Ticketing, Wildcards und Super-League: Die Champions-League-Reform in der Kritik

Die Champions-League wurde in den Medien in den vergangenen Monaten eher mit kritischen Stimmen bedacht. Der Grund ist die geplante Reform, die bis zum Jahr 2024 umgesetzt werden soll. Über die inhaltliche Gestaltung der Anpassungen herrscht allerdings alles andere als Einigkeit. Insbesondere die Super-League hat durch negative Schlagzeilen von sich reden gemacht. Die Champions-League geht einen schwierigen Weg zur Reform.

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Das sieht die geplante Reform vor

Das UEFA-Exekutivkomitee steht vor schweren Entscheidungen. Die geplante Reform der Champions-League hat die Fußballwelt gespalten und eine Menge Stoff für Diskussionen geliefert. Dennoch soll die Königsklasse ab 2024 im neuen Gewand erscheinen.
Das Sportmagazin „Kicker“ hat die geplanten Änderungen zusammengefasst:

  1. In der Spielsaison 2024/2025 werden 36 anstatt der bisher zugelassenen 32 Teams in der Champions-League spielen.
  2. Die vier zusätzlich geschaffenen Plätze in der Champions-League werden per Ticketing vergeben. Ein fester Startplatz geht an den Drittplatzierten des jeweiligen Verbandes, der in der UEFA-5-Jahreswertung auf Platz fünf liegt. Zwei weitere Tickets werden über eine Koeffizientenregel an Klubs vergeben, die die Qualifikation über den nationalen Wettbewerb verpasst haben, allerdings den höchsten UEFA-Klub-Koeffizienten aus den vergangenen fünf Jahren aufweisen. Diese Klubs müssen sich in ihrer nationalen Liga aber zumindest für die CL-Qualifikation, die Europa League oder die neue Europa Conference League qualifiziert haben. Der vierte neue Teilnehmer ergibt sich durch eine Aufstockung des "Champions Paths" in der eigentlichen CL-Qualifikation. In dieser Play-off-Runde werden dann fünf statt bisher vier Mannschaften für das neue 36er-Feld ermittelt.
  3. Alle 36 Teams spielen in der Vorrunde in einer gemeinsamen Liga und werden nicht mehr in acht Gruppen aufgeteilt.
  4. In der Vorrunde werden die Begegnungen nach dem Schweizer Modell ausgetragen. Das bedeutet, dass jede Mannschaft zehn Spiele gegen zehn unterschiedliche Gegner austrägt. Welche Teams aufeinandertreffen, entscheidet die Losziehung aus vier Setztöpfen. Die Begegnungen werden in fünf Heimspielen und fünf Auswärtsspielen ausgetragen.
  5. Die besten acht Mannschaften aus den 36 Teams der Vorrundenliga ziehen direkt ins Achtelfinale ein.
  6. Die übrigen acht Plätze im Achtelfinale werden unter den Ranglistenplätze 9 bis 24 aus der Vorrunde gebildet, diese treffen noch einmal in einer zweiten Play-off-Runde aufeinander. In jeweils einem Hin- und Rückspiel erlangen acht Mannschaften ebenfalls die Qualifikation für das Achtelfinale.
  7. In der Spielsaison 2024/2025 wird die Anzahl der Begegnungen deutlich erhöht. Anstatt der bisher ausgetragenen 125 Partien wird es dann 225 geben. Die zusätzlichen Spieltage sollen im Dezember und Januar terminiert werden.
  8. Im Hinblick auf die Spieltermine soll es keine Änderung geben. Hier soll die Champions-League weiterhin an den Wochentagen Dienstag und Mittwoch ausgetragen werden. Hinzu kommt der Donnerstag als Spieltag für die Europa League und die Europa Conference League.
  9. Zur einer Verteilung der Gelder in der Champions-League für die Saison 2024/2025 hat sich die UEFA bisher nicht geäußert. Hier sind noch keine finalen Regelungen für die Reform getroffen worden.

(Quelle: https://www.kicker.de)


Besonders umstritten sind die geplanten Reformen zur Qualifikation der zusätzlichen Teams für die Champions-League. Wildcards und die Koeffizientenregelung haben bei vielen Akteuren der Fußballwelt zu Unmut und Kritik geführt.

Sportliche Kriterien sollten die Qualifikation bestimmen

Für besonders viel Zündstoff hat die Vergabe der zusätzlichen vier Plätze für die erweiterte Champions-League gesorgt. Kritische Stimmen sprechen von einem Verfall grundlegender Werte und sportlicher Leistungen. Nicht nur Akteure auf dem Platz und an den Seitenlinien fürchten, dass der Sport durch das geplante Vorgehen ad absurdum geführt werden könnte. Auch im Sportwettenvergleich liegt das Hauptinteresse der Fußball- und Wettfans bei den nationalen Ligen und Wettbewerben und ihrer Bedeutung für die Qualifikation für die großen europäischen Wettbewerbe.

Höchst kritisch blicken die Fußballfans auf das UEFA-Exekutivkomitee, das die umstrittene Champions-League-Reform verabschieden will. Auch immer mehr Kluboffizielle wie Axel Hellmann äußern ihren Unmut. Der Vorstandssprecher von Eintracht Frankfurt erteilt einer Koeffizienten-Regel eine klare Absage und fordert DFB-Vertreter Dr. Rainer Koch zum Handeln auf.

