird, wenn das Wetter schlechter wird...

Foto: Pauly

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.