anw

»Abseits der Bühne bin ich keine Rampensau«

Nöthen. Eva Eiselt feierte 2008 ihr Solodebüt mit »Mit Apfelallergie im Paradies« und ist seitdem nicht mehr von den Kleinkunstbühnen wegzudenken. Regelmäßig begeistert die Kabarettistin mit ihrer wandlungsfähigen Art auch die Eifeler Bevölkerung. Der WochenSpiegel hat sie getroffen.

WochenSpiegel: Sie wohnen in Köln - Zahlreiche Auftritte finden aber in Nöthen und den umliegenden Ortschaften statt. Welche Verbindung haben Sie zur Eifel?

Eva Eiselt: Die Eifel ist meine Heimat. Ich bin in Nöthen aufgewachsen und in Bad Münstereifel zur Schule gegangen. Auf dem Hof meiner Eltern befindet sich auch der Kulturstall, meine Heimatbühne. Den ehemaligen Kuhstall haben wir in einen kleinen Saal verwandelt. Viele passen nicht hinein, das ist aber auch der kuschelige Reiz.

WochenSpiegel: Wie sind Sie überhaupt auf die Idee gekommen, Kabarettistin zu werden?

Eva Eiselt: Die Liebe zum Theater hatte ich schon in meiner Kindheit. Nach meinem Abitur habe ich sehr halbherzig Germanistik und Pädagogik studiert und habe mich dann nach zwei Jahren endlich getraut ein Schauspielstudium in Bayern zu beginnen und auch zu Ende zu führen. Zum Glück haben meine Eltern diese Entscheidung unterstützt. Nach einigen Jahren Stadttheater in Baden-Baden, habe ich das Duo »Top Sigrid« gegründet . Wir schrieben ein Theaterstück und ein befreundeter Kollege meinte: »Das ist Kabarett!« So bin ich dann in die Kleinkunstszene abgerutscht (lacht). Das Duo hielt nicht lange, nach drei Jahren machte ich dann alleine weiter. Manchmal zieht es mich wieder zum Theater, jedoch möchte ich nicht mehr aufs Kabarett verzichten.

WochenSpiegel: Sie haben mittlerweile vier Soloprogramme geschrieben. Woher nehmen Sie die Ideen zu Ihren Stücken?

Eva Eiselt: Privat bin ich alles andere als eine Rampensau. Ich beobachte viel und stehe eher am Rand als Mittendrin. Auch der Alltag mit meinen beiden Kindern und meinem Partner liefert mir zu Genüge Ideen. Offene Augen und ein Gefühl für den Zeitgeist. Bei der kreativen Umsetzung der Ideen, helfen mir künstlerische »Hebammen«, wie ich sie gerne nenne. So bekomme ich Feedback und weitere Vorschläge und die Ideen reifen langsam zu einem Stück heran.

WochenSpiegel: Wird das Programm zunächst geprobt, bevor das Publikum es zu sehen bekommt?

Eva Eiselt: Es wird schon geprobt und ausprobiert. Gerne auch vor Freunden und Familie. Mein Lebensgefährte kommt ja auch aus der Theaterszene und er muss für vieles herhalten.

WochenSpiegel: Wie viele Auftritte haben Sie im Jahr - und wo?

Eva Eiselt: Rund 70 Mal im Jahr stehe ich auf der Bühne - das kann in Nöthen, Marmagen oder Zingsheim genauso sein wie in Köln, München, Stuttgart, Rommerskirchen oder Oberteuringen. In Baden Württemberg bin ich viel unterwegs, da ist auch die Kleinkunstszene sehr groß. Viele ehrenamtliche Vereine, die mit einer Kabarettbühne ihr Hobby ausleben, das ist sehr schön. Dank meiner lieben Agentin bin ich in ganz Deutschland unterwegs. Aber bevor Sie fragen: Woanders lachen die Menschen nicht anders.

WochenSpiegel: Und wo sind Sie am liebsten unterwegs?

Eva Eiselt: In der Heimat und den anderen Eifeldörfern fühle ich mich auf der Bühne am meisten verstanden, hier gibt es keine Barrieren. Highlight ist für mich jährlich die Aufführung meines Weihnachtsprogramms »Udo Fröhliche« im Kulturstall. Für viele gehört es zum Fest dazu wie »Dinner for one« zu Silvester. Danke dafür!