„Meine Erwartung an unseren Vertreter in der UEFA-Exekutive ist, dass er sich mit aller Kraft dafür einsetzt, dass alleine sportliche Kriterien eine Qualifikation für europäische Wettbewerbe ermöglichen", fordert Axel Hellmann, Vorstandssprecher der Eintracht Frankfurt, im Gespräch mit dem kicker. „Das Wichtigste ist, dass der Zugang zu den europäischen Wettbewerben, insbesondere der Champions League, über die nationalen Ligen und Wettbewerbe erfolgt. Zugänge über Koeffizienten oder Wildcards führen den auf dem Leistungsgedanken beruhenden sportlichen Wettbewerb ad absurdum und sind der Einstieg in einen geschlossenen Kreis bis hin zu einer abgetrennten Super League."

Die angestrebte Lösung soll ein Zugeständnis an die ECA sein, die der UEFA die Abspaltung einer Super-League in Aussicht gestellt hatte, wenn die Interessen einzelner Klubs nicht stärker berücksichtigt werden. Dieses Thema scheint zwar zunächst vom Tisch zu sein, der Kompromiss im Zusammenhang mit der Champions-League-Reform bleibt allerdings und dürfte spätestens mit der ersten Qualifizierungsrunde nach dem neuen Prinzip wieder hohe Wellen schlagen.

Financial Fairplay und Salary Cap bleiben umstritten

Ein ebenfalls kritisch diskutierter Aspekt ist die geplante Verschärfung im Financial Fairplay und die damit einhergehende Idee vom Salary Cap für die europäischen Fußballklubs. Als wesentliche Grundpfeiler gelten die Deregulierung und die Aufhebung aller Limits für Investorenzuschüsse.

Der Wunsch, der hinter dieser Reform steht, ist die wirtschaftliche Stabilität einzelner Klubs, die vor allem durch eine einnahmenbasierte Vergütung der Spieler erreicht werden soll. Einzelne Entscheidungsträger erhoffen sich dadurch eine bessere Kontrolle der Schere zwischen den Top-Klubs und der mittleren Riege. Zuletzt hatte auch DFL-Chef Seifert betont, dass eine verschärfte Regulierung unabdingbar sei, um einen fairen und wirtschaftlich verantwortbaren europäischen Wettbewerb gewährleisten zu können. Auch für ihn scheint ein Salary Cap für europäische Klubs den Weg zum Ziel zu ebnen.

Kritische Stimmen erwarten von einer verschärften Regulierung, einer Aufhebung von Investorenlimits und einem Salary Cap allerdings eher eine Vertiefung der Kluft zwischen einzelnen Klubs und ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten und einen stärkeren Wettkampf auf monetärer Ebene, der den sportlichen Wettkampf in den Hintergrund treten lassen könnte.

Super-League scheint abgewendet

Die Idee einer Super-League hatte in der Fußballwelt für viel Aufruhr gesorgt. In der Nacht auf den 19. April hatten zwölf europäische Großklubs angekündigt, sich gemeinsam in einer so genannten „Super-League“ zusammenzuschließen und sich damit geschlossen von der Champions-League abspalten zu wollen. Zu den Akteuren gehörten sechs Klubs aus Großbritannien, drei aus Spanien und drei aus Italien. Schon in der Vergangenheit hatten große europäische Klubs wie Manchester United und Real Madrid immer wieder ein Szenario in den Raum gestellt, das den Super-League-Plänen gleichkam. Nun entwickelte sich die vage Theorie im Schatten der Reformgespräche der Champions-League zu einer konkreten Bedrohung für die Königsklasse.

Schnell wurde Protest laut, nicht nur auf Seiten der UEFA, sondern auch von nationalen Klubs, Verbänden und Ligen, aktiven und ehemaligen Spielern, Trainern und politischen Vertretern. „Eine geschlossene Gesellschaft ist ein Verbrechen am Fußball", sagte Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler im Gespräch mit der Zeit. Er kritisierte vor allem den FC Liverpool und seinen Trainerkollegen Jürgen Klopp: „Für einen Club, bei dem die Fans 'You'll never walk alone' singen, ist das beschämend."

Auch die UEFA kündigte Sanktionen an. Sollten sich die europäischen Klubs tatsächlich den Schritt zu einer Super-League wagen, behielt man sich vor, Spieler aus den betreffenden Klubs von einer Teilnahme an der EM und der WM auszuschließen. Beide Seiten der Auseinandersetzung kündeten auch bereits an, gerichtliche Schritte zur Wahrung der eigenen Interessen einleiten zu wollen.

Zunächst scheint die konkrete Umsetzung der Super-League allerdings abgewendet zu sein, nachdem sich einige Top-Klubs aus dem Arrangement wieder zurückzogen. Als Grund sehen Experten zu große Unsicherheiten bezüglich einer Anerkennung im internationalen Fußball sowie die umfangreichen Zugeständnisse, die durch die geplante Champions-League-Reform umgesetzt werden könnten.

Für immer scheint das Thema allerdings nicht ausgestanden zu sein. Real Madrids Boss Florentino Perez und Juventus Turins Präsident Andrea Agnelli gaben im Nachgang der für Furore sorgenden Ankündigungen zu verstehen, der Grundgedanke einer Super-League als Gegengewicht zur Champions-League sei lediglich in den Ruhemodus zurückgekehrt und könne jederzeit wieder aufgegriffen werden.


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