SP

UNESCO-Welterbe wird in Karl-Marx-Ausstellung gezeigt

"Das Kapital" und "Das Manifest" sind in Trier zu sehen

Trier. Die römischen Monumente Triers gehören zum UNESCO-Weltkulturerbe und locken jedes Jahr Millionen Menschen in die Moselstadt. Derzeit sind in Trier noch zwei weitere bedeutende Stücke von UNECSO-Rang zu bestaunen: Die erste Seite eines Manuskripts vom "Manifest der Kommunistischen Partei" von Karl Marx und Friedrich Engels sowie Marx' mit persönlichen Anmerkungen versehene Ausgabe des "Kapitals" werden bis zum 21. Oktober in der großen Landesausstellung präsentiert.

Beide Werke gelten als dokumentarische Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert für die Menschheitsgeschichte und zählen daher seit 2013 wie etwa die Göttinger Gutenberg-Bibel, die Archive des Warschauer Ghettos oder Beethovens 9. Symphonie zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. In der Begründung der UNESCO wird angeführt, dass diese Schriften großen Einfluss auf die Entwicklung sozialistischer, kommunistischer und anderer revolutionärer Bewegungen des 19. und 20. Jahrhunderts hatten, dass beide in nahezu alle Sprachen der Welt übersetzt wurden und dass ihr enormer Einfluss bis heute nachwirke.

Die beiden außergewöhnlichen Exponate, die im Ausstellungsteil im Rheinischen Landesmuseum präsentiert werden, stammen aus dem Internationalen Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam und sind zum ersten Mal in dieser Zusammenstellung in der Öffentlichkeit zu sehen. Zusammen mit mehr als 400 weiteren Exponaten machen sie die Epoche, in der Karl Marx seine bedeutenden Werke verfasste, mit all ihren Besonderheiten und ihren wirtschaftlichen und sozialen Umbrüchen lebendig.

"Dass zwei der bekanntesten Schriften von Karl Marx seit 2013 zum Weltdokumentenerbe der UNESCO gehören, unterstreicht die Bedeutung des aus Trier stammenden Philosophen, Politökonomen, Journalisten, Politikers und Revolutionärs – global gesehen", so Prof. Dr. Beatrix Bouvier, wissenschaftliche Leiterin der Landesausstellung. "Diese herausragende Rolle greift die Ausstellung auf und stellt beide exemplarisch für das umfangreiche Werk von Karl Marx heraus."

"Wir freuen uns sehr, dass wir neben den dauerhaft in Trier verorteten UNESCO-Welterbe – den römischen Baudenkmälern, Dom und Liebfrauenkirche sowie dem Codex Egberti – nun diese beiden international herausragenden Schätze in der Marx-Ausstellung auf Zeit zeigen können", sagt Prof. Dr. Salvatore Barbaro, Aufsichtsratsvorsitzender der Karl-Marx-Ausstellungsgesellschaft, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz und Regierungsbeauftragter für das UNESCO-Welterbe Rheinland-Pfalz.

Kommunistisches Manifest

Vom Kommunistischen Manifest, das im Februar 1848 in London erschien, ist die einzige erhaltene handschriftliche Seite zu sehen. Ergänzt wird sie durch eine 247 internationale Ausgaben umfassende Sammlung des Manifests in 59 Sprachen und Dialekten, die die enorme Verbreitung des Werkes in aller Welt dokumentiert. Im Dezember 1847 waren Karl Marx und Friedrich Engels vom Bund der Kommunisten in London damit beauftragt worden, diese Programmschrift zu verfassen, die den Übergang von einem Geheimbund zu einer offen auftretenden politischen Kraft mit revolutionärer Ausrichtung widerspiegelt. Das 23-seitige Manifest gilt nicht zuletzt wegen seiner selbst heute noch mitreißenden sprachlichen Wucht als bemerkenswertes Dokument und steht für die revolutionäre Ausnahmesituation des Jahres 1848. Es beginnt mit den berühmten Worten: "Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst des Kommunismus" und endet mit dem bekannten Aufruf "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!".

Das Kapital

Das "Kapital" ist Karl Marx' wissenschaftliches Hauptwerk. Im Gegensatz zum "Kommunistischen Manifest" ist es kein Aufruf zur Revolution, sondern eine äußerst akribische und detailreiche Analyse, eine "Kritik der politischen Ökonomie". 15 Jahre arbeitete Karl Marx allein am ersten Band, der 1867 in Hamburg erschien. In der Ausstellung ist die mit persönlichen Anmerkungen von Karl Marx versehene Ausgabe des ersten Bandes zu sehen. Nach Marx' Tod stellt Friedrich Engels aus dessen Manuskripten den 2. und 3. Band zusammen und gab diese 1885 bzw. 1894 ebenfalls in Hamburg heraus. Als weitere wertvolle Originaldokumente werden in der Ausstellung fünf handschriftliche Notizhefte gezeigt, in denen Marx seine Ideen für "Das Kapital" festhielt. Um den Ausstellungsbesuchern das Werk von Karl Marx anschaulich in Bilder und Objekte zu übersetzen, haben die Ausstellungsmacher drei sogenannte Themenräume konzipiert, die schließlich in der sogenannten "Marxmaschine" ihren Abschluss finden: Diese raumfüllende Installation als ein weiteres Highlight der Landesausstellung versetzt die Besucher in eine Maschinenhalle und macht die von Marx beschriebene innere Logik der kapitalistischen Produktionsweise verständlich.

RED

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.