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Gladiators: Der Instinkt des Luxemburgers

Stadt Trier. Bei der ersten Gelegenheit der Fastenzeit stillten die Römerstrom Gladiators ihren Siegeshunger: Gegen die Towers aus Hamburg gab es ein 84:83.

Von Bernd Schneider und Vinzenz Anton                     

Am Geburtstag und zwei Tage nach der Geburt des ersten Kindes von Gladiators-Kapitän Simon Schmitz war klar, welches Geschenk fast alle anderen Präsente für den 28-Jährigen übertreffen würde: Der siebte Heimsieg in Folge, zugleich die dritte Bezwingung  in Folge des Teams, zu dem mehrere einst für Trier tätige Basketball-Profis gehören. Die Hamburger machten einen sehr guten Eindruck. Sie hatten ja auch allen Grund, sich zu rehabilitieren: Sechs Tage zuvor verloren sie als erste Zweitliga-Mitglieder daheim gegen die abstiegsgefährdeten Ehinger. Dies und acht Niederlagen in neun Spielen führten zu einer spektakulären Veränderung: Der bisherige Co-Trainer wurde zum Headcoach befördert. Sehr wichtige, aber negative Personalie auch auf Gladiators-Seite: Topscorer Johannes Joos fehlte erstmals und fällt wegen einer Knieverletzung laut Trainer sogar für den Rest der Saison aus. Andererseits bestritt Justin Alston sein erstes Heimspiel seit dem 31. Oktober.                           

Die zweite finale Dramatik                          

Anderswo erleben die Fans keine einzige dramatische und erfolgreiche Schlussphase, in Trier nun sogar die zweite innerhalb von nur fünf Wochen: Wie am 14. Januar machte ein Wurf in der definitiv letzten Sekunde aus einer supernahen Niederlage einen Sieg. Nur dass es diesmal ein Goldener Wurf aus kurzer Distanz war. Und dass er nicht von Jermaine Bucknor kam, sondern von Thomas Grün. Der Luxemburger vollzog den "Nachschuss", unmittelbar nachdem Schmitz bei der vermeintlich letzten Gelegenheit Pech hatte. "Ich bin da wie ein Irrer auf den Rebound gegangen", blickte Grün auf die wichtigste Szene des Abends und seiner bisherigen Profi-Karriere  zurück und ergänzte: "Dass  ich da gut stand, war wohl ein bisschen Instinkt."          

Schmitz war es natürlich auch so recht. Er hatte seinen wesentlichen Beitrag zum Gesamterfolg mit sage und schreibe fünf Dreiern schon in der ersten Halbzeit geleistet. Apropos: Insgesamt trafen die Hamburger nur sieben Mal aus der Distanz, die  Trierer hingegen 16 Mal. Und beim letzten von 18 Fehlversuchen erzwang Bucknor drei Freiwürfe, die zu zwei wichtigen Punkten führten.                               

"Falsche Optionen"

Zu den Phasen, die unter anderem zu einem  unaufholbar scheinenden 61:74-Rückstand geführt hatten, bemerkte der Mann, der unter der Woche "nur zwischen Krankenhaus und Halle gependelt" war, dass man mehrmals die falsche Option gewählt habe. Da lief es teilweise extrem schlecht bei den Gladiators, und die Hansestädter erzielten zwischen der Halbzeitpause und besagter höchster Führung sogar exakt doppelt so viele Korbpunkte wie ihr Gegner (34:17). Gladiators-Coach Marco van den Berg sprach nichtsdestoweniger mit Recht von einer sehr guten Leistung seiner Schützlinge und einem hinsichtlich Playoff-Qualifikation überaus wichtigen Sieg. Letzteres gilt schon deshalb, weil die Towers per Sieg nach Tabellenpunkten mit Trier gleichgezogen hätten. Real sind hingegen nun quasi fünf Punkte Distanz, weil die Millionenstädter auch den Direktvergleich gegen den einzigen Rheinland-Pfalz-Vertreter verloren haben. 

Statistik: Schmitz' Kuriosa                            

  • Die Viertel vom 17. Februar in der Separat-Betrachtung:  17:18,  27:22,  15:24 
  • Die Zuschauerzahl 2971 war in Trier die drittgrößte der Saison.
  • Nach sechs Begegnungen Trier-Hamburg und umgekehrt lautet die Bilanz 5:1 zu TR-Gunsten, in Trier 3:0.                                    
  • Die aufgebotenen Gladiators und ihre Beiträge zu den 84 Korbpunkten, jeweils in der ersten und zweiten Halbzeit (Reihenfolge an den individuellen Einsatzzeiten orientiert):   Smit (0+6),  Schmitz (16+11),  Bucknor (11+8),  Ilzhöfer (3+3),  Alston (4+2),  Dranginis (3+4),  Nortmann (2+0),  Grün (0+4),  Shoutvin (5+2).               
  • Schmitz war zum vierten Mal in dieser Saison Topscorer und verfehlte den persönlichen Rekord, den er am 28. Januar 2017 aufgestellt und an seinem 27. Geburtstag beim 85:82-Sieg in Hamburg (!)  egalisiert hatte, um nur drei Korbpunkte. Den absoluten Gladiators-Rekord hält Kyle Dranginis (35 am letzten September-Tag 2017).                              
  • Erfolgreichste Towers-Akteure waren mit je 18 Zählern Jonathan Williams und der Ex-Trierer Anthony Canty.                              
  • Die erfolgreichsten fünf Gladiators-Korbschützen nach 23 Saisonspielen:  Joos 331,  Bucknor 255,  Dranginis 249,  Schmitz 229,  Shoutvin 161.

 

 

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