Thomas Förster

Ein »Moospangs« in Stein gemeißelt

Eicherscheid. Bei aller fachlichen Präzision hatte er doch ein mulmiges Gefühl, ob sie wohl jedem gefallen werde: Die neue »Moospangs«-Statue in Eicherscheid, die Steinmetz Jörg Kahnert geschaffen hat. »Die Resonanz ist durchweg positiv, ich bin erleichert und stolz.«

Eicherscheid (Fö). Er ist eine Identifikationsfigur, die in Eicherscheid jeder kennt und die untrennbar mit der Geschichte des Ortes verbunden ist: der Moospangs. Nun ist der historische Spitzname der Eicherscheider als steinerne Statue mitten im Dorf sichtbar. Eine rund 1,20 Meter große Figur aus Blaustein soll künftig an die besondere Identität des Eifeldorfes erinnern.

Der Moospangs steht für eine alte Bezeichnung der Eicherscheider Bevölkerung. Gemeint ist der »Eicherscheider mit dem Sauerkraut-Bauch« – eine Anspielung auf das traditionelle »Escher Mooß«, wie das Eicherscheider Sauerkraut genannt wird. Die Spezialität war früher ein wichtiger Bestandteil der Dorfküche und gab den Bewohnern ihren bis heute bekannten Spitznamen.

Die Idee, diese Symbolfigur dauerhaft im Ortsbild zu verankern, geht auf den verstorbenen Ortsvorsteher Günter Scheidt zurück. Er hatte die Statue seinem Heimatort gestiftet und damit ein Zeichen für die Verbundenheit mit Eicherscheid gesetzt. Einen würdigen Platz hat der Moospangs im Ortszentrum erhalten.

Geschaffen wurde die Statue aus Blaustein von Steinmetz Jörg Kahnert. In aufwendiger Handarbeit - rund 220 ehrenamtliche Arbeitstunden hat er in den Moospangs gesteckt - entstand eine Figur, die nicht nur eine historische Bezeichnung aufgreift, sondern auch ein Stück Dorfgeschichte erzählt. »Ich fühle mich geehrt, dass ich mit dieser Aufgabe betraut wurde. Eine tolle Gelegenheit mich künstlerisch auszutoben«, gesteht Kahnert, der ein altes Bauernhaus im Ort in den letzten Jahren in ein ortstypisches Schmuckstück verwandelt hat. In engem Austausch mit Renate Scheidt, der Witwe des Initiators, hat er zunächst Tonmodelle erstellt und immer wieder an den Proportionen des »Moospangs« gefeilt. Besonders die Gestaltung der Gesichtspartie erforderte viel Feinarbeit. »Ein Bauer muss einen Bart haben«, war einer der Diskussionspunkte. »Da die Figur in unserer Werkstatt stand, konnte ich während der Arbeit immer einen Blick drauf werfen und am Abend meine Ideen umsetzen«, erklärt Kahnert die vielen Arbeitsprozesse. Der weiche Kalkstein als Werkstoff sei regionstypisch, gut zu bearbeiten und auch finanziell machbar, wodurch die Wahl auf Blaustein fiel. »Er sollte lebendig wirken, aber man darf auch gerne über ihn schmunzeln«, zeigt der Steinmetz die vielen Facetten des Eicherscheider Urgesteins auf.

Nachdem Timo Fink Bagger- und Fundamentarbeiten vorgenommen hatte, konnte die Statue gegenüber dem Ehrenmal pünktlich zur Eicherscheider Kirmes aufgestellt und im Rahmen der Feierlichkeiten der Dorfbevölkerung präsentiert werden. »An den Kirmestagen wurden viele Fotos mit dem Moospangs gemacht und er wurde in die Farben der Dorfvereine gehüllt«, so Kahnert. »Das zeigt mir, dass sich viele Eicherscheider direkt mit ihm identifizeren. Das Werk scheint gelungen«, strahlt Kahnert.

Übrigens: Der »Moospangs« ist nicht das erste Werk von Steinmetz Jörg Kahnert im Ort. Bereits zur 600-Jahr-Feier Eicherscheids hat er ein Dorfwappen aus Blaustein gefertigt, das auf der Mauer zwischen Sommerlinde und Pfarrkirche einen würdigen Platz gefunden hat.