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Frauentag – (K)ein Grund zum Feiern?

Gleichberechtigung und Wahlrecht für Frauen: Darum ging es beim ersten Frauentag 1911. Später wurde der 8. März internationaler Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frau. Als erstes Bundesland hat Berlin kürzlich beschlossen, diesen Tag zu einem zusätzlichen arbeitsfreien Feiertag zu machen. Aber haben Frauen heutzutage überhaupt mehr Grund zum Feiern?
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m 8. März ist Internationaler Frauentag.  Auf dem Weg zur Gleichberechtigung ist viel erkämpft worden. Aber noch immer sind Frauen benachteiligt. Foto: Symbolbild/Pixabay

m 8. März ist Internationaler Frauentag. Auf dem Weg zur Gleichberechtigung ist viel erkämpft worden. Aber noch immer sind Frauen benachteiligt. Foto: Symbolbild/Pixabay

Das Frauenwahlrecht wurde zwar 1918 eingeführt. Mit der allgemeinen Gleichberechtigung ging es trotzdem schleppend voran. Noch bis 1977 beispielsweise durften Ehemänner ihren Frauen eine Berufstätigkeit verbieten. Heute verlagert sich die Ungleichheit in Richtung Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Dass Frauen erwerbstätig sind, ist heute Standard. Aber fast jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit, weil sie sich neben ihrem Beruf um Kinder und Haushalt kümmert. Sie ist es, die die Familie zusammenhält und Tag für Tag von morgens bis abends dafür sorgt, dass "der Laden läuft". Alles zusammen eine Mammutaufgabe, die Frauen klaglos übernehmen – und die ihnen bittere Nachteile beschert. Denn während Männer nach wie vor unbehelligt von nervenzehrenden familiären Multitasking-Aufgaben ihrer Vollzeitbeschäftigung nachgehen, sorgt Teilzeit bei Frauen für niedrigeres Einkommen, schlechtere Karrierechancen und geringere soziale Sicherung. Am Ende eines arbeitsreichen Lebens droht ihnen Altersarmut.

"Mein Bauch gehört mir – auch in Trier?"

Die Trierer Frauenbeauftragte Angelika Winter rückt dieses Jahr gemeinsam mit dem Verein "Pro familia" ein weiteres Thema in den Fokus: Eine ungewollte Schwangerschaft ist für die meisten Frauen sehr belastend. Ein Abbruch gilt noch immer als Stigma. Winter: "Erstaunlicherweise ist die Trierer Situation wenig bekannt. In der Stadt ist und war die Lage der Schwangerschaftsabbruchversorgung jedoch schon immer schlecht. Eine Frau, die sich gegen die Fortsetzung einer ungewollten Schwangerschaft entscheidet, hat vor Ort keine Möglichkeit dazu. Die Betroffenen müssen einen Weg von über 100 Kilometer auf sich nehmen." Für Pro familia ist es besorgniserregend, dass das Angebot von Ärzten, die den Abbruch vornehmen, rapide abnimmt. Sie stehen zum Teil kurz vor dem Ruhestand und junge Ärzte kommen nicht nach. Pro familia sieht das Recht der Frauen auf eine selbstbestimmte Entscheidung "immer stärker in Gefahr". Vor diesem Hintergrund laden Pro familia und Frauenbeauftragte zur Veranstaltung "Mein Bauch gehört mir 4.0 – meine Zukunft gehört mir! Ungewollt schwanger – Schwangerschaftsabbruchversorgung in der Region Trier?" am Freitag, 8. März, 17 Uhr, ins Mehrgenerationenhaus, Christophstraße, ein. Mehr unter www.trier.de.

77 Tage gratis gearbeitet

Alles andere als rosig sieht es auch beim Thema Lohngerechtigkeit aus. Angenommen Männer und Frauen bekommen den gleichen Stundenlohn: Dann steht der Equal Pay Day am 18. März für den Tag, bis zu dem Frauen umsonst arbeiten, während Männer schon seit dem 1. Januar für ihre Arbeit bezahlt werden. Der geschlechtsspezifische Entgeltunterschied beträgt laut Statistischem Bundesamt aktuell 21 Prozent. Umgerechnet ergeben sich daraus 77 Tage. Die Statistik zeigt dabei keine Veränderung dieser Lohnlücke. Das EPD-Aktionsbündnis Trier lädt am 18. März von 11 bis 15 Uhr zum Infostand auf dem Kornmarkt ein, um auf den "Gender Pay Gap" aufmerksam machen, über die Gründe für die Entgeltungleichheit sprechen, ein Bewusstsein für die Problematik schaffen und Lösungen für die Schließung der Lohnlücke aufzeigen. Weitere Infos dazu gibt es hier. CN