Verleihung des Kunstpreises an Jürgen Klauke
Monschau. Jürgen Klauke zählt zu den wichtigsten deutschen Foto-, Medien- und Performancekünstlern. Im Bereich der Body Art und der inszenierten Fotografie hat er Wegweisendes geleistet. Für seine besonderen Verdienste erhält er am Sonntag, 8. November, um 12 Uhr in Monschau den diesjährigen Kunstpreis des Fotografie-Forums der StädteRegion Aachen. Bis zum 20. Dezember zeigt eine begleitende Ausstellung zudem die Bandbreite seines fotografischen Schaffens. In diesem Jahr vergibt das Fotografie-Forum zum dritten Mal den Kunstpreis für Fotografie. Einmal mehr geht er an einen international renommierten Künstler, der das Medium der Fotografie entscheidend beeinflusst hat. Nach dem Grußwort von Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier und der Laudatio der Kuratorin, Dr. Nina Mika-Helfmeier, können Interessierte bei einem Gespräch zwischen Jürgen Klauke und Prof. Dr. Stephan Berg (ehem. Intendant des Kunstmuseums Bonn und Kurator) mehr über das beeindruckende Werk des Künstlers erfahren.
»Jürgen Klauke hat die deutsche Kunstwelt nachhaltig geprägt. Bereits seit den frühen 1970er-Jahren, einer Zeit, in der die Kunst- und Theoriediskurse noch nicht von Körperkunst und Gender Studies bestimmt waren, untersuchte er die von unserer Kultur vorgeprägten sexuellen Grund- und Verhaltensmuster«, fasst die Leiterin des Fotografie-Forums und Kuratorin der Ausstellung, Dr. Nina Mika-Helfmeier, zusammen.
Jürgen Klauke schaut auf eine lange Karriere zurück. 1943 in Kliding bei Cochem geboren, studierte er 1964 bis 1970 freie Grafik an der Kölner Fachhochschule für Kunst und Design und erhielt dort direkt im Anschluss einen Lehrauftrag bis 1975. Bereits 1973 gewährte ihm das Rheinische Landesmuseum in Bonn eine erste Einzelausstellung.
Für die Realisierung seiner künstlerischen Visionen setzt Jürgen Klauke zumeist den eigenen Körper ein, so wie in den Schlüsselwerken aus der Reihe „Transformer“, die Anfang der 1970er-Jahre entstanden. Mit seinem Körper als Bildmaterial schuf er inszenierte Fotografien, die weit über das Selbstporträt hinausgehen und als wegweisender Meilenstein der Body Art und der früheren konzeptionellen Fotografie gelten. In seinem Werk widmete er sich in den 70er Jahren auch dem Spiel mit den Geschlechtern.
Mit Beginn der 1980er Jahre wandte sich der Künstler grundlegenden Fragen des menschlichen Daseins zu, die das Individuum mit all seinen Unzulänglichkeiten und Abgründen in den Fokus stellen. Mit seinen komplexen Werken zu den Grundfragen menschlicher Existenz setzt Jürgen Klauke Maßstäbe in der Kunst. Leben, Tod und Sexualität bilden eine zentrale thematische Konstellation in seinem Werk. Die seit 2019 entwickelte fotografische Serie Bodysounds, die im Fotografie-Forum erstmals in diesem Kontext präsentiert wird, greift diese wiederkehrenden Motive auf und überführt sie in eine neue Bildsprache. Damit setzt Klauke seine Auseinandersetzung mit den Bedingungen menschlichen Daseins, dessen existenziellen Herausforderungen und Abgründen fort.
Ein besonderes Highlight der Ausstellung ist ein Konvolut aus Polaroids, die fünf Jahrzehnte nach ihrer Entstehung zum ersten Mal im musealen Rahmen ausgestellt werden. Die seit den 1960er-Jahren entstandenen Aufnahmen waren zunächst als fotografische Testreihen gedacht. In ihnen zeigen sich Klaukes Pioniergeist und seine künstlerische Herangehensweise, die immer wieder die Grenzen des fotografischen Mediums austestet. Die Polaroids eröffnen ungeahnte Einblicke in die Arbeitsweise des Künstlers.
Der Kunstpreis wird alle zwei Jahre in Kooperation des Fördervereins des Fotografie-Forums und der StädteRegion Aachen vergeben. Er ist mit 10.000 Euro dotiert und zeichnet Fotografen aus, die ein besonderes Lebenswerk aufweisen und einen wichtigen Beitrag zur Etablierung der Fotografie als neuer Kunstform geleistet haben bzw. leisten. Zu den Preisträgern zählen Barbara Klemm und Helga Paris (posthum).

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