

Region (Fö). Das Winterhalbjahr war schwierig, die Konjunktur aufgrund äußerer Umstände eine Wundertüte. Die Stimmung ist angekratzt.« So die Bilanz von HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels. Und es werden auch kaum Besserungen erwartet, so die Bilanz der Frühjahrskonjunkturumfrage 2026, an der sich 717 von rund 8.000 Betrieben aus der StädteRegion Aachen sowie den Landkreisen Düren, Euskirchen und Heinsberg beteiligt haben. Denn die Unsicherheiten durch den Irankrieg, ausbleibende öffentliche Investitionen in die Infrastruktur und eine Konsumzurückhaltung der Privathaushalte dämpfen die Erwartungen.
73 Prozent der Befragten bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als »gut« oder »befriedigend« (Vorjahr: 76 Prozent). Gleichzeitig berichten 44 Prozent von rückläufigen Umsätzen, weitere 38 Prozent von einer Stagnation – bei einer Inflationsrate von 2,2 Prozent. »Die Deindustrialisierung Deutschlands schlägt jetzt auf das Handwerk für den gewerblichen Bedarf durch. Zudem leiden Teile des Bau- und Ausbaugewerbes unter fehlenden Aufträgen«, erläutert HWK-Hauptgeschäftsführer Georg Stoffels. Diese drei Bereiche machen rund 60 Prozent des regionalen Handwerks aus. Besonders sei das in der sonst so krisensicheren Städteregion Aachen zu spüren, wo die Zufriedenheit unterdurchschnittlich ist (71 Prozent).
Statt klarer und nachhaltiger Reformen hätten widersprüchliche Debatten – etwa zur Mehrwertsteuer, Stromsteuer oder kurzzeitigen Tankrabatten – zusätzliche Verunsicherung geschaffen. »Die Betriebe brauchen jetzt verlässliche Rahmenbedingungen, eine mittelstandsfreundliche Agenda 2030 und keine schnell zerplatzenden Luftballons wie 1.000-Euro-Entlastungsprämien«, fordert Stoffels. Kritisch bewertet die HWK zudem die anhaltend hohe Bürokratielast. »Die Kosten sollten in diesem Bereich um 25 Prozent sinken, noch merkt man nichts davon.« Der Faktor Mensch bleibe teuer, gearde weil das Handwerk nicht von der KI abgelöst werde. »Wenn dann wieder Steuern und Sozialabgaben steigen, ist das ein Stimmungskiller«, so Stoffels. Er fordert mehr Zeit auf der Baustelle statt im Genehmigungsdschungel zu verbringen.
Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten bleibt das Handwerk ein stabiler Arbeitgeber. 70 Prozent der Betriebe hielten ihre Beschäftigtenzahlen konstant, zehn Prozent stellten zusätzli-ches Personal ein. Auch für die kommenden Monate planen drei von vier Betrieben mit stabilen Belegschaften. »Die Auslastung ist nicht mehr so stark, das Auftragspolster wird kleiner«, weiß Stoffels. Während man auf einen Dachdecker derzeit 16,6 Wochen wartet, sind es beim Elektriker »nur« 9,5 Wochen. »Das liegt natürlich auch an der unterschiedlichen Stärke an Fachbetrieben in den einzelnen Gewerken, relativiert Stoffels. Und doch stehe Dachsanierung und Photovoltaik-Errichtung auf dem Privatdach derzeit höher im Kurs als umfängliche Schulsanierungen mit Neuverkabelung, da das 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen nicht investiert werde, sondern als Lückenstopfer genutzt werde.
Die vollständige Konjunkturumfrage mit ergänzenden Grafiken und der Sonderauswertung nach Sparten und Kreisen gibt es auf www.hwk-aachen.de




