Thomas Förster

Stiftung macht sich wie Franziskus auf den Weg

Vossenack. Der Schockstarre ist Aufarbeitung der Vergangenheit, aber auch ein Blick nach vorne gewichen: Die Missbrauchsstudie hat vieles bewegt am Franziskusweg in Vossenack. Und doch hatte die Franziskus-Stiftung schon zuvor Veränderungen eingeleitet, die die Zukunftsfähigkeit des Standortes sichern sollen.
Der Heilige Franz von Assisi zähmte einst einen Wolf und brachte ihn mit den Menschen zusammen- Pater Laurentius hat das in dieser Skulptur am Vossenacker Franziskusweg dargestellt. Auch die Aufarbeitung der Missbrauchsstudie lebt von Anklage, Verständnis und Begleitung.

Der Heilige Franz von Assisi zähmte einst einen Wolf und brachte ihn mit den Menschen zusammen- Pater Laurentius hat das in dieser Skulptur am Vossenacker Franziskusweg dargestellt. Auch die Aufarbeitung der Missbrauchsstudie lebt von Anklage, Verständnis und Begleitung.

Bild: Thomas Förster

Vossenack (Fö). »Die Zukunft des Franziskanerklosters ist ungewiss, das ehemalige Internat hat eine gute Folgenutzung erfahren und unser Gymnasium ist in keinster Weise gefährdet. Alles Fakten, die nichts mit der Studie und ihren ungeheuerlichen Erkenntnissen zu tun haben.« Alexander Fischer, seit drei Jahren Geschäftsführer der Franziskus-Stiftung, hat eine Menge zu tun: Er muss den Betrieb wirtschaftlich solide aufstellen und sich zugleich dem Schatten der Vergangenheit stellen.

»Die Puppenspieler haben etwa 1000 Quadratmeter im Bereich von Franziskus International genutzt, was für uns Kosten von 20.000 Euro pro Jahr verursacht hat. Das kann ich nicht dauerhaft wirtschaftlich darstellen«, stellt Fischer klar. Diese Entscheidung ist bereits vor einigen Monaten gefällt worden und stehe nicht im Zusammenhang mit dem Weggang eines Franziskaners vom Standort Vossenack. Die Räume des Kloster-Kultur-Kellers im Kloster waren von der Kündigung nicht betroffen. Es sei jedoch die Entscheidung der Kulturschaffenden gewesen, dort nicht mehr aktiv sein zu wollen. »Wir bedauern, dass die Puppenspieler Vossenack verlassen haben, denn sie haben über Jahrzehnte wertvolle kulturelle Arbeit geleistet«, unterstreicht er.

Kultur bleibe Stiftungszweck und solle künftig noch breiter, bunter und mit neuen Partnern wie Lit.Eifel, HöhenArt oder auch Schauspielgruppen und Kleinkunst in der Region gestaltet werden. Auch die Kunstausstellung von Pater Laurentius bleibe erhalten. »Es braucht eine neue Struktur - dafür haben wir schon engagierte Ehrenamtler, sind aber um jeden weiteren Mitstreiter dankbar«, erklärt Alexander Fischer.

Auch die Küche, die die Mensa des Gymnasiums und andere Schulen mit Essen versorgt hat, stellt ihren Betrieb ein: Da ein wesentlicher Auftraggeber im Februar zu einem anderen Anbieter gewechselt ist, entfällt rund die Hälfte des bisherigen Umsatzes, sodass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich ist«, stellt Fischer fest. Für das Gymnasium werde man sich nach einem neuen Anbieter umsehen.

Das Kloster wird nur noch von drei Franziskanern bewohnt - 50.000 Euro gibt es vom Orden für die Nutzung der Räume und der Kirche. »Auch hier gibt es Ideen, sollte das Kloster einmal leer stehen. Wir sind ein spiritueller Ort mit viel Natur und Ruhe ringsum - das ließe sich vieles gestalten«, schaut Fischer in die Zukunft.

Verantwortung der Schulgemeinschaft

Das Franziskus-Gymnasium selbst erfreut sich solider Schülerzahlen. »Das freut uns und ist Ergebnis der guten Arbeit, die unsere Schulleitung und das Lehrerteam leisten«, zollt Fischer den Pädagogen seinen Respekt, stellt aber auch klar: »Es ist als Träger einer Ersatzschule unser Auftrag, sechs Prozent des Etats aus eigenen Mitteln aufzubringen. Das bedeutet für uns jährlich 500.000 Euro.« Über Spenden und Förderbeiträge sei etwa die Hälfte der Summe gesichert - für den Rest setzt Fischer auf eine transparente und solidarische Lösung aller Beteiligten. Ein Grund mehr, dass man Strukturen hinterfragen müsse, auch wenn es weh tue.

Austausch zur Missbrauchsstudie

Kaum ein Tag vergeht, an dem Alexander Fischer nicht mit Betroffenen, Angehörigen oder ehemaligen Schulkameraden über die Missbrauchsstudie und deren Aufarbeitung spricht.

Zu einem Austauschtreffen unter dem Leitgedanken »Verstehen, verantwortung übernehmen, Wege finden« wird am Mittwoch, 29. April, um 19 Uhr in die Aula des Franziskus-Gymnasiums geladen.

Jeder soll seinen Raum bekommen mit seinen ganz persönlichen Erfahrungen, Erinnerungen - der Aufarbeitung der schlimmen Geschehnisse, aber auch Raum für positive Erlebnisse und dem Gemeinschaftsgefühl, das viel erfahren haben und das noch heute das FGV ausmache.

www.franziskus-stiftung.de