Mehr Umsatz, aber Kapazitäten sind erschöpft

Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Aachen

Altkreis Monschau. »Das Handwerk lässt sich nicht unterkriegen: Hochwasser-Opfer berappeln sich und mit Hygieneregeln haben wir leben gelernt. Lieferengpässe und fehlende Fachkräfte bremsen jedoch.«

»Positive wirtschaftliche Perspektiven haben einen ordentlichen Drive im Handwerk ausgelöst. Allerdings kann es derzeit leider seine volle Kraft nicht auf den Boden bringen, weil Liefer- und Materialengpässe, fehlende Fachkräfte in vielen Gewerken und die Corona-Hygieneregeln bei Friseuren und Kosmetikern diesen Schwung bremsen«, beschreibt Peter Deckers, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Aachen, die Ergebnisse der Herbstumfrage der Kammer bei ihren Mitgliedsbetrieben. „Die vom Hochwasser betroffenen Betriebe kämpfen sich schrittweise in den Markt zurück. Sie erhalten vielfach Hilfestellung von Betrieben aus dem gleichen Gewerk. Die Solidarität ist vorbildlich«, unterstreicht Deckers.

Aktuell bewerten 61 Prozent ihre Geschäftslage mit »gut« und lediglich 8 Prozent mit »schlecht«. Der hohe Anteil von 92 Prozent positiver Bewertungen (Geschäftslage gut oder befriedigend) unterstreicht den Optimismus. Der Indikator ist seit dem Herbst 2020 um 15 Prozentpunkte gestiegen. Für das Winterhalbjahr rechnen 23 Prozent mit besseren und lediglich 12 Prozent mit schlechteren Geschäften; 65 Prozent erwarten Stabilität. »Das Corona-Tal liegt hinter uns, die Fundamentaldaten sehen ganz gut aus«, so Deckers.

Kfz ist Schlusslicht der Zufriedenen

Ein Blick in die Gewerbegruppen ist interessant: Das Baugewerbe ist mit der Geschäftslage vollends zufrieden, hat teilweise zusätzliche Beschäftigte einstellen und den Umsatz steigern können. Das Kfz-Gewerbe hingegen ist bei der Bewertung der Geschäftslage Schlusslicht. Die Verlierer der »Corona«-Krise wie Nahrungsmittelgewerbe, Gesundheitsbranche und personenbezogene Dienstleistungen (z.B. Friseure und Kosmetiker) scheinen das Tal durchschritten zu haben.

So konnte der Umsatz der Handwerker im Kammerbezirk (Städteregion Aachen, Kreise Düren, Euskirchen und Heinsberg) um 1,14 Prozent auf 8,9 Milliarden Euro gesteigert werden - die Zahl der Beschäftigten hingegen ging um 0,8 Prozent auf 91500 Mitarbeiter zurück.

Auch vom Ausbildungsmarkt wird Positives vermeldet. Aktuell 2100 Lehverträge sind ein Plus von 7 Prozent zum Vorjahr und nur 20 Lehrrollen weniger als im Jahr 2019. »Die Betriebe bilden weiter gerne aus«, weiß Deckers. Ein vom Hochwasser betroffener 70-jähriger Handwerksmeister baue seinen Betrieb eigens wieder auf, um den drei Auszubildenden eine Perspektive zu bieten. Am Simmerather BGZ musste ein Zelt für die Auszubildenden im Straßenbau aufgebaut werde, um die Nachfrage zu decken, auch konnte endlich wieder eine Meisterschule für die »rückvermeisterten« Fliesenleger eingerichtet werden.

Handwerker für Gästehaus gesucht

»Für unser Gästehaus sind wir um jedes Angebot von Handwerksbetrieben dankbar, denn auch wir als Kammer merken, dass die 17000 Betriebe in der Region alle Hände voll zu tun haben«, weiß Peter Deckers.
Mit Blick auf die Regierungsbildung in Berlin fordert die Handwerkskammer Aachen einen stärkeren Fokus auf die duale Berufsausbildung. »Unis haben in den letzten 20 Jahren Milliarden bekommen, da muss für uns nachgebessert werden«, so Deckers. Auch sei eine Akademiker-Ausbildung kostenlos, während ein Meisteranwärter hohe Kosten zu tragen habe. »Und der geplante Mindestlohn ist für unsere Betriebe sicher nicht unüberwindbar, aber wir fordern doch eine Rückkehr zur Tarifautonomie«, so Nicole Tomy, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer Aachen.

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