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Thomas Förster

Sechs Einfamilienhäuser pro Tag finanziert

Ein erfolgreiches Geschäftsjahr der Sparkasse Aachen wurde durch die Serie an brutalen Geldautomaten-Sprengungen wie hier in Roetgen getrübt.  Foto: Archiv

Ein erfolgreiches Geschäftsjahr der Sparkasse Aachen wurde durch die Serie an brutalen Geldautomaten-Sprengungen wie hier in Roetgen getrübt. Foto: Archiv

Bild: Polizei Aachen

Region (Fö). Starke Einlagenzuwächse, ein Rekordjahr im Kreditgeschäft, aber auch 7000 neue Privatgirokonten sind Indikatoren für die gute Kundenbindung der Sparkasse Aachen.

Darlehenszusagen über 2 Millarden Euro hat die Sparkasse Aachen im Geschäftsjahr 2022 getroffen. Dies ist ein Plus von 12 Prozent, was besonders der Kreditnachfrage von Unternehmen zu verdanken ist. »Der Lageraufbau spielt wieder eine Rolle, weil man sich gute Preise sichern will oder einfach nur froh ist, die Ware überhaupt bekommen zu haben. Das just-in-time-Verfahren ist derzeit zu unsicher«, weiß Vorstandsmitglied Thomas Salz.

Privatkunden haben vornehmlich Kredite für den Hausbau aufgenommen. »Wir finanzieren sechs Einfamilienhäuser pro Tag«, rechnet Salz die 712 Millionen Euro Privat-Darlehen um. Dafür, aber auch wegen der steigenden Zinsentwicklung wurden auch wieder mehr Bausparverträge mit der LBS geschlossen. 273 Millionen Euro bedeuten einen zuwachs von 108 Prozent.

So verwaltet die Sparkasse Aachen aktuell Kundenkredite von mehr als 10 Milliarden Euro.

Es gibt wieder

Zinsen auf Einlagen

Erfreulich nicht nur für die Sparkasse Aachen selbst, sondern auch für ihre Sparer ist, dass es wieder Zinsen auf Einlagen gibt. Die Verzinsung leigt derzeit zwischen 1,8 und 2,3 Prozent pro Jahr. So wurden 382 Euro Millionen Euro neu bei der Sparkasse angelegt - Einlagen und Wertpapiere umfassen derzeit mehr als 11 Milliarden Euro.

1,3 Millarden Euro werden von 2000 Kunden im sogenannten »Private Banking« verwaltet.

Bedeutsam für die Wirtschaftlichkeit des Handelns der fast 1700 Mitarbeiter ist die Cost-/Income-Ratio: Diese Quote beschreibt das Verhältnis zwischen Aufwand und Ertrag. Die Sparkasse Aachen wendet 57 Cent auf um einen Euro zu erwirtschaften. Andere große Banken müssen 70 oder über 80 Cent berappen.

Einen Wandel durchläuft seit Jahren die Filialstruktur der Sparkasse Aachen. Nach wie vor verfüge man über weit mehr Geschäftsstellen als jeder andere Wettbewerber. Und doch werden Standorte zusammen geschlossen und in modernen Geschäftsstellen zusammen gefasst. So auch Ende des Jahres, wenn der Neubau des Wohn- und Geschäftshauses im Imgenbroicher Gewerbegebiet fertig gestellt sein soll. »Der Service am Schalter wird stetig weniger nachgefragt, die persönliche Beratung ist aber weiterhin ein großes Pfund bei unseren Kunden«, versichert Vorstandsvorsitzender Norbert Laufs.

Bargeld ist

weiter gefragt

Auch die Zahl und Brutalität der Angriffe auf Geldautomaten haben das Kreditinstitut im letzten Jahr zum Handeln gezwungen. »Der Vorfall in Roetgen hat uns schon sehr erschüttert - da stand in einer ganz neuen Filiale keine Wand mehr«, erinnert sich Laufs. »Wir sind froh, dass niemand zu Schaden gekommen ist und haben weitere Maßnahmen ergriffen.« 34 Geldautomaten wurden vom Netz genommen - an 90 Standorten in der ganzen Städteregion gibt es weiterhin Bargeld - meist zwischen 5 und 23 Uhr, in Höfen, Kalterherberg oder Strauch jedoch nur während der Service-Zeiten der Geschäftsstelle. Zudem touren zwei mobile Filialen durch die Region und das Netz an SB-Pavillons, wie er bereits seit zwei Jahren am Obersee in Einruhr steht, soll ausgeweitet werden. Auch wenn immer mehr bargeldlos bezahlt werde, wurde gleichzeitig mehr Bargeld ausgegeben, weiß die Sparkasse.

»Dass wir tatsächlich nachts die Automaten leeren haben augenscheinlich und hoffentlich dauerhaft die Täter von ihrem Handeln abgebracht«, so Thomas Salz. »Besser wäre natürlich, ihnen würde das Handwerk gelegt.«

811 Vollzeibeschäftigte, 734 Teilzeitkräfte und 132 Auszubildende zählte die Sparkjasse Aachen Ende des Jahres. Das sind 73 Personen weniger, die durch Digitalisierung und Prozessoptimierung eingespart werden konnten. »Wir haben keine Kündigung aussprechen müssen, sondern die Abgänge sind Ergebnis der üblichen Fluktiation«, unterstreicht Laufs. Zum kommenden Sommer sucht man 50 neue Auszubildende - fünf junge Menschen für ein duales Studium.

Die eingeleitete Zinswende und ein hervorragendes Kundengeschäft sind die Grundlage eines sehr positiven Geschäftsergebnisses der Sparkasse Aachen. Die Serie von Geldautomaten-Sprengungen haben aber auch sorgenvolle Blicke erzeugt.


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