Thomas Förster

»Das Härteste, was ich je getan habe«

Der Monschauer Extremsportler Holger Lapp ist in der Ultra-Trailrunning-Szene für extreme Herausforderungen bekannt: Doch was sich kürzlich in den Transsilvanischen Alpen abspielte, stellte selbst für den erfahrenen Athleten alles bisher Dagewesene in den Schatten.

Monschau/Bran (Fö/red). Eisiger Sturm, meterhoher Schnee, Nebel-Whiteouts auf über 2.500 Metern – und am Ende ein Zieleinlauf um 03:19 Uhr morgens: Der Monschauer Extremsportler Holger Lapp hat beim Transylvania 100k am 23. Mai 2026 eine der härtesten Erfahrungen seiner Karriere gemacht. »Das absolut Härteste, was ich je getan habe«, sagt der erfahrene Ultra-Trailrunner nach seiner Rückkehr.

Genau zehn Jahre nach seiner letzten Teilnahme kehrte Lapp an den Start unterhalb von Draculas Schloss in Bran zurück. Was als sportliche Rückkehr in alte Gefilde geplant war, entwickelte sich zu einem epischen Überlebenskampf im Hochgebirge. Bereits über der 2.000-Meter-Grenze herrschte totaler Whiteout: kein Sicht, kein Orientierungspunkt, nur tiefer Schnee und eisiger Wind. Die rumänische Bergwacht Salvamont war im Dauereinsatz, um verunglückte Läufer aus Schluchten zu retten.

Lapp startete gemeinsam mit seinem Laufkollegen Carsten Kirchbach-Niesel, doch schon am ersten Anstieg trennten sich ihre Wege. Beide verirrten sich unabhängig voneinander im Nebel, fanden aber immer wieder zusammen. Der berüchtigte Omu-Gipfel auf 2.505 Metern Höhe musste sogar zweimal bezwungen werden – gefolgt von einem brutalen Abstieg über fast 1.100 Höhenmeter durch steilen Tiefschnee. Die permanenten Krämpfe durch das ständige Gegensteuern zehrten massiv an der Substanz.

An der Dropback-Station bei Kilometer 45 war Lapp nach eigener Aussage mental am Ende. Neue Schuhe, neue Socken, ein frisches Shirt – aber keine neuen Beine. Nach einem kurzen Tief um Kilometer 50 brachte ausgerechnet ein simples Verpflegungsangebot die Wende: »Zwei Stücke Pizza und ein Becher Cola bei Kilometer 63 haben Wunder bewirkt.« Am späten Abend tobte noch ein Hagel- und Gewitter-Unwetter über der Bergkette – eine gespenstische Kulisse für die Läufer.

Das Finale in der Nacht verlief überraschend stark. Lapp und Kirchbach-Niesel überholten auf den letzten Kilometern noch zahlreiche Mitstreiter, kämpften sich gemeinsam durch ein schlammiges Abstiegsgelände – und überquerten die Ziellinie nach 103 Kilometern und 6.800 Höhenmetern exakt zur selben Sekunde. Die Zeit: 22 Stunden und 19 Minuten. Platzierung: 19. in der Altersklasse Veteranen.

Kritisch bewertet Lapp die Organisation im Vorfeld: Die extremen Bedingungen seien vom Veranstalter nicht ausreichend kommuniziert worden. Schneeketten für Schuhe (Grödel) und Stöcke seien nur als optionale Ausrüstung angegeben gewesen – für ihn ein klarer Fehler. Zu viele unerfahrene Läufer seien an den Start gegangen. Die Zahl der Schwerverletzten durch Stürze in den Schneefeldern sei deutlich höher ausgefallen als in normalen Jahren. Lapp und sein Kollege kamen mit zerstörten Regenjacken und kleinen Kratzern davon – nach eigener Einschätzung war das reines Glück.

Trotzdem: Die Landschaft bezeichnet Lapp als »absoluten Wahnsinn« und ein »echtes Highlight«. Eine Empfehlung spricht er dennoch nur mit Einschränkungen aus: »Einem normalen Ultra-Trailrunner würde ich diesen Lauf unter diesen Bedingungen definitiv nicht empfehlen.« Für alle mit hochalpiner Erfahrung aber bleibt es ein unvergessliches Abenteuer.