

Region. Der Ausbildungsmarkt im Agenturbezirk Aachen-Düren ist in Bewegung: Zur Halbjahresbilanz des Ausbildungsjahres 2025/2026 zeigt sich eine klare Verschiebung. So haben sich rund 4.900 junge Menschen bei der Agentur für Arbeit Aachen-Düren gemeldet – 205 mehr als im Vorjahr. Dem gegenüber stehen 4.200 gemeldete Ausbildungsstellen. Damit deutet sich eine Trendwende an: Erstmals seit einigen Jahren kommen insgesamt wieder mehr Ausbildungssuchende auf weniger gemeldete Ausbildungsstellen.
Trotz dieser Entwicklung gilt: Der Ausbildungsmarkt ist noch lange nicht abgeschlossen. Aktuell suchen noch rund 3.700 junge Menschen einen Ausbildungsplatz, gleichzeitig sind noch etwa 2.800 Ausbildungsstellen unbesetzt. Das bedeutet vor allem: Für Jugendliche bestehen weiterhin gute Chancen, in Ausbildung einzumünden.
Ein zentraler Treiber für die steigenden Bewerberzahlen ist die Zuwanderung. Während die Zahl deutscher Bewerberinnen und Bewerber leicht zurückging (-21), ist die Zahl der ausländischen Bewerber deutlich gestiegen (+226). Ohne diesen Zuwachs wäre das Ausbildungsinteresse bereits rückläufig. »Zuwanderung trägt inzwischen spürbar dazu bei, das Ausbildungsinteresse stabil zu halten. Das ist ein wichtiger Baustein für die Fachkräftesicherung in unserer Region«, sagt Ulrich Käser, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Aachen-Düren.
Bei den Jugendlichen stehen vor allem kaufmännische Berufe hoch im Kurs. Besonders häufig nachgefragt sind Ausbildungsplätze als Kaufmann oder Kauffrau im Einzelhandel, Verkäufer oder im Büromanagement. Gleichzeitig gehören genau diese Berufe auch zu denjenigen mit vielen unbesetzten Ausbildungsstellen – insbesondere im Einzelhandel sowie in kaufmännischen Tätigkeiten. »Viele Jugendliche orientieren sich an bekannten Berufsbildern. Gleichzeitig bleiben gerade dort noch viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Hier gilt es, Erwartungen und Realität noch besser zusammenzubringen«, erklärt Ellen Lenders, Seniorexpertin im Bereich Berufsbildung/-politik der Industrie- und Handelskammer Aachen.
Auch im Handwerk zeigt sich weiterhin ein hoher Bedarf: »Das Handwerk bietet vielfältige und sichere Perspektiven, insbesondere wenn es um die Herausforderungen des Klimawandels geht. Viele Betriebe suchen weiterhin dringend Nachwuchs – die Chancen für einen Einstieg sind aktuell sehr gut«, so Georg Stoffels, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen.
In den kommenden Monaten wird entscheidend sein, wie gut es gelingt, Jugendliche und Betriebe zusammenzubringen. Dafür braucht es Offenheit auf beiden Seiten: Jugendliche, die auch neue Wege und weniger bekannte Berufe in den Blick nehmen, und Betriebe, die Potenziale erkennen und auch jungen Menschen mit Unterstützungsbedarf eine Chance geben. Am Ende wird es darauf ankommen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und die vorhandenen Chancen konsequent zu nutzen.




