Nico Lautwein

Ein Jahrzehnt an der Spitze: Generalvikar von Plettenberg verabschiedet sich aus seinem Amt

Trier. Nach knapp zehn Jahren gibt Generalvikar Ulrich Graf von Plettenberg sein Amt im Bistum Trier auf und wechselt zurück in die pastorale Arbeit.
Ein Jahrzehnt an der Spitze: Generalvikar von Plettenberg verabschiedet sich aus seinem Amt

Ein Jahrzehnt an der Spitze: Generalvikar von Plettenberg verabschiedet sich aus seinem Amt

Bild: Thomas Wieck

"Ein ganz normaler Perspektivwechsel "
Nach knapp zehn Jahren im Amt verabschiedet sich Dr. Ulrich Graf von Plettenberg, Generalvikar des Bistums Trier, aus seiner Leitungsfunktion. Sein künftiger Schwerpunkt liegt wieder stärker in der Pastoral.

Die Entscheidung sei kein spontaner Impuls gewesen. „Ich werde im Sommer 62 und wenn ich bis 70 regulär arbeiten möchte, dann habe ich noch acht Jahre vor mir. Will ich diese acht Jahre Generalvikar bleiben oder noch mal was anderes machen?“, beschreibt er seine Überlegungen.

Neben persönlichen Gründen spielten auch inhaltliche Aspekte eine Rolle. Entwicklungen wie die Digitalisierung erforderten neue Impulse: „Ich bin offen für neue Entwicklungen, wie etwa die Digitalisierung, aber ich glaube auch, dass ein jüngerer Generalvikar besser mit dieser Art von Komplexität umgehen und sie auf ein anderes Niveau heben kann.“

Prägende Erfahrungen im Amt

Sein Werdegang als Theologe, Kaplan, Schulpfarrer und Pfarrer habe seinen Blick auf das Leitungsamt geprägt. „Ich habe versucht, die vielfältigen Perspektiven in das Amt einzubringen“, betont er.

Zugleich habe die Rolle ihn verändert: „Man wird an manchen Stellen menschlich kühler, um sich nicht gefangen nehmen zu lassen.“ Die Frage nach der eigenen Authentizität in der Pastoral sei ein wichtiger Faktor für seine Entscheidung gewesen.

Als besonders prägend hebt er die Bistumssynode hervor: „Sie war ein Highlight in meinem Leben.“

Strukturreformen und Herausforderungen

Die vergangenen Jahre seien stark von Strukturfragen geprägt gewesen. „Wir hätten gerne nach dem Abschluss der Synode inhaltlich weitergearbeitet.“

Zu Beginn seiner Amtszeit habe es jedoch ein klares Votum gegeben, zunächst Strukturen zu schaffen. Dazu zählen die territoriale Neuaufstellung des Bistums, der Haushaltssicherungsprozess und die Digitalisierung der Verwaltung.

„Das sind alles Dinge, die dran waren“, zieht er Bilanz. Zu den Höhepunkten zählt er zudem die Umsetzung der Synodenergebnisse und die Errichtung des Diözesanrates.

Nähe zu den Menschen bleibt wichtig

Trotz Leitungsfunktion habe er den Kontakt zu den Menschen nicht verloren: „Mich beeindruckt immer sehr, was hinter dem Zahlenwerk steht, wie viele Menschen, wie viele Geschichten und wie viel Engagement dahintersteckt.“

Gleichzeitig sei es nicht immer möglich gewesen, alle Erwartungen zu erfüllen. Auch der Stopp aus Rom zur „Pfarrei der Zukunft“ habe für Enttäuschung gesorgt.

„Manchmal komme ich mir vor wie in einem Gang voller Laserstrahlen – Gesetze, Verordnungen, Vorgaben“, beschreibt er die Grenzen des Handelns.

Rückkehr in die Pastoral

Das 2023 eingeführte Modell der Doppelspitze bewertet er positiv. Es habe ihm ermöglicht, zusätzlich als Bischofsvikar im Saarland zu arbeiten und näher an den Gemeinden zu sein.

Im Sommer wird von Plettenberg Pfarrer der Pfarrei St. Ludwig in Saarlouis. Die Entscheidung sei bewusst gefallen: „Ich finde die Stadt reizvoll und es ist sinnvoll, dass Saarlouis wieder einen Pfarrer bekommt.“

Die neue Aufgabe sieht er nicht als Rückschritt: „Ich glaube, als Pfarrer habe ich durchaus gewisse Gestaltungsspielräume und mir liegt es, nahe, bei den Menschen zu sein.“

Mehr Zeit für Privates

Privat freut er sich auf etwas mehr Ruhe und eine bessere Work-Life-Balance. Zeit für Wandern, Motorradfahren und Lesen soll künftig wieder mehr Raum bekommen.