

Kalterherberg. Im Frühjahr 1852 verlassen Johann Alt und seine Ehefrau Magdalena, geb. Conrads, mit ihrem kleinen Sohn Johannes Kalterherberg, um sich aus dem ärmlichen Leben in der Eifel auf den beschwerlichen Weg in das ferne Amerika aufzumachen. In der neuen Welt wollten sie wie viele Familien aus der Eifel im Bundesstaat Wisconsin im später gegründeten Ort Kieler einen Neuanfang wagen. Trotz der Mitte des 19. Jahrhunderts bereits verbesserten Reisebedingungen war es eine strapaziöse Reise auf der Johannes verstarb.
Brenda Kunkel, eine Ururenkelin von Johann und Magdalena Alt, hatte die Reise in das Heimatdorf ihrer Ururgroßeltern anlässlich ihres 60.Geburtstag geplant und hierzu Kontakt mit dem Heimatverein Kalterherberg aufgenommen. Im September hat sie mit ihrer Partnerin, zwei Brüdern, einer Schwägerin, einer Nichte und zwei Neffen nun Kalterherberg besucht, um den Heimatort ihrer Vorfahren und mögliche Nachfahren kennenzulernen.
Der Heimatverein war vor einigen Jahren in den Besitz einer Chronik über die Emigration der Familie Johannes Alt und seiner Ehefrau Magdalena gelangt. Er war jedoch nicht mit der Frage weiter gekommen, ob es unter den seinerzeit zahlreichen Dorfbewohnern mit dem Namen Alt auch heute noch direkte Verwandte der Auswandererfamilie Alt gibt. Anlässlich des anstehenden Besuchs hat der Heimatverein anhand bisher nicht bekannter Unterlagen in Kalterherberg nunmehr noch lebende Nachfahren der Familie Alt-Conrads ermitteln können.
Im Rahmen eines kleinen Besuchsprogramms wurden die amerikanischen Gäste im Rathaus der Stadt Monschau durch die Bürgermeisterin, Frau Dr. Carmen Krämer, und den Ortsvorsteher, Herrn Bernd Jakobs, herzlich begrüßt Nach einem Altstadtbesuch erfolgte in Kalterherberg zunächst ein kleiner Dorfrundgang (Pfarrkirche, Denkmal des »Apostel des Venns« Stephan Horrichem, Friedhof - Gedenkstätten, alte Schulen, Ausblick auf das Hohe Venn) mit entsprechenden Erläuterungen durch Mitglieder des Heimatvereins.
Im Raum des Heimatvereins in der ehemaligen Grundschule kamen dann die Gäste und die Kalterherberger Nachfahren der Familie Alt-Conrads bei einem Imbiss ins Gespräch. Die Freude war groß, als sich die amerikanischen und die Kalterherberger Verwandten der Familie Alt-Conrads nach so langer Zeit in die Arme schließen konnten.
Anschließend vermittelten die engagierten Mitglieder des Heimatvereins den amerikanischen Gästen im Rahmen einer Autofahrt durch Kalterherberg ein Bild vom Wohnen und von den Lebensbedingungen der Menschen in einem Eifeldorf im 19.Jahrhundert. Und sie zeigten die Orte, an denen der Familie Alt-Conrads gelebt hat und zuletzt auch die Straße in Kalterherberg, an der höchstwahrscheinlich die Verabschiedung der Familie seinerzeit erfolgt ist. Den Abschluss des Tages bildete eine Präsentation zur Erläuterung der Verwandtschaftsverhältnisse und alte Dorfansichten aus dem Archiv des Heimatvereins.
Der Heimatverein Kalterherberg zieht ein positives Fazit aus dem Besuch der amerikanischen Familie im Heimatort der ausgewanderten Familie Alt-Conrads. Bereits am Vorabend bei der Begrüßung spürte man eine Nähe zu bisher unbekannten Menschen aus Wisconsin, der neuen Heimat der Familie Alt-Conrads. Emotionaler Höhepunkt war der Ort der Verabschiedung, die Familie verabschiedete sich nach mündlicher Überlieferung mit den Worten »Auf Wiedersehen, in diesem Leben werden wir uns nicht mehr sehen«.

