Andreas Bender

Von Schülern über kfd bis zum Weihbischof: Viel Betrieb an der neuen Radwegkapelle in Külz

Külz. Die KonRADWEG-Kapelle in Külz erlebte im ersten Jahr viel Besuch. Mehr als erwartet. Schulklassen, Radsportgruppen und Frauengemeinschaften nutzen den kleinen spirituellen Ort als Rastplatz, Lernort und Raum für Begegnung. Auch der Trierer Weihbischof besuchte das Projekt.

Eine Projektgruppe des Herzog-Johann-Gymnasium wanderte im Rahmen ihres Projektes „Pilgern“ zur KonRADWEG‑Kapelle. Die sechs Schüler und ihre beiden Lehrerinnen wurden mit einem kleinen Imbiss begrüßt – ein Empfang, der ganz im Sinne des heiligen Konrad von Parzham steht. Der einladende Rastplatz und die offene Atmosphäre beeindruckten die Jugendlichen sofort.

In der Dauerausstellung „Fahrrad und Spiritualität“ wurde für die Gruppe erfahrbar, wie sich „geteiltes Leben und geteilter Glaube“ im Alltag zeigen können. Besonders die Aktion World Bicycle Relief hinterließ einen bleibenden Eindruck. Die Jugendlichen erzählten später, dass sie durch den kleinen Gottesdienst „gute Einblicke in katholische Gottesdienste“ bekommen hätten und Menschen kennengelernt hätten, „die sich freuen, dass sie Menschen helfen, egal ob sie selbst wenig oder viel haben“. Auch der Vergleich zwischen Fahrradfahren und Glauben habe sie motiviert, „mehr für meinen Glauben zu tun“. Gleichzeitig beschrieben sie den Empfang an der Kapelle als überraschend herzlich – „man wurde nett empfangen, und es gab reichlich Essen und Trinken – das ist nicht selbstverständlich“.

Der Gedanke, dass Mobilität Leben verändern kann, wirkte nach: Beim Schulfest verkaufte die Projektgruppe Crêpes zugunsten von World Bicycle Relief. Die Schule stockte den Erlös auf, und beim Abschiedsgottesdienst von Pfarrerin Bärbel Sitzenstuhl kam eine weitere Kollekte hinzu. Insgesamt kamen 660 Euro zusammen – genug für vier Buffalo Bikes. Diese Fahrräder sind besonders robuste, für den Alltag in ländlichen Regionen entwickelte Transportfahrräder: Sie besitzen einen verstärkten Stahlrahmen, pannensichere Reifen, eine zuverlässige Rücktrittbremse und einen Gepäckträger, der Lasten bis zu 100 Kilogramm tragen kann – Mobilität, die dort oft über Schulbesuch, Gesundheitsversorgung und wirtschaftliche Selbstständigkeit entscheidet.

 

Radsportfreunde Kastellaun – Begegnung zwischen Sport und Glauben

Die Radsportfreunde Kastellaun besuchten die Kapelle pünktlich zum Start der Tour de France. Nach einer zweistündigen Rennradtour mit Diakon Franz Jahn stärkten sich die Sportler bei Kaffee, Kuchen und Kaltgetränken und ließen sich anschließend durch die Ausstellung führen.

Besonders beeindruckte die Geschichte des zweifachen Tour‑de‑France‑Siegers Gino Bartali, der im Zweiten Weltkrieg rund 800 Jüdinnen und Juden rettete, indem er Dokumente im Fahrradrahmen schmuggelte. Die Verbindung von Ausdauer, Verantwortung und Glauben wurde für die Gruppe greifbar. Ihr Fazit: Glaube und Radsport haben mehr gemeinsam, als man vermutet.

 

Frauengemeinschaft Sohren/Kirchberg – ein lebendiger Nachmittag

Auch die kfd-Frauengemeinschaft Sohren/Kirchberg sorgte für einen bewegten Besuch. Die Frauen kamen gut gelaunt an, offen und interessiert – und brachten sofort Leben in die Kapelle. Diakon Franz Jahn führte die Gruppe ausführlich durch Kapelle und Ausstellung. Die Mischung aus Glauben, Alltag und Unterwegssein traf den Nerv der Besucherinnen. Bei Kaffee und Kuchen entstand eine Atmosphäre, die fast wie vertraute Gemeinschaft wirkte. Gespräche entwickelten sich schnell, Erfahrungen wurden geteilt, und die Kapelle wurde zu einem Ort des Miteinanders.

Zum Abschluss feierte die Gruppe eine kurze Andacht, genannt WegZeit Beim Abschied war man sich einig: Das war ein guter Besuch. Und bestimmt nicht der letzte.

 

Vom Musterkindergarten zur Radwegekirche

„Hier ist ein neuer Ort von Kirche entstanden“, das hat der Trierer Weihbischof Robert Brahm bei seinem Besuch der KonRADWEGKapelle in Külz festgestellt. Das Gebäude an der Hauptstraße 49 weist eine bewegte Geschichte auf. Aus dem Dornröschenschlaf geweckt wurde die Kirche durch Diakon Franz Jahn und seine Frau, Diplom-Religionspädagogin Pia Jahn. Durch die große Unterstützung von Seiten der Familie und der Gremien der Pfarrei St. Lydia haben „wir einen Ort der Begegnung geschaffen. Hier haben Gottesdienste, spirituelle Impulse und Glaubensgespräche ebenso ihren Platz wie praktische Hilfe für Fahrradfahrer“, betont Pia Jahn. Neben einer Dauerausstellung, die sich dem Zusammenhang von Spiritualität und Fahrradfahren sowie der Geschichte des Gebäudes widmet, gibt es Flickzeug und eine E-Bike-Ladestation. „Dieses Projekt ist eine Herausforderung, die uns aber unglaublich bereichert.“

Das Ehepaar, das zuletzt in Rheinhessen gewohnt hat, eröffnete in diesem Frühjahr die KonRADWEG-Kapelle, die sich am Schinderhannes-Radweg befindet. 1938 baute die sogenannte Nationalsozialistische Volkswohlfahrt das Gebäude für einen Musterkindergarten, der als Vorzeigeeinrichtung nationalistischer Kleinkinderziehung dienen sollte. 1945 wurde das Gebäude – finanziert durch Spenden – zu einer Kapelle umgewidmet und dem Heiligen Konrad von Parzham geweiht. Der Laienbruder war bis kurz vor seinem Tod 1894 vier Jahrzehnte lang Pförtner in einem Kapuzinerkloster im oberbayrischen Altötting, wo er für all jene da war, die bei ihm vorbeikamen. „Dieses Bild des Daseins für andere passt wunderbar zur Radwegekapelle, die ebenfalls ein Ort sein möchte, an dem Menschen auf ihrem Weg innehalten können“, so Franz Jahn.

Die Kapelle ist seit April bis zum 4. Oktober jeweils samstags und sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet; daneben öffnet sie nach Bedarf. Auf Wunsch gibt es auch Kirchenführungen durch die Dauerausstellung. Weitere Informationen: 0178-1008433, konradwegkapelle@gmx.dehttps://t1p.de/Konradwegkapelle