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Der „Pfundskerl“ ist jetzt im Fußball-Ruhestand

Als Aktiver hat er nie auf sich aufmerksam gemacht, auch feierte er als Funktionär keine größeren sportlichen Erfolge – und doch: Franz-Josef Diederich kann man im Trierer Sport getrost als „Legende“ bezeichnen. Dort, wo er fast drei Jahrzehnte lang als Vorsitzender gewirkt hat, bei der Spielvereinigung Trier, hat der 68-Jährige nun aufgehört.
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Die Geschehnisse bei der Spielvereinigung will Franz-Josef Diederich weiter verfolgen - aber nur noch aus der Distanz. Foto: Andreas Arens

Die Geschehnisse bei der Spielvereinigung will Franz-Josef Diederich weiter verfolgen - aber nur noch aus der Distanz. Foto: Andreas Arens

"Irgendwann muss auch mal Schluss sein, zumal auch die Gesundheit nicht mehr so richtig mitspielt", lässt Diederich, den sie in Fußballkreisen nur "Jupp" rufen, durchblicken. Bei der Jahreshauptversammlung am vergangenen Freitag kandidierte er deshalb nicht mehr; Peter Oberbillig wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt, Manuel Berg zu dessen Stellvertreter. "Das sind gute Leute. Peter war ja schon davor als Kassenwart im Vorstand und Manuel war früher als Spieler bei uns. Sie kennen also das Umfeld und die Strukturen", sagt Diederich. Und trotzdem: Die Spielvereinigung ohne ihren "Jupp"? "Geht eigentlich gar nicht. Ich kann mir unseren Verein ohne ihn nicht so richtig vorstellen", bekennt Fußball-Obmann Josef Karthäuser. Als "Pfundskerl mit riesengroßer Hilfsbereitschaft, der einigen bei uns auch schon privat unter die Arme gegriffen hat", charakterisiert er den ausgeschiedenen Klubchef, der gleichwohl bekennt: "Aus der Welt bin ich ja nicht, gehe mir die Spiele auch wenn möglich weiter anschauen."

Vereinsarbeit war früher nie das Ziel

Dass der aus Medard im Trierer Süden stammende Diederich einmal ein über die Grenzen der Stadt bekannter und angesehener Vereinsfunktionär werden würde, hätte er einst selbst nie gedacht: "Ich wollte mich ursprünglich nie einem Verein anschließen." Über die Tischfußball-Szene fand er dann aber doch den Einstieg. Ende der sechziger/Anfang der siebziger Jahre zählte Diederich zu den besten Tischfußballern der Stadt. Anfangs wurde in der Gaststätte Oberbillig auf der Weismark fleißig gekickert, dann in der Sportklause in Trier-Nord, die der heutige Bestattungsunternehmer einst selbst betrieb. Mit dem Schwung und der Begeisterung, den der deutsche Weltmeistertitel 1974 auslöste, wurde die Thekenmannschaft "FC St. Medard /Café Dötsch" aus der Taufe gehoben. Hier wirkte Diederich nicht nur als Organisator und "Macher", sondern auch auf dem Feld als rechter Verteidiger mit. Der Freizeitfußball boomte damals auch in Trier, eine eigene Liga wurde sogar gegründet. Um das Gewicht jener Klubs zu erhöhen, gründete Diederich die "Interessengemeinschaft Freizeitfußball". "Auf einmal hatte ich 40 Vereine im Rücken. Da konnten wir auch zum Beispiel gegenüber der Stadtverwaltung ganz anders auftreten", erinnert er sich.

1985 ging es bei der Spielvereinigung los

Einige Jungs machten sowohl in Medard mit, nahmen aber auch am offiziellen Spielbetrieb bei der Spielvereinigung teil - so kam der Kontakt zum Klub von der Weismark zustande. Nach intensivem Werben hatte der damalige Klubchef Heinz Lamarché Diederich Mitte 1985 dann endlich soweit - und dieser ließ sich zum Zweiten Vorsitzenden wählen. Von 1987 an war der "Jupp" dann bis vor wenigen Tagen an vorderster Front, legte nur noch zwischen 1995 und ´97 eine schöpferische Pause ein. Die familiäre Atmosphäre im Verein sei ihm immer besonders wichtig gewesen, erzählt Diederich. Knapp 100 Mitglieder zählt die Spielvereinigung, die momentan über zwei Seniorenmannschaften (in der Kreisliga C und D) und eine Damengymnastikgruppe verfügt. Diederichs Wirken war oft Basisarbeit: Weniger Meisterschaften und Aufstiege standen mitunter im Fokus, sondern alleine das Bestreben, den Spielbetrieb an sich aufrechtzuerhalten. Anfang des vergangenen Jahrzehnts gelang das drei Saisons lang nicht. Diederich nutzte die Zeit, um sich hier auch noch als Geschäftsführer beim SV Trier-West einzubringen. Besonders stolz ist er, das Vereinsheim an der Bezirkssportanlage in Trier-Feyen mit einigen Helfern im Laufe der Jahre saniert und deutlich ausgebaut zu haben. Zahlreiche Arbeitsstunden und auch einiges an Geld investierte er nicht nur hier. Auf der Suche nach einem Toilettencontainer ließ er dann sein gutes Netzwerk spielen.

Aufstieg als Geschenk?

Zahlreiche tolle Kontakte habe er über den Fußball geknüpft, bekennt Diederich. Mit den Aktiven bei der Spielvereinigung sei er ausnahmslos "eigentlich immer sehr gut ausgekommen". Der "Jupp" war sich für nichts zu schade. "Er hat die Spielvereinigung am Leben gehalten", heißt es immer wieder voller Anerkennung aus dem Umfeld. Einem solch verdienten Ehrenamtler zu danken, ist schier unmöglich – zumal er schon nach dem Ende seiner ersten Amtszeit ´95 Ehrenvorsitzender der Spielvereinigung ernannt wurde. "Wenn wir im Mai mit unserer ersten Mannschaft in die Kreisliga B aufsteigen, wäre das doch ein schönes nachträgliches Abschiedsgeschenk", meint Fußball-Obmann Karthäuser. AA