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Dem verschwundenen Heiligen geht es gut

Aus Wand gebrochene Josef-Figur nahe Bitburg aufgetaucht

Bitburg. Das im Juli aus der Fassade des Dreiser Hauses herausgebrochene Sandsteinrelief des Heiligen Josef ist auf einer Verkaufsplattform im Internet gelandet.

Seit Anfang Juli klafft an der Stelle, wo das Relief des Heiligen Josef das Dreiser Haus in Bitburg  zierte, ein Loch in der Wand zur Dauner Straße.
Einen Monat nach dem Verschwinden des Sandsteinreliefs ist es auf einer Verkaufsplattform im Netz wieder aufgetaucht. Dort wird seit dem 8. August die ein Meter hohe Steinmetzarbeit, die vermutlich aus dem Jahr 1907 stammt, für 1200 Euro zum Verkauf angeboten. Das Relief hat der Bitburger Bildhauer Wilhelm Dreiser angefertigt, der 1944 im Krieg gefallen ist.

Relief und Treppenstein rausgebrochen


Seit ihrem Verschwinden steht die Joseffigur in der Nähe von Bitburg auf dem Hof eines Baggerbetriebs. Ihr neuer Besitzer erzählt, wie er an das Relief gekommen ist: Johannes Arend, Geschäftsführer der Arend Immobilien GmbH, der das Haus gekauft hat, habe ihm angeboten, sich zu nehmen, was er wolle, weil das Objekt abgerissen werde. Eines Freitagsabends habe er dann das Relief und einen Treppenstein rausgebrochen und mitgenommen. »Ich habe die ausgebaut, weil die Handarbeit viel zu schade ist, um sie zu vernichten«, erzählt der Mann auf Anfrage des WochenSpiegel.

Zukunft der Heiligenfigur ungewiss

Ob der Heilige Josef wieder den Weg zurück in die Familie Dreiser findet, ist unklar. »Ich weiß noch nicht, was wir machen. Das ist so überraschend und eigenartig, dass er so nah ist. Wir müssen darüber nachdenken«, sagt die Tochter von Franziska Walter, der  88-jährigen Tochter des Bildhauers. Sie hat gemeinsam mit ihrer Schwester, der Heimatschriftstellerin Gerda Dreiser, in dem vom Abriss bedrohten Haus gelebt.

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Kommentar von Reinhard Simon
Ob Architektur in ihren zahlreichen Bereichen oder irgendein anderes Thema - es ist wie immer auch eine Sache des 'Guten Geschmacks'.
"Katzen verzehren Mäuse - mir liegt da nichts dran."
Ansichtssache 'hin oder her' und trotz 'Geschmackssache' - wie unsere Kreisstadt sich verändert - damit ist meiner Meinung nach schon längst kein Preis mehr zu gewinnen.
Da kann man, wie beispielsweise dem seelenlosen Spittel, noch so klangvolle lateinische Bezeichnungen geben, es bleibt eine kalte, hässliche Landschaft aus Granit, Beton und einigem Sonstigen.
Der 'neue' Petersplatz: Das gleiche Elend. 'Tot' - das stellt nichts dar.
Schöne, alte Gebäude mit soviel Charisma und Charme müssen kalten Glas-/Beton- und Stahlkästen weichen, wie beispielsweise am Standort der 'Galerie-Pierre' in der Trierer Straße.
So viel charakteristische und attraktive, historische Bausubstanz hat man bereits 'sterben' lassen, und das wird wohl auch weiter so betrieben.
Man könnte doch alte Gebäude geschickt in Neues mit einbeziehen - es als 'Schmuck' für Neugestaltung.
Doch da fehlt es wohl am Willen.
Bitburg verändert sich - ja, das soll und muss es wohl auch. Doch wenn am Ende eine starre, kalte, seelenlose Fratze/Fassade übrigbleibt - da ist nichts mehr schön oder sehenswert.
Ob mit der mysteriösen 'Bit-Galerie' die "Spittel-Familie" ein 'Geschwisterchen' bekommen wird ?
Ein weiteres "Morbus Mediam" ?
Die Gefahr besteht wohl.