Thomas Förster

Warzenbeißer ist das Insekt des Jahres 2026

Nationalpark Eifel schützt wichtige Population
Auf der Dreiborner Hochfläche im Nationalpark Eifel fühlt sich der Warzenbeißer noch wohl. Dort lebt die größte Population in NRW.

Auf der Dreiborner Hochfläche im Nationalpark Eifel fühlt sich der Warzenbeißer noch wohl. Dort lebt die größte Population in NRW.

Bild: Nationalparkverwaltung Eifel/S. Twietmeyer

Nationalpark Eifel. Eine bullige Heuschrecke mit merkwürdigem Namen steht im Jahr 2026 exemplarisch für die bedrohte Insektenvielfalt in halbtrockenen Wiesen: Die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung in Frankfurt am Main hat den Warzenbeißer (Decticus verrucivorus) zum „Insekt des Jahres 2026“ in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgerufen. In Nordrhein-Westfalen ist diese Art vom Aussterben bedroht und steht auf der Roten Liste. Der Nationalpark Eifel beherbergt die wohl größte Population im gesamten Bundesland und den angrenzenden Beneluxstaaten. 2023 haben Forschende der Nationalparkverwaltung auf der Dreiborner Hochfläche knapp 500 Individuen erfasst.

Seinen außergewöhnlichen Namen verdankt das Tier einem alten Volksglauben: Da die Heuschrecke kräftig zubeißen kann und dabei einen scharfen, verdauungsfördernden Saft abgibt, dachte man früher, sie könne Warzen heilen. Ein weiteres markantes Merkmal der bis zu vier Zentimeter großen Schrecke ist der charakteristische Gesang des Männchens, der aus kurzen, zirpenden „Zick-Lauten“ besteht. Mit seinem robusten Körper, den langen Fühlern und einem auffälligen, würfelförmigen Muster auf den Vorderflügeln ist das Insekt gut zu erkennen.

Mit ein bisschen Glück lässt sich der Warzenbeißer auch noch im späten Sommer im Nationalpark Eifel beobachten und hören, wo er auf weiten Teilen der Dreiborner Hochfläche heimisch ist. Diese rund 1.400 Hektar große Offenlandfläche ist aus dem Ende 2005 aufgegebenen, ehemaligen Truppenübungsplatz Vogelsang hervorgegangen. Als Folge des jahrzehntelangen militärischen Übungsbetriebs durch das belgische Militär entstand ein zerschneidungs- und siedlungsarmer Raum. In Verbindung mit den umgebenden Waldgebieten hat sich das Areal zu einem wertvollen Rückzugsort für zahlreiche seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenarten entwickelt.

Während im Nationalpark Eifel auf einem Großteil der Fläche die ungestörte Naturdynamik geschützt wird, würde der Warzenbeißer genau dadurch seinen Lebensraum verlieren. Denn ohne Pflege würden die Flächen verfilzen und zuwachsen. In anderen Bereichen – wie der Dreiborner Hochfläche – lebt die Heuschrecke jedoch in einer geschützten Managementzone. Etwa die Hälfte der dortigen Offenlandbereiche wird dauerhaft als solche erhalten. Über Verträge mit örtlichen Landwirten und Schäfern werden die Flächen gezielt gepflegt. Eine extensive Grünlandnutzung durch Beweidung oder eine einmalige Mahd im Jahr ist ideal zum Erhalt seiner Lebensräume.