Claudia Neumann

Spektakuläre Leihgaben machen jüdisches Mittelalter in Trier lebendig

Trier. Erfurter Hochzeitsring und älteste erhaltene aschkenasische Torarolle: Das Stadtmuseum Simeonstift zeigt ab Oktober rund 100 außergewöhnliche Zeugnisse jüdischen Lebens im mittelalterlichen Trier und Europa.

Ein goldener Hochzeitsring aus dem 14. Jahrhundert, eine fast 800 Jahre alte Torarolle und zahlreiche weitere historische Schätze: Das Stadtmuseum Simeonstift bereitet derzeit eine Ausstellung vor, die ein lange wenig beachtetes Kapitel der Trierer Geschichte in den Mittelpunkt rückt. Ab dem 11. Oktober zeigt „Jüdisches Leben im Mittelalter“ rund 100 Objekte aus Deutschland und den europäischen Nachbarländern.

Ein Schatz mitten in Trier

Gemeinsam mit dem Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden an der Universität Trier widmet sich das Stadtmuseum der Geschichte der jüdischen Gemeinde im mittelalterlichen Trier. „Das ist ein Missstand, mit dem wir unbedingt aufräumen wollen“, erklärt Museumsdirektorin Dr. Viola Skiba.

Trier gehörte zu den ältesten jüdischen Gemeinden Deutschlands und spielte eine bedeutende Rolle im europäischen Netzwerk des Judentums. Im Mittelpunkt steht dabei auch das bauliche Ensemble des mittelalterlichen Judenviertels mitten in der Stadt. Für Skiba ist es „ein echter Schatz in seiner Stadtmitte, den es in dieser Form andernorts nicht gibt“.

Beteiligt sind JProf. Dr. Andreas Lehnertz und Dr. Christoph Cluse vom Arye Maimon-Institut für Geschichte der Juden. Im vergangenen Semester gab es unter anderem ein studentisches Projektseminar zur Geschichte des Judentums in Trier und der Großregion. Studierende arbeiteten außerdem an Ausstellungstexten und am Katalog mit.

„Eine große Ausstellung zur jüdischen Geschichte der Großregion ist schon lange überfällig“, erklären Lehnertz und Cluse. Die Ausstellung biete die Gelegenheit, ein breites Publikum am Stand der aktuellen wissenschaftlichen Forschungen teilhaben zu lassen.

Hochzeitsring und jahrhundertealte Torarolle

Für die Ausstellung konnten zahlreiche bedeutende Leihgaben gewonnen werden. Ein besonderes Highlight ist der Erfurter Hochzeitsring. Das aus Gold gefertigte Schmuckstück aus dem 14. Jahrhundert gehört zu den weltweit nur drei erhaltenen mittelalterlichen Exemplaren dieser Art.

Für Aufsehen dürfte auch eine aschkenasische Torarolle aus Privatbesitz sorgen. Sie wurde mithilfe der Radiokarbonmethode vor das Jahr 1217 datiert und gilt damit als älteste erhaltene aschkenasische Torarolle überhaupt. Fast 800 Jahre lang wurde sie von jüdischen Gemeinden in Synagogen genutzt. Nun wird sie erstmals öffentlich präsentiert.

Zu sehen sind außerdem Grabsteine, Skulpturen, Schatzfunde, Handschriften, Urkunden und archäologische Objekte. Sie stammen aus ganz Deutschland und den europäischen Nachbarländern und sollen einen möglichst umfassenden Einblick in das mittelalterliche jüdische Leben geben – von religiösen Riten über Kultur- und Geistesgeschichte bis zum Alltag der jüdischen Bevölkerung in Trier und darüber hinaus.

Die Ausstellung „Jüdisches Leben im Mittelalter“ läuft vom 11. Oktober bis zum 4. April 2027. Begleitend sind ein umfangreiches Programm und ein Ausstellungskatalog geplant. Mehr Infos hier