

Die Affäre um den Bau der Theater-Probebühnen im Energie- und Technikpark (ETP) beschäftigt weiter die Trierer Kommunalpolitik. Bündnis 90/Die Grünen und die FDP haben einen gemeinsamen Prüfbericht vorgelegt und fordern den Rücktritt des Oberbürgermeisters. OB Wolfram Leibe weist die Vorwürfe zurück. Auch die CDU-Fraktion sieht offenen Klärungsbedarf.
Grüne und FDP fordern Rücktritt
Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Stadtrat Trier hat gemeinsam mit der FDP-Fraktion einen umfangreichen Prüfbericht zum Bau der Theater-Probebühnen im Energie- und Technikpark durch die Stadt vorgelegt. Nach Darstellung der beiden Fraktionen dokumentiert der Bericht „ein über viele Jahre hinweg andauerndes strukturelles Fehlverhalten und Rechtsbrüche“ des Oberbürgermeisters. Zudem sei für die Stadt ein Schaden „in Millionenhöhe“ entstanden.
Weiter heißt es, um dies zu verbergen, habe der Oberbürgermeister „seit Oktober 2025 die Trierer Öffentlichkeit, den Stadtrat und dessen Ausschüsse systematisch getäuscht und belogen“. Grüne und FDP fordern den Rücktritt von Wolfram Leibe. Es sei „nicht vorstellbar, dass er noch länger im Amt bleibt und somit weiterhin den Vorsitz des Stadtrats führt, der von ihm jahrelang übergangen und getäuscht wurde“.
Der vollständige Prüfbericht ist abrufbar unter: https://gruenlink.de/wvmmnij6z9
Oberbürgermeister spricht von parteipolitischem Manöver
Oberbürgermeister Wolfram Leibe reagierte mit einer eigenen Stellungnahme auf die Veröffentlichung. Der „so genannte ‚Prüfungsbericht‘“ lasse „keine neuen Informationen erkennen“. Alle Fragen seien „in mittlerweile vier Sitzungen städtischer Gremien ausführlich“ erläutert, Dokumente offengelegt, „Versäumnisse eingestanden und andere Vorwürfe ausgeräumt“ worden.
Zudem hätten die Fraktionen eine Prüfung bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion gefordert, „die seit Ende Dezember läuft“. Dort säßen „die Fachleute, die eine qualifizierte rechtliche Einordnung geben werden“. Die „politische Fairness“ gebiete es, „das Ergebnis dieses Prüfberichts abzuwarten“.
Vor diesem Hintergrund werte er den Bericht „zum jetzigen Zeitpunkt als durchsichtiges parteipolitisches Manöver“. „Menschlich gesehen bin ich über ein solches Vorgehen gerade von Ratsmitgliedern, mit denen ich über Jahre hinweg vertrauensvoll zusammengearbeitet habe, mehr als enttäuscht“, so Leibe.
CDU fordert Expertenanhörung und Wirtschaftlichkeitsprüfung
Auch die CDU-Stadtratsfraktion sieht im Zusammenhang mit den Ereignissen rund um den Bau der Theater-Probebühnen im Energie- und Technikpark offenen Klärungsbedarf. Nach Sichtung verspätet zugesandter Vertragsunterlagen seien „Fragestellungen aufgetreten, die bisher unbeantwortet sind“. Einige Punkte der Stellungnahme der Stadtverwaltung seien „nicht nachvollziehbar und lassen sich derzeit nicht eindeutig beurteilen“.
Unklar sei unter anderem, „ob bereits ein gültiger Mietvertrag für die Probebühnen durch den Oberbürgermeister geschlossen wurde, was dieser bisher verneint hat“. Sollte dies doch der Fall sein, wäre „der angekündigte Stadtratsbeschluss im April nach unserem Verständnis obsolet“.
In der Vergangenheit seien dem Stadtrat „keinerlei Mietverträge im Zuge mit städtischen Anmietungen vorgelegt“ worden, auch nicht bei größeren Projekten. Die Ratsmitglieder seien „darüber im Glauben gelassen“ worden, dass es sich um ein Geschäft der laufenden Verwaltung handle und der Rat nicht über Vertragsinhalte informiert werden müsse. „Ob diese Vorgehensweise korrekt war, gilt es zu überprüfen.“
Die Bewertung der „zahlreichen komplexen rechtlichen Fragestellungen“ sei für ehrenamtliche Ratsmitglieder „nicht seriös zu leisten“. Daher werde eine Sondersitzung des Haushalts- und Personalausschusses mit einer Expertenanhörung beantragt. Zudem wolle die CDU vom Oberbürgermeister eine Wirtschaftlichkeitsberechnung anfordern, um zu klären, „ob der Bau der Probebühnen durch die SWT die wirtschaftlichste Alternative gewesen ist oder ob der Stadt durch diesen Vorgang ein finanzieller Schaden entstanden ist“.




