Glücksspielstaatsvertrag ab 2021: Wird sich das Glücksspiel in die Schweiz verlagern?

In Deutschland gilt ab dem 01.07.2021 der neue Glücksspielstaatsvertrag. Glücksspielanbieter haben dann die Möglichkeit, deutsche Lizenzen zu erwerben und ihre Dienste legal anzubieten. Mit den neuen Regelungen gehen einige bürokratische Verpflichtungen einher. Deswegen stellt sich die Frage, ob im Zuge des neuen Glücksspielstaatsvertrags viele Anbieter in die Schweiz auswandern werden. Immerhin gibt es hier eine Vielzahl lizenzierter Anbieter. Allerdings sind die Genehmigungsverfahren dort recht langwierig. Damit das Geldspielgesetz mit dem neuen Glücksspielstaatsvertrag konkurrieren kann, sind daher mehr Liberalität und Einfachheit gefragt. Dieser Artikel erläutert, welchen Einfluss der neue deutsche Glücksspielstaatsvertrag auf das Glücksspiel in der Schweiz haben wird.

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Wird der neue Glücksspielstaatsvertrag Abwanderungswellen in die Schweiz auslösen?

Viele Glücksspiel-Anbieter sind in der Schweiz gesperrt

In der Schweiz gilt ein neues Geldspielgesetz, das das Glücksspiel im Land streng reglementiert. So schreibt der Gesetzgeber vor, dass Schweizer nur bei solchen Anbietern spielen dürfen, die aus der Schweiz kommen oder staatlich organisiert sind. Somit ist es nicht erlaubt, dass Anbieter anderer Länder in der Schweiz tätig werden. Die Regierung hat eine Liste mit Anbietern zusammengestellt, die ihre Dienste in der Schweiz nicht anbieten dürfen. Diese wird immer wieder erneuert und erweitert, um dem kontinuierlich wachsenden Markt an Anbietern gerecht zu werden.

Viele Spieler wollen in Sachen Glücksspiel nicht eingeschränkt sein, sondern ihr Glück bei möglichst vielen Anbietern und mit diversen Casino-Arten versuchen. Deswegen setzen sie verschleierte IP-Adressen ein, um zu den Services ausländischer Anbieter zu gelangen. Das wird von staatlicher Seite nicht gerne gesehen, Spieler machen sich hierdurch aber nicht strafbar. Allerdings ist zu bedenken, dass es bei diesem Vorgehen keinerlei Rechtsschutz gibt. Sollte es zu Streitigkeiten mit einem Anbieter kommen, ist der Rechtsweg keine sinnvolle Option.

Auf seriöse Schweizer Glücksspiel-Anbieter setzen

Obwohl die Grundvoraussetzungen für Glücksspiel in der Schweiz vergleichsweise schwierig sind, gibt es eine Vielzahl von lizenzierten Anbietern, die ihre Services ganz legal anbieten. Einige sind unmittelbar vor Ort präsent, andere agieren als Onlinecasino. Voraussetzung ist, dass ein Online Casino Schweiz als Herkunftsland angeben kann, um rechtmäßig tätig werden zu dürfen. Aber auch staatliche Anbieter orientieren sich zunehmend in Richtung Onlinebereich, um flexibel agieren und die Möglichkeiten der Digitalisierung ausschöpfen zu können.

In den Casinos der Schweiz gibt es eine beachtliche Auswahl an Spielen. Unter anderem stehen diverse Slots mit unterschiedlichen Themen zur Auswahl. Einige Spiele beziehen sich auf Filmklassiker wie Matrix, andere sind auf Tiere, Abenteuer oder Sagen spezialisiert. Klassische Spiele wie Blackjack und Roulette sind ebenfalls vertreten. Viele Spieler sind zudem von online Live-Casinos begeistert, weil sie hier echtes Casino-Feeling erleben können, ohne die eigenen vier Wände zu verlassen.

Die Genehmigungsverfahren in der Schweiz sind langwierig

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Bürokratische Hürden verhindern, dass viele Glücksspiel-Anbieter auf den Schweizer Markt strömen.

Ein Grund dafür, dass die Glücksspielanbieter aktuell nicht scharenweise in die Schweiz abwandern, ist die hohe Bürokratie. Es dauert ausgesprochen lange und erfordert eine Menge Geduld und Kraft, um offiziell auf Schweizer Boden tätig werden zu dürfen. Wer beispielsweise im Onlinebereich agieren möchte, muss eine gesonderte Zusatz-Konzession besitzen. Bisher hat sich nur ein Bruchteil der offiziellen Casinos der Schweiz hierum bemüht. Entsprechend ist der Online-Glücksspielmarkt noch nicht sonderlich stark ausgeprägt.

