Gute Entwicklung von Corona verhagelt

Jobcenter hat mit Auswirkungen der Pandemie zu kämpfen

Altkreis Monschau. Stetig mehr sozialversichungspflichtig Beschäftigte und nur eine vierprozentige Hilfsquote: Das sind die positiven Zahlen des Jobcenters in der Eifel - vor der Corona-Pandemie.

Viele Neuansiedlungen, Erweiterungen von Betrieben und der Mut vieler Kleinstunternehmer, sich selbstständig zu machen: Das sind Faktoren, die den Arbeitsmarkt in der Eifel beleben. »Und die uns richtig gut tun bei der Integration von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten«, versichert Jürgen Crombach, der die Geschäftsstelle Eifel des Jobcenters Städteregion Aachen in Simmerath leitet.

9000 Jobs in der Eifel

202 Menschen und damit 28,4 Prozent der Durchschnittszahl an Leistungsbeziehern im Jobcenter konnten 2019 in Arbeit gebracht werden.  Knapp 9000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen gibt es in den drei Nordeifel-Kommunen - eine Steigerung um rund 2,5 Prozent zu 2018.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich bei etwa 125 Menschen eingendelt. »Diese sind auch sehr schwer zu integrieren - besonders gesundheitliche Probleme machen das Arbeiten schier unmöglich«, so Crombach.
Viele geflüchtete Menschen gehören zu den Leistungsbeziehern in der Region. »Weil hier der Zuzug gegenüber anderen Kommunen verspätet eingetreten ist«, weiß Crombach. Die Eifel besitze Wohnraum und einen robusten Arbeitsmarkt. »Diese Menschen bieten ein großes Potenzial«, weiß der Geschäftsstellen-Leiter.

Leistungsanträge vereinfacht

Doch dann brach die Corona-Pandemie aus und mit ihr der Arbeitsmarkt ein. »4546 Unternehmen mit über 50000 Mitarbeitern hatten Ende April Kurzarbeit angemeldet«, weiß Stefan Graaf, Geschäftsführer des Jobcenters StädteRegion Aachen. Gerade die Gastronomie und Tourismus-Betriebe, aber auch Friseure oder medizinische Berufe seien betroffen. »Uns haben viele Menschen kontaktiert, die nun vom Kurzarbeitergeld nicht leben können«, weiß Jürgen Crombach. Auf Distanz, aber schnell und recht unbürokratisch, haben er und sein Team helfen können. Anträge wurde vereinfacht, verwertbares Vermögen bis zu 150.000 Euro bei einer vierköpfigen Familie nicht angerechnet und in den nächsten Tagen wird auch ein Bedarfsrechner online freigeschaltet. »Die Leistungsbezieher bringen viel Verständnis mit, es gibt kaum Beschwerden«, lobt Crombach. Der persönliche Kontakt sei zwar oft wichtig und man werde besonders Familien und »Neukunden« zum Gespräch ins Jobcenter einladen. Der digitale Schub, den die Corona-Krise erforderte, habe aber dem Jobcenter gut getan.

So haben sich in den letzten Wochen die Anträge auf Leistungen des Jobcenters verdoppelt - auch Selbstständige können sich melden, wenn die Soforthilfe für ihr Unternehmen nicht ausreicht.
»Wir haben großes Vertrauen in die soziale Verantwortung der Arbeitgeber und den Arbeitswillen der Eifeler«, versichert Jürgen Crombach. Und so hofft man, dass es nach der Krise auch schnell wieder bergauf geht.

1093 Menschen brauchen Hartz IV

1093 Personen sind auf Leistungen des Jobcenters in der Eifel angewiesen - 300 Singles, 90 Alleinerziehende mit ihren Kindern und rund 150 Familien.

Das sind 4 % Hilfsquote - also Anteil Bedürftiger an allen Eifelern zwischen 0 und 66 Jahren.
170 Arbeitslosengeld-II-Empfänger verdienen zu wenig, um damit über die Runden zu kommen - sind also sogenannte »Aufstocker«.
5,22 Millionen Euro hat das Jobcenter in der Eifel 2019 in Leistungen für Unterkunft, Heizung und Lebensunterhalt investiert - 5% mehr als 2018.

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