

Das diesjährige Motto des Kultursommers Rheinland-Pfalz (»Die Goldenen Zwanziger«) bietet Gelegenheiten, sich 100 Jahre (Film-) Geschichte zu vergegenwärtigen und lädt ein, die 1920er und 2020er Jahre parallel zu betrachten. Damals wie heute stehen wir vor großen gesellschaftlichen Veränderungen und Herausforderungen.
All das spiegelt sich auch im Programm der diesjährigen Filmfestspiele wider – inhaltlich wie zeitlich. Vom 7. bis 22. August werden rund 50 Filme gezeigt, im gewohnten Mix aus Kinosaal und Open Air auf dem Fruchtmarkt. Diese kommen aus 20 verschiedenen Ländern, reichen von gesellschaftspolitischen Themen bis zu Filmen für die ganze Familie und umspannen einen Zeitraum von mehr als 100 Jahren. Eine Bandbreite, die für jeden etwas bereithält. »Das Programm zeigt, dass der Anspruch der Filmfestspiele auf angenehm hohem Niveau bleibt und sich auch in der achten Auflage weiterentwickelt«, betont Bürgermeister Dr. Andreas Nikolay. Die Stadt Simmern ist gemeinsam mit dem Pro-Winzkino Veranstalter.
Erneut werden die Filme in mehrere Kategorien unterteilt. Das Hauptfeld bilden die 13 Wettbewerbsfilme, die die Programmkommission in den zurückliegenden Wochen ausgewählt hat. Diese konkurrieren um die Festspiel-Trophäe »Edgar«, die am Abschlussabend an den besten modernen Heimatfilm überreicht wird. Der Hauptpreis ist mit 3 000 Euro dotiert. Die Wettbewerbsfilme sind vorher noch nicht im Kino angelaufen und wurden allenfalls auf Filmfestivals gezeigt.
In diesem Jahr hat Schauspieler Rainer Bock, der seit 1989 in mehr als 110 Film- und TV-Produktionen vor der Kamera stand, die Rolle des Jurors übernommen. Bock wird am Finalabend nicht nur den Siegerfilm in der »Edgar«-Kategorie küren, sondern auch den vom rheinland-pfälzischen Kulturministerium ausgelobten Nachwuchspreis (bester Debütfilm, dotiert mit 1 000 Euro) verleihen. Zudem tritt er im Rahmen einer Lesung auf, mit Texten des Kabarettisten Hans Dieter Hüsch.
Die Kategorie »Dokumentarfilme« ist mit zehn Produktionen ebenfalls eine tragende Säule im Programm. Diese zehn sowie die 13 Wettbewerbsfilme buhlen auch um die Gunst des Publikums. Der mit 1 000 Euro dotierte Publikumspreis geht an den von den Zuschauern am besten bewerteten Film des Festivals.
Für Cineasten ist die »Classics«-Reihe sicher ein Highlight, die unter anderem fünf Stummfilme aus den 1920er-Jahren enthält. Sämtliche Stummfilme werden live musikalisch begleitet, zwei davon an der Stummorgel in der Stephanskirche (»Zuflucht« von Carl Froehlich und »Tartüff« von Friedrich Wilhelm Murnau). Weitere Stummfilme sind »Die Carmen von St. Pauli« von Erich Waschneck, »Saxophon-Susi« von Karl Lamac sowie »Die Büchse der Pandora« von Georg Wilhelm Pabst.
Kurator Janis Kuhnert hebt besonders die Kategorie »Family« hervor. Die Filmfestspiele möchten auch ein junges Publikum ansprechen, mit sechs Filmen für die ganze Familie. Kuhnert weist zudem auf die Clown- und Zirkusshow auf dem Fruchtmarkt hin. Nach dem Erfolg im letzten Jahr findet diese Kooperation mit dem Tierpark Bell erneut statt (16. August, 16 Uhr). Die Zirkusshow findet bei freiem Eintritt statt.
Für einen »jungen Blick« bei den Filmfestspielen sorgt zum zweiten Mal eine Jugendjury. Diese schaut sich alle Filme des Wettbewerbs an und kürt ihren Favoriten. Der Preis ist ebenfalls mit 1 000 Euro dotiert. Erwähnenswert ist auch eine Neuerung: Die Präsentation der Ergebnisse von Film- und Kunstworkshops unter dem Motto »Schule trifft Filmfestival«, die in Kooperation mit der IGS Kastellaun, der KGS Kirchberg und dem HJG Simmern entstanden sind.
Und natürlich gehört auch Schirmherr Edgar Reitz zum Programm. Der 93-jährige Regisseur wird dieses Jahr nicht vor Ort sein können. Dafür läuft als Hommage sein Film »Die Reise nach Wien« (1973). Simmern war seinerzeit Hauptdrehort. Elke Sommer und Hannelore Elsner sowie der kürzlich verstorbene Mario Adorf spielen die Hauptrollen.
Ergänzt wird das Filmprogramm durch ganz viel Musik. Auch hier richtet sich der Blick auf die 1920er Jahre, von A-cappella-Gesang à la Comedian Harmonists über Gypsy-Jazz bis zu Swing und Blues. Podiumsdiskussionen, Filmbesprechungen und Gespräche mit Vertretern aus Schauspiel und Regie gehören wieder zum Programm.
Der dem Pro-Winzkino angegliederte Raum9, Anlaufstelle und Festspiel-Treffpunkt mit Bewirtung (unter anderem mit Matinee-Frühstück und Brunch), bietet wieder Gelegenheit zum geselligen Austausch mit Veranstaltern und Filmschaffenden. Mit von der Partie sind auch das Hunsrück-Museum sowie erstmals das Ava Arthouse, unter anderem mit einer After-Show-Party im Anschluss an den Film »The Great Gatsby«.
Alle Details zum Programm sowie den "Heimat-Begegnungen" (Filmabende außerhalb von Simmern, die die Filmfestspiele einrahmen) gibt es online unter: www.heimat-europa.com. Tickets gibt es beim WochenSpiegel, der Tourist-Info Simmern und beim Pro-Winzkino (www.pro-winzkino.de).




