Thomas Förster

Der Mittelpunkt ist lieber im Hintergrund

Monschau/Höfen. Reiner Jakobs wird die Ehrenbürgerschaft der Stadt Monschau zuteil. In feierlichem Rahmen dankt er seinen Helfern und spielt sich ein Ständchen.
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»Ich bin nicht der große Redner - ich gehe lieber singen.« Die Auszeichnung zum Ehrenbürger der Stadt Monschau für Reiner Jakobs war schon eine Besonderheit für sich. Denn einem »einfachen Mann« wird diese Ehre äußerst selten zuteil. Dass er sich aber dann selbst ein Ständchen spielt, das wird wohl einzigartig sein und bleiben. Und ist doch einfach typisch für den »Singenden Hirten«.

Monschau/Höfen (Fö). »Als kleines Kind hat mich die Lebende Krippe verzaubert, die sie ins Leben gerufen haben. Später dann war der Besuch der Landschaftskrippe in der Höfener Kirche ein Muss. Überall, wo Sie aktiv sind, sorgen Sie für unvergessliche Momente und zaubern den Menschen ein Lächeln ins Gesicht - sogar dann, wenn Sie Spenden für krebskranke Kinder sammeln«. Dr. Carmen Krämer gerät unweigerlich ins Schwärmen, als sie sich an die ersten Begegnungen mit Reiner Jakobs erinnert - und an die vielen danach, die nun mit der Verleihung der »Ehrenbüger-Würde« der Stadt Monschau ihren Höhepunkt fand.

Der »singende Hirte«, der sichtlich nervös den Worten der Bürgermeisterin und des Laudators Helmut Etschenberg folgt, hat es nicht wirklich glauben wollen, dass bekannte Persönlichkeiten ihn für diese besondere Auszeichnung vorgeschlagen haben und der Stadtrat dem Antrag einstimmig gefolgt ist. »Ihre Selbstlosigkeit ist ein Vorbild für uns alle«, unterstreicht Dr. Carmen Krämer.

»Er ist ein einfacher Bürger und gerade das macht ihn aus: Reiner Jakobs fragt nie nach dem Lohn seiner Arbeit und hat selbst bis zur Abstimmung nicht glauben wollen, dass man ihn - frei jeglicher Kritik - zum Ehrenbürger der Stadt Monschau ernennt«, so Helmut Etschenberg, einer der Initiatoren des Antrags. »Seine vielfältigen Verdienste aufzulisten, würde den Rahmen sprengen und seinem Engagement doch gar nicht gerecht«, weiß der Städteregionsrat a.D. Etschenberg verweist auf die liebevoll gepflegte Raststätte der Heimbach-Pilger und erinnert an frühe Tourismusförderung für die Stadt Monschau, als Reiner Jakobs in Berlin als »singender Hahn« mit seinem »Höhnerrock« begeisterte. »Ich hatte ihm vorgeschlagen, einen Eintritt für die Höfener Kirche zu nehmen. Er meinte, dass mit freiwilligen Spenden viel mehr zusammen kam - und er hat natürlich Recht behalten.«

Prof. Dr. Udo Kontny nutzt die Feierstunde, um für den Förderkreis krebskranker Kinder im Aachener Klinikum und die Kinderonkologie selbst seinen großen Dank für die langjährige Unterstützung auszusprechen. »Sie haben uns nicht nur finanziell unterstützt, zusätzliches Personal oder die Ruheoase auf unserer Dachterrasse geschaffen - viel wichtiger aber noch: Sie haben großartige Werbung für unsere Arbeit betrieben, die Sorgen und Nöte der Patienten und ihrer Familien ins Bewusstsein gerufen«, unterstreicht der Chefarzt der Kinderonkologie.

Die Spendensumme in Millionenhöhe, die der »singende Hirte« in mehr als drei Jahrzehnten zusammen getragen hat, ist das Ergebnis einer Mannschaftsleistung. Das wird in der Feierstunde einmal mehr deutlich. »Die permanente Unterstützung seiner Frau Irmgard ist ein wichtiger Teil des Erfolgsrezepts«, versichert Dr. Carmen Krämer. »Ohne Dich wäre Reiner hilflos - aber das macht euch als Paar aus und ihn noch sympathischer«, unterstreicht Helmut Etschenberg. Vergessen wird an diesem Abend aber nicht die große Helferschar, die den »Ehrenbürger« beim Bau der Krippe, musikalisch, beim Online-Auftritt oder anderen Werbemaßnahmen unterstützt haben.

Es folgt die Übergabe der Ehrenurkunde, die im Hause Weiss erstellt wurde. Für einen kurzen Moment lässt sich der »singende Hirte« feiern, genießt es, als sich alle im festlich dekorierten Ratsaal von ihren Plätzen erheben und die Bürgermeisterin ihm ein Gästebuch überreicht, in dem sich alle Wegbegleiter verewigen werden. Kurz und knapp - wie gewohnt - dankt Reiner Jakobs seinen Helfern und für die Auszeichnung. Dann zieht es ihn auf seinen Hirtenstuhl, wo er die Gitarre ergreift und »Ein schöner Tag« erklingen lässt. Die Anspannung ist verschwunden, der »singende Hirte« ist in seinem Element...


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