Thomas Förster

Schmidt bekommt sein Bürgerhaus

Oft wird es als Zweck-Ehe beschrieben, denn so richtig zugehörig fühlen sich viele Schmidter nicht zur Stadt Nideggen. Umso wichtiger ist es, dass ein großer Entwicklungsschritt für den Ort getan und der Weg hin zu einem eigenen Bürgerhaus geebnet ist.
Bürgermeister Marco Schmunkamp präsentiert die große Freifläche neben dem Schmidter Feuerwehrhaus, wo das Bürgerhaus entstehen soll. 2028 soll das Projekt realisiert werden.

Bürgermeister Marco Schmunkamp präsentiert die große Freifläche neben dem Schmidter Feuerwehrhaus, wo das Bürgerhaus entstehen soll. 2028 soll das Projekt realisiert werden.

Bild: Thomas Förster

Schmidt (Fö). Erst stand das gesamte Projekt vor dem Aus, dann sorgten die Bürger für die Wende: Das geplante Bürgerhaus in Schmidt und die Neugestaltung der Ortsmitte können weiterverfolgt werden. Nach heftigen politischen Diskussionen und dem positiven Ratsbeschluss arbeitet die Stadt Nideggen daran, die Förderung für das deutlich abgespeckte Integrierte Handlungskonzept (InHK) zu sichern.

Ursprünglich umfasste das gemeinsam mit den Bürgern entwickelte Konzept 13 Maßnahmen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 14 Millionen Euro. Angesichts der angespannten Haushaltslage geriet das Vorhaben zunehmend unter Druck. Bürgermeister Marco Schmunkamp suchte deshalb das Gespräch mit dem zuständigen Ministerium und der Bezirksregierung, um eine weiterhin förderfähige Minimalvariante zu entwickeln.

Doch selbst die Reduzierung auf vier Maßnahmen fand im Stadtentwicklungsausschuss zunächst keine Mehrheit. Erst im Rat wendete sich das Blatt. Zahlreiche Schmidter hatten sich für das Projekt stark gemacht und ihren Unmut über das drohende Aus deutlich zum Ausdruck gebracht. »Die Bürger haben gezeigt, dass sie das wollen«, sagt Schmunkamp. Er sieht darin ein positives Signal für die Zukunft des Ortes. Zumal ein Abbruch nach seinen Angaben angesichts bereits investierter Planungskosten von rund 1,2 Millionen Euro finanziell ungünstiger gewesen wäre als die Fortsetzung der abgespeckten Variante.

Im Mittelpunkt steht weiterhin das Bürgerhaus als künftiger Treffpunkt für Vereine und das gesellschaftliche Leben. Hinzu kommt die Aufwertung des Kirchplatzes als zentraler Anlaufpunkt. Das ursprünglich zum Abriss vorgesehene Sparkassengebäude soll nun erhalten bleiben. Dadurch sinken die Kosten, allerdings muss die Dorfmitte etwas anders gestaltet werden.

Dritter Baustein ist eine verbesserte touristische Beschilderung, die Besucher zu Sehenswürdigkeiten, Freizeitangeboten und Parkmöglichkeiten führen soll. Dafür sind rund 7.500 Euro vorgesehen.

Außerdem ist ein Verfügungsfonds geplant, mit dem beispielsweise die Sanierung von Gebäudefassaden in der Ortsmitte unterstützt werden könnte. Die vier Maßnahmen sind nach Angaben Schmunkamps mit dem Ministerium und der Bezirksregierung abgestimmt. Entscheidend sei, dass nicht nur ein Bürgerhaus gebaut, sondern das Ortszentrum insgesamt gestärkt werde. Ein einzelnes Bürgerhaus wäre über die Städtebauförderung nicht finanzierbar.

Baubeginn für 2028 vorgesehen

Nach dem Ratsbeschluss hat die Verwaltung das Planungsbüro erneut beauftragt. Bis Ende Oktober soll der Fortsetzungsantrag mit den aktualisierten Kosten beim Fördergeber eingereicht werden. Zunächst muss die Reduzierung des Konzepts genehmigt werden. Im kommenden Jahr rechnet die Stadt dann mit einem neuen Zuwendungsbescheid.

Die Planung des Bürgerhauses wird unterdessen so weit vorangetrieben, dass die Baugenehmigung vorliegt. Mit der Umsetzung will die Stadt jedoch erst beginnen, wenn die Förderung verbindlich zugesagt ist. Läuft das Vergabevefahren rund, könnte 2028 könnte der Bau beginnen.

Bürger wollen selbst anpacken

Eine wichtige Rolle soll das ehrenamtliche Engagement spielen. Die Schmidter wollen beim Bau ihres Bürgerhauses selbst mithelfen und damit die Kosten reduzieren. Denkbar ist laut Schmunkamp, dass sich die Beteiligten in einer eigenen Gesellschaft organisieren und sich im Rahmen der Vergaberegeln um Bauleistungen bewerben.

Als Vorbild dient der Bau des Schmidter Kunstrasenplatzes, bei dem durch zahlreiche Eigenleistungen erhebliche Kosten eingespart wurden. Auch beim Bürgerhaus könnten freiwillige Arbeitsstunden helfen, das Budget einzuhalten oder die Ausstattung zu verbessern.

Die Bereitschaft dazu sei durch die politische Auseinandersetzung sogar gewachsen, berichtet der Bürgermeister. Eine Arbeitsgruppe aus Bürgern, Vereinen und Vertretern der Ratsfraktionen begleitet das Vorhaben bereits seit Jahren.

Auch Nideggen bleibt im Blick

Das InHK für Schmidt ist Teil einer langfristigen Stadtentwicklungsstrategie. Zuvor hatte die Stadt in allen Ortsteilen gemeinsam mit den Bürgern den jeweiligen Bedarf ermittelt.

Für die Städtebauförderung kamen zunächst Schmidt und Nideggen infrage. Die Wahl fiel auf Schmidt, weil in der Nideggener Innenstadt bereits rund fünf Millionen Euro aus dem Programm »Nationale Projekte des Städtebaus« unter anderem in die Stadtmauer und Wege investiert werden.

Nach Abschluss der Schmidter Maßnahmen soll auch für Nideggen ein entsprechender Masterplan weiterverfolgt werden. Trotz angespannter Finanzen hält Schmunkamp Investitionen in Straßen, Infrastruktur und Begegnungsstätten für unverzichtbar: »Wir können nicht nicht investieren.«