Hochwasserschutz seit 125 Jahren
Heimbach (Fö). Ein Historisches Bauwerk mit einer Schlüsselrolle für den Hochwasserschutz stand im Mittelpunkt, schließlich jährt sich die Grundsteinlegung der Urfttalsperre in diesem Jahr zum 125. Mal. Die damals größte Talsperre Europas. hatte zuletzt bei der Hochwasserkatastrophe im Juli 2021 eine wichtige Funktion: Die Talsperre kappte die Spitze der zufließenden Hochwasserwelle und bewahrte die tieferliegenden Regionen im Rurtal vor noch verheerenderen Folgen. »Wir haben den Extremzufluss um den Faktor 8 reduzieren können«, schildert Dr. Gerd Demny, Dezernent für Gewässer und Wasserwirtschaft beim Wasserverband EifelRur. Das hat die Bedeutung der Talsperren auch vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandel erneut vor Augen geführt. Nicht nur das Bauwerk habe dem Druck samt Kronenstau (Wasser erreicht die Dammkrone) und Hochwasserentlastung Stand gehalten, es habe auch die Anrainer entlang der Rur vor größeren Schäden bewahrt. »Das sah leider an anderen Gewässern, wo es den Schutz nicht gibt, anders aus«, blickt Demny zurück und schaut voraus, indem er auf die bevorstehenden Hochwasserrückhaltebecken an der Vicht bei Mulartshütte verweist.
»Ein Versprechen an die nächste Generation«, nennt WVER-Vorstand Dr. Joachim Reichert, sein Bestreben, an Preth oder Platißbach auf Hellenthaler Gemeindegebiet eine weitere Talsperre errichten zu wollen. Bis Mitte 2027 soll ein Standort oder gar eine Beckenkombination herausgearbeitet worden sein, die den Hochwasserschutz in den 2021 arg betroffenen Tallagen deutlich verbessert. Auch an anderer Stelle wird die klimaresiliente Infrastruktur weiter ausgebaut. Ein zentrales Vorhaben ist die sogenannte »Weheüberleitung«: Dabei soll ein rund fünf Kilometer langer Stollen vom Has-selbach zur Wehebachtalsperre entstehen. Er stärkt die Wasserversorgung im Aachener und Dürener Raum und damit die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Region. Durch die Überlei-tung wird auch für die Unterlieger wie Stolberg und Eschweiler das Hochwasserrisiko signifikant gemindert.
»Die Erbauer der Urfttalsperre bewiesen vor 125 Jahren enormen Weitblick und wasserwirtschaftlichen Pioniergeist«, zeigt sich Oliver Krischer begeistert. Der NRW-Umweltminister ist nur einen Steinwurf vom Wasserkraftwerk in Heimbach aufgewachsen. »Heute nehmen Wetterextreme wie die derzeitige Hitze, langanhaltende Dürren, aber auch Starkregen und Hochwasser zu. Deshalb gewinnen Talsperren zusätzlich an Bedeutung. Wir brauchen sie, um unser Land in regenreichen Phasen vor Hochwasser zu schützen undgleichzeitig in Trockenphasen unsere Trinkwasserversorgung zu sichern.« Sie seien bedeutsame Bauwerke zur Aufrechterhaltung der Daseinsvorsorge und prägen in einigen Landesteilen den Wasserhaushalt.
Das Geburtstagskind wurde von vielen Seiten betrachtet. Walter Dautzenberg von der WAG erklärte die wichtige Ergänzungsfunktion zur Trinkwasserversorgung, die die Urfttalsperre übernehme. Dr. Stephan Cuypers hob die zentrale industrielle Bedeutung gerade für die Papierindustrie heraus. Und Tobias Wiesen zeigte auf, dass sie eine wertvolle Attraktion für die Gäste des Nationalparks Eifel und Lebensader für den Schutzraum selbst getreu dem Motto »Wald - Wasser - Wildnis« ist.
Prof. Dr.-Ing. habil. Dirk Carstensen, Präsident des Deutschen Talsperren-Komitees, hob das Dilemma des Interessenabgleichs zwischen Hochwasserschutz, Energiegewinnng und Tourismus hervor. Zugleich lobte er, dass man wieder an den Bau von Talsperren denke, was seit 20 Jahren nicht mehr passiere.
Den größten Eindruck hinterließ - neben dem Bauwerk selbst und den erstklassigen Beiträgen der Bläser der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Aachen unter Leitung von Simon Bales- jedoch Thomas Ranft. »Klimawandel ist die extreme Zunahme von Extremen«, brachte der »Wetterfrosch« das oft zerrissene Krisenwort wissenschaftlich auf den Punkt. »Wir können nicht immer sagen, dass die anderen es richten sollen - wir müssen selbst mit anpacken«, forderte er.
Die Urfttalsperre
Zwischen 1900 und 1905 errichteten Arbeiter die 58 Meter hohe Gewichtsstaumauer nach den Plänen des Aachener Professors Otto Intze. Die Anlage fasst bei Vollstau rund 45,5 Millionen Kubikmeter Wasser.
Das Mehrzweckbauwerk dient heute dem Hochwasserschutz, der Stromerzeugung und gleicht niedrige Flusspegel in trockenen Monaten aus.

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