In memoriam Jürgen Bungert

Ein Unternehmer mit Weitblick

Wittlich. Nach langer Krankheit ist der Wittlicher Unternehmer Jürgen Bungert am 7. September im Alter von 77 Jahren verstorben.

Von Nachhaltigkeit sprach 1988 noch niemand: Jürgen Bungert allerdings schaffte in diesem Jahr bereits die Kunststofftüten in seinem Unternehmen ab. Der Kunde trägt die bei Bungert gekaufte Ware seitdem in Papier-Tragetaschen nach Hause. Eine Momentaufnahme, die aber viel über den Wittlicher Unternehmer aussagt: Er war lieber Vorreiter, als Entwicklungen hinterher zu laufen. Am 7. September ist er im Alter von 77 Jahren nach langer Krankheit verstorben.

Unternehmensstart im eigenen Wohnhaus

Bereits 2014 hatte er sich aus dem Unternehmen komplett zurückgezogen und die Verantwortung in die Hände seiner Söhne Winfried und Matthias übergeben, die es heute als geschäftsführende Gesellschafter gemeinsam leiten. Schon früh war Jürgen Bungert, als ältester Sohn, in das Geschäft seiner Eltern eingebunden. 1950 starteten Magdalena und Karl Bungert in einem 22 Quadratmeter großen Raum in ihrem Wohnhaus mit einem Lebensmittelgeschäft in die Selbstständigkeit. Sohn Jürgen erlebte die Gründung hautnah mit und war von klein auf Teil der späteren Erfolgsgeschichte.

Nach dem Jurastudium ins Einkaufszentrum

Nach der Schule, am Wochenende und in den Ferien half er den Eltern. Das setzte sich auch beim Jura-Studium, 1974 nach dem Referendariat als Volljurist abgeschlossen, fort. In den Semesterferien zählten für ihn noch Fahrten frühmorgens über die Landstraße zum Großmarkt in Saarbrücken zur Normalität. Denn: Bei Bungert setzte man schon damals auf frische Erzeugnisse bei Obst und Gemüse. Nach dem Examen stieg Jürgen Bungert vollumfänglich ins elterliche Unternehmen ein und konnte als Inhaber ab 1984 seine Idee, ein regionales Einkaufszentrum zu etablieren, erfolgreich umsetzen.

Vorreiter in Sachen Qualität und Regionalität

Der Unternehmer beschloss sehr früh, nicht den Weg des Discount-Geschäfts zu gehen, sondern sich für Qualität und Regionalität – auch damit war er Vorreiter – zu entscheiden. Es entstanden die hauseigene Fachmetzgerei, der Gastronomie- und Cateringbereich. Mit dem Bungert-Oktoberfest, das erstmals 1990 auf dem Parkplatz des Shopping-Centers stattfand, legte er den Grundstein für ein außergewöhnliches Event, das seit über 30 Jahren zu den größten seiner Art in Rheinland-Pfalz zählt.

Um den Kunden eine breitere Angebotspalette unter einem Dach zu bieten, erweiterte man seit 1989 stetig das Sortiment und setzte auch bei Textilien für Damen, Herren und Kinder, Haushaltswaren, Schuhen, Lederwaren, Accessoires, Spielwaren und Sportartikel auf mehr Qualität und hochwertige Marken. Gleichzeitig trennte man sich von Sortimenten wie Radio und TV, Garten und Baumarkt, weil sich die Entwicklung von starken Spezialmärkten für diese Bereiche immer deutlicher abzeichnete. Zeitgleich jedoch erneut ein Beweis für das frühe Erkennen aufkommender Trends: Bereits 1995 eröffnete Jürgen Bungert die hauseigene Bio-Abteilung, lange bevor der Bio-Boom startete.

"Forderer und Förderer"

Mit solchen vorausschauenden und innovativen Entscheidungen ging der Sohn den Weg, das Erbe der Eltern erfolgreich weiter zu entwickeln. Die letzte von Jürgen Bungert verantwortete Investition: 2010 wurde das Shopping-Center modernisiert und erweitert. Eine für die Region einzigartige Architektur zeichnet seitdem den Eingangsbereich und den 800 Quadratmeter umfassenden Anbau aus. Die Rolle der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Unternehmenserfolg hat Jürgen Bungert immer sehr hoch eingeschätzt. Die „Unternehmensfamilie Bungert“ lag ihm genauso am Herzen wie seine Frau Beate und die Söhne. Er forderte, aber förderte auch. 

Weiter Blick über den eigenen Tellerrand

Mit den Auszubildenden die Prüfungsaufgaben nochmals persönlich zu besprechen, in großer Not auch mal finanziell auszuhelfen war für ihn selbstverständlich. Er unterstützte großzügig, wenn es galt Chancen zu eröffnen und Wege zu ebnen. Neben seinen unternehmerischen Aufgaben engagierte er sich unter anderem als Mitglied der IHK-Vollversammlung, war Aufsichtsratsmitglied der regionalen Volksbank, gründete den Wirtschaftskreis Bernkastel-Kues-Wittlich mit und gehörte dem Pfarrgemeinderat von St. Markus an. Die wenigen Ferientage verbrachte Jürgen Bungert mit der Familie gern in Italien, und weil für ihn das „Einander verstehen“ immer wichtig war, lernte und beherrschte er die Sprache seines bevorzugten Urlaubslandes.

Der klassischen Musik war er eng verbunden und Bungert gehörte von Anfang an zu den Sponsoren des „Mosel Musik Festivals“. Wittlich und die Region verlieren mit Jürgen Bungert eine Unternehmerpersönlichkeit, die für fairen Umgang miteinander und soziales Engagement gleichermaßen Zeichen gesetzt hat. Bungert beschäftigt heute über 250 Mitarbeiter, darunter mehr als 25 Auszubildende.

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