Hinzu kommt, dass in der Schweiz jedes einzelne Spiel, das in Onlinecasinos angeboten werden soll, einen Genehmigungsprozess der ESBK durchlaufen muss. Hierdurch dauert es deutlich länger, bis legale Anbieter neue Spiele bereitstellen können. Außerdem ist der Entwicklungsprozess neuer Spiele recht aufwendig und kostenintensiv. All dies führt dazu, dass Glücksspielanbieter in der Schweiz kaum in der Lage sind, wettbewerbsfähige Angebote zu machen, und somit der Online-Konkurrenz kontinuierlich hinterherlaufen.

Unterschiede zwischen dem Glücksspielstaatsvertrag und dem Geldspielgesetz

Es gibt deutliche Unterschiede zwischen dem Glücksspielstaatsvertrag und dem Geldspielgesetz. In Deutschland dürfen alle Anbieter mit einer offiziellen Lizenz Glücksspiele anbieten. In der Schweiz gilt dies nur für staatliche Dienste und Casinos, deren Herkunftsland die Schweiz ist. Außerdem orientiert sich Deutschland am EU-Recht, das für die Schweiz nicht ausschlaggebend ist. Die EU erlaubt Online-Glücksspiele auf ihrem Territorium. Entsprechend ist es einzelnen Staaten nicht erlaubt, individuelle Regeln zu erlassen, die dem Europarecht widersprechen. Die Folge ist, dass Deutschland Online-Glücksspiel zwar offiziell nur Menschen aus Schleswig-Holstein erlaubt (das nördliche Bundesland hatte in 2011 Sonderlizenzen verteilt, die kontinuierlich verlängert wurden), aber keine Strafverfolgung bei Zuwiderhandlung erhebt oder Netzsperren ausspricht.

Die Schweiz muss mehr Liberalität wagen

Die Schweiz verfolgt in Sachen Online-Glücksspiel eine restriktive Politik. Es gibt offizielle Netzsperren für einzelne Anbieter und die Regeln für die Genehmigung neuer Spiele müssen streng eingehalten werden. Viele Anbieter aber auch Stimmen aus der Bevölkerung fordern daher ein Umdenken in der Glücksspiel-Politik der Schweiz. Sie argumentieren, dass offizielle Regeln für einen legalen Betrieb von Onlinecasinos deutlich effizienter und praxisnaher wären als die aktuell geltenden Netzsperren. Sie fordern daher mehr Liberalität im Umgang mit ausländischen Anbietern, weil die Schweiz hiervon nur profitieren könne.

Einfachheit ist gefragt

Neben der Liberalität ist es vor allem Einfachheit, nach der sich Anbieter von Online-Glücksspielen und die Spieler sehnen. Unbürokratische Genehmigungsverfahren gehören hierzu ebenso wie die Organisation von Live-Events. Aktuell sind so viele Vorgaben für die Bewilligung von Live-Events zu erfüllen, dass nur wenige Casinos diesen gerecht werden können. Dabei sind Live-Events bei Spielern äußerst beliebt und steigern die Popularität von Onlinecasinos ebenso wie ihre Besucherzahlen. Selbstverständlich ist es wichtig, den Spielerschutz großzuschreiben und die Suchtprävention nicht aus den Augen zu verlieren. Wenn Casinos in der Schweiz aber erst dann eine Genehmigung für ein Spiel bekommen, wenn dieses am Markt schon längst nicht mehr angesagt ist, läuft etwas schief.

Fazit

Der neue Glücksspielstaatsvertrag bringt den deutschen Glücksspielmarkt aktuell ordentlich durcheinander. Dass es hierdurch zu einer massiven Abwanderung von Anbietern in die Schweiz kommt, ist jedoch nicht zu erwarten. Zu hoch sind für viele die bürokratischen Hürden, die bewältigt werden müssen, um in der Schweiz legal Glücksspiele anbieten zu dürfen. Außerdem ist der Markt bereits mit vielen professionellen Casino-Anbietern ausgestattet, die teilweise langjährige Erfahrungen mitbringen. Anders sähe es aus, wenn sich die Schweiz im Bereich der Glücksspiele für eine liberalere und einfachere Gesetzgebung entscheiden würde. Dies ist für die nahe Zukunft aber ebenfalls nicht absehbar.