PFC: Belasteter Boden wird verlagert

Flugplatz Bitburg: SGD Nord und BImA wirken eher ratlos

Kreis Bitburg / Prüm. Die nicht abbaubaren perfluorierten Chemikalien in Wasser und Böden auf und um den Flugplatz Bitburg beschäftigen weiter die Behörden. Einzige Idee: Eine Deponie für den Boden anlegen. Scharfbillig ist im Gespräch.

Seit Jahren ist bekannt, dass die Böden und Gewässer im Umfeld der Flugplätze Bitburg und Spangdahlem mit PFT belastet sind (siehe Infobox). PFT gelten als krebserregend. Das Fatale: sie gelangen z.B. übers Trinkwasser und Fische in die Nahrungskette. Wie ernst die Behörden das Umwelt-Problem nehmen, zeigte die Einladung zu einer Informationsveranstaltung außergewöhnlichen Ausmaßes: 200 Ratsmitglieder aus Kreistag, Bitburger Stadtrat, VG Bitburger Land und den Ortsgemeinden Scharfbillig und Röhl kamen am vergangenen Donnerstag in der Bitburger Stadthalle zusammen, um zu hören, was die Umweltbehörde SGD Nord und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) dazu zu sagen haben. Allerdings gab es kaum Neues.

Seit Bekanntwerden der Umweltbelastung hat sich außer Messungen und Verzehrwarnungen nichts getan. Joachim Gerke, Abteilungsleiter bei der SGD Nord: »Das  Gefahrenpotential ist erkannt und soll soweit wie möglich aus der Umwelt geschafft werden.« Außer der Gefahr für den Menschen treibt die BImA ein wirtschaftlicher Aspekt: Sie will auf dem Flugplatz Bitburg Flächen an Gewerbetreibende verkaufen. Wegen der Schadstoffbelastung liegt die Entwicklung des Flugplatzes aber auf Eis.
 

"Landschaftsbauwerk" oder "Dreckshügel"?

 Die einzige Lösung sehen die Behörden darin, die belasteten Böden in einer Größenordnung von 800.000 Kubikmetern abzutragen und in einem 2,5 Meter hohen »Landschaftsbauwerk«, wie sie die Deponie nennen, zwischenzulagern. Bis wann? Das ist nur eine der vielen ungeklärten Fragen zu den Chemikalien, auf die niemand eine Antwort hat. Der Plan: Der belastete Boden soll so lange »gesichert und geschützt« gelagert werden, bis die Forschung eine Lösung gefunden hat, wie Böden von den PFT-Schadstoffen befreit  werden können.

Was sie von dem »Landschaftsbauwerk« halten, brachten mehrere Ratsmitglieder mit dem Wort »Dreckshügel« auf den Punkt.  In der Versammlung wurde Scharfbillig mehrfach als möglicher Ablageort für den Aushub genannt. Begründung: Hier gebe es eine Fläche, die sich eigne, weil sie bereits PFT-belastet sei.

Ausschreibung für Problemmanager läuft

Bernd Garz, bei der BImA Referent für Kontaminationsmanagement, erläuterte, dass es derzeit in Deutschland nur drei Deponien in Nordrhein-Westfalen und Sachsen gebe, die PFC-haltige Böden annehmen. In der Möglichkeit, die Erde dort abzulagern, sehen die Behörden aber ebenso wenig wie in der thermischen Behandlung, die ab 1100 Grad die PFT-Stoffe zerstören kann, eine realisierbare Lösung.   

500 Hektar Boden gelten allein auf dem Flugplatz Bitburg als belastet. Stark kontaminierte Gewässer sind der Stedemer Bach, der Brückengraben, der Pfaffenbach und der Thalsgraben. Für Fische aus der Kyll gab es Verzehrwarnungen. Bei den untersuchten Trinkwasserquellen ergaben die Proben negative Befunde für den Brunnen Sülm. Die Schadstoffquelle sei in allen Fällen der Flugplatz, so Manfred Weber von der SGD Nord.    Hier seien die Böden vor allem an den Sheltern und den Feuerlöschübungsplätzen stark belastet. Als Ursache werden die bis 2011 eingesetzten Feuerlöschschäume angesehen.

Aktuell läuft die Suche nach einem Büro, das sich darum kümmert, den Boden umzulagern und so zu verwahren, dass keine Schadstoffe in den Boden versickern können. 

Bernd Garz sprach eine traurige Wahrheit aus: »Wir wissen lange nicht genug.« So blieben viele Fragen offen und nur eine Gewissheit: »Wir müssen mit der Sanierung  warten, bis die Forschung eine Lösung gefunden hat.« Somit wird das Problem buchstäblich nur verlagert. Auf unbestimmte Zeit

 

Sybille Schönhofen

 

Hintergrund

Perfluorierte Chemikalien (PFC)

  • PFT ist die Abkürzung für perfluorierte Tenside. Sie gehören zur Gruppe der PFC.
  •  Sie sind schwer bis gar nicht abbaubar und reichern sich im Körper an.
  • Diese künstlich hergestellten Stoffe zeichnen sich durch ihre wasser-, schmutz- und fettabweisenden Eigenschaften aus.
  • Sie werden in vielen Produkten verwendet wie in Outdoorkleidung, Imprägniersprays,  Pappschalen, Möbeln, Baustoffen  und Feuerlöschschäumen. 

 

 

 

 

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