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Biker als »stille Reiter« durch die Eifel

Nationalparkkommunen fordern Vorgehen gegen Raser und Heizer

Simmerath. »Wir wollen die Biker nicht unter Generalverdacht stellen. Aber der Lärm und die Gefahr, die durch Raser und Heizer ausgehen, sind nicht länger hinnehmbar.« Sieben Eifelkommunen haben die Initiative »Silent Rider« ins Leben gerufen und suchen bundesweit nach Mitstreitern, um Motorradlärm ein Ende zu bereiten.

»Die Eifel ist eine touristische Region, die alle Gäste willkommen heißt, gerade auch Motorradfahrer«, stellt Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns heraus. Ausgenommen seien jedoch die Raser und Heizer, die mit überhöhter Geschwindigkeit und ohrenbetäubendem Lärm die Straßen unsicher machten. Mit dieser Ansicht steht Hermanns nicht allein - auch die Bürgermeister aus Bad Münstereifel, Heimbach, Hürtgenwald, Nettersheim, Nideggen und Schleiden stehen hinter der neuen Kampagne »Silent Rider - Die Initiative gegen Motorradlärm«.

»Wir wollen die Motorradfahrer sensibilisieren, welcher Belastung Anwohner, aber auch  Gäste und andere Verkehrsteilnehmer durch ihr Verhalten ausgesetzt sind«, erklärt Heimbachs Bürgermeister Peter Cremer. Etwa 350.000 Motorradfahrer hat der Förderverein Nationalpark Eifel an einem langen Wochenende in der kurvenreichen »Eifelregion« gezählt. Vier Prozent von ihnen seien zu schnell oder zu laut unterwegs. »Die breite Masse verhält sich also regelkonform, den schwarzen Schafen gilt es den Garaus zu machen«, so Detlef Wurst vom Förderverein Nationalpark Eifel.

Rund 50 Vertreter aus ganz Deutschland waren zum Start der Kampagne nach Düren gekommen. 20 Kommunen aus bei Motorradfahrern beliebten Regionen wie dem Bergischen oder Sauerland, der Rhön, dem Oden- oder gar Schwarzwald haben ihre Unterstützung zugesichert und sind auch bereit, für eine bundesweite Medienkampagne Geld in die Hand zu nehmen. Auch die Polizeibehörden in Aachen, Düren und Euskirchen sowie der Bundesverband der Motorradfahrer stehen hinter der Kampagne der sieben Eifelkommunen. Bis zu den Sommerferien sollen weitere Mitstreiter gefunden werden.

Verbalattacken zwischen Bikern und Bürgern

Von Rivalität zwischen Bürgern und Bikern weiß Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch zu berichten. Einschüchterungsversuche seien keine Ausnahme mehr. Und Ingo Pfennings, Bürgermeister der Stadt Schleiden, ergänzt, dass die persönliche Freiheit dort ende, wo sie den Mitmenschen beeinträchtige. An Erholung, die viele Gäste, aber auch Einheimische in der Eifel suchen, sei vielerorts nicht zu denken«, weiß Wilfried Pracht, Bürgermeister von Nettersheim.

Der Forderungskatalog richtet sich an Gesetzgeber auf Landes- und Bundeseben sowie der EU: Motorräder müssen wesentlich leiser und die Anforderungen an Beschaffenheit und Betrieb der Krads neu definiert werden. Die EU müsse ihre Grenzwerte für Lärm verschärfen. Die Strafen für Manipulationen am Auspuff und Luftfilter sollen verschärft und die Prüfung der tatsächlichen Geräuschentwicklung durch die Polizei vor Ort vereinfacht werden. Frontkennzeichen oder Helmkennung sollten die Anonymisierung der Motorradfahrer auflösen. Auch die Einführung einer Halterhaftung könnte die »schwarzen Schafe« unter den Bikern  zum Umdenken bewegen, hoffen die Bürgermeister.

Eine Werbekampagne soll noch im Sommer starten, um bundesweit Aufmerksamkeit zu erlangen. »Wir müssen den Druck auf die Gesetzgeber erhöhen und uns mehr Gehör verschaffen, um die Motorradfahrer zu mehr Rücksichtnahme zu bewegen«, so Hermanns. Dann freue man sich auch über jeden Biker, der auf den Eifelstraßen unterwegs sei...

Maßnahmen mit mäßigem Erfolg

Seit einigen Jahren schon kämpft die Eifel gegen Raser und Heizer: Erreicht wurde bislang wenig.
So wurden Geräuschdisplays am Kermeter (L 249) sowie auf der B 266 zwischen Einruhr und Kesternich errichtet, die zu laute Kradfahrer auffordern, etwas weniger am Gashebel zu drehen.
Auf der L166 zwischen Kesternich und Rurberg wurden Rüttelstreifen auf der Straße aufgebracht.  Diese sollen die Geschwindigkeit drosseln. Der Erfolg ist zweifelhaft.
Straßensperrungen wie die auf der L 128 zwischen Steckenborn und Woffelsbach wurden wegen Unfallhäufung und nicht wegen Lärm durchgesetzt.

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Kommentar von Thomas
@ rudi rüpel

Das wäre wirklich toll und sinnvoll!!!!!
Letzteres ist natürlich quatsch!
Kommentar von rudi rüpel
Bürger!

Morgen werden sämtliche Motorräder verboten!
Übermorgen alle Laubbläser und Rasenmäher!
Und nächsten Monat werden Blähungen unter Strafe gestellt!
gez. rudi rüpel

Kommentar von Marcus Günther
Auch hier in Ripsdorf ist es besonders an den Wochenenden oder Feiertagen bei schönem Wetter teils unerträglich. Viele nutzen die kleine Strecke zwischen ****** und ******* durch das Naturschutzgebiet um die durch die schöne Natur zu fahren. Teils große Gruppen, welche zu irgendeinem Event fahren. Auch Niederländer und Belgier. Ich hatte Tage, da sind über 300 Motorräder an meinem Haus vorbei gefahren. Viele viel zu laut. Gerade wenn man am Wochenende frei hat und die Ruhe auf dem Land genießen möchte, wird dies gerade bei schönem Wetter komplett zerstört.
Wenn ab und zu mal eine Maschine vorbei fährt, ist das kein Problem. Aber wenn es im halbminuten Takt ist, dann schon.

Das liegt auch daran, dass diverse Motorradzeitschriften gerade solche Strecken als "besonders schöne Strecke" hervorheben.
Dem einzelnen Fahrer kann ich keinen Vorwurf machen. Er sieht sich ja nur sich oder seine Gruppe selber. Er denkt nicht darüber nach, dass er nur einer von 300 ist.

Mann müsste einen Mittelweg finden....
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