Vielleicht wird alles vielleichter

Das vierte Soloprogramm heißt »Vielleicht wird alles vielleichter«. Zum Inhalt: Die Welt wird immer komplexer. Alles dreht sich immer schneller. Man versteht so wenig. Aber eine Frau hält dagegen und vermutet: vielleicht wird alles vielleichter. Denn brauchen wir eigentlich, was wir suchen? Wäre weniger viel nicht viel mehr? Nach welcher Vielosophie leben wir? Fragen über Fragen, aber glücklicherweise hat Eva ein wenig vom Baum der Erkenntnis genascht und kommt zu überraschenden Ergebnissen.

Termine

Ihr Programm »Vielleicht wird alles vielleichter« führt Eva Eiselt an folgenden Tagen auf: Samstag, 24. Juni, 20 Uhr, Zingsheim im Dorfsaal, Karten: Tel. 02486-1418

Samstag, 8. Juli, 20 Uhr Kulturstall, Rönnstraße 44, in Nöthen (ausgebucht), weitere Termine in Nöthen: 14. Juli, 2. September. Karten unter: Tel. 0174-4900900 oder per Mail: info@evaeiselt.de. Karten für alle Veranstaltungen kosten 15 Euro (Erwachsene), Azubis und Schüler zahlen 12 Euro.

@ Mehr dazu im Netz:

www.evaeiselt.de

Artikel kommentieren

Bisher gibt es noch keinen Kommentar zu diesem Artikel.

Brückenbauer für den Frieden

Wittlich. Jean-Claude Juncker, Präsident der europäischen Kommission, ist am Montag im Beisein von rund 1.000 Gästen im Eventum mit dem Georg Meistermann-Preis 2018 der Stadt Wittlich ausgezeichnet worden. Bundestagspräsident a.D. Professor Norbert Lammert hielt die Laudatio. Er erinnerte u.a. an das Leid zweier Weltkriege und betonte die große Bedeutung Jean Claude Junckers als menschlicher und politischer Brückenbauer für die europäische Friedensidee. Weder Frieden noch Demokratie seien selbstverständlich und müssten als hohes Gut bewahrt werden. Gemeinsames Interesse an Europa Juncker nutzte die Preis-Verleihung, um auf die Bedeutung Europas in einer globalisierten Welt hinzuweisen. Und darauf, dass Reden wichtiger sei, als Krieg zu führen: Ein Tag Krieg koste mehr als 20 Jahre die Europäische Union zu finanzieren.  Bürgermeister Joachim Rodenkirch betonte in seiner Ansprache den hohen Wert der Europäischen Gemeinschaft, gerade in einer Zeit, in der sich die geopolitische Architektur zu verschieben beginne. Es stelle sich, so Rodenkirch, die globale Systemfrage "offene Gesellschaft versus geschlossene Gesellschaft". Europa auf der Basis einer demokratischen Wertegemeinschaft sei die Zukunft für ein friedliches Miteinander. Zahlreichen prominenten Gästen aus Bundes-, Landes- und Lokalpolitik dankte er für ihr Kommen ebenso wie den internationalen Gästen und den vielen Bürgerinnen und Bürgern aus der Großregion, unter ihnen auch 150 Oberstufenschülerinnen und –schüler der Cusanus-Gymnasium Wittlich, und begrüßte das gemeinsame Interesse an Europa. Erstmalig im Jahr 2006 nahm Christina Rau den Georg-Meistermann-Preis der Stiftung Stadt Wittlich stellvertretend für ihren verstorbenen Mann Bundespräsident a.D. D. Dr. h.c. Johannes Rau entgegen. Im Jahr 2008 wurde der Preis an Dr. h.c. Charlotte Knobloch, seinerzeit Präsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland, verliehen. Karl Kardinal Lehmann, Bischof von Mainz, war im Jahr 2010 der dritte Träger des Georg-Meistermann-Preises. Danach wurde Bundesaußenminister a.D. Hans-Dietrich Genscher der Preis im Februar 2013 im EVENTUM Wittlich überreicht. Im Februar 2016 folgte die Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller als Preisträgerin. Hintergrund Der Georg-Meistermann-Preis der Stiftung Stadt Wittlich soll das Andenken an den großen Künstler und Kulturpolitiker Georg Meistermann (1911-1990) und sein unerschütterliches, kritisch-konstruktives Eintreten für Demokratie und Meinungsfreiheit wach halten und nachfolgende Generationen anregen, diesem Beispiel zu folgen. Mit dem Preis werden in der Regel alle zwei Jahre entweder eine oder mehrere Persönlichkeiten oder aber eine oder mehrere Gruppen ausgezeichnet. Der Preis wird in Form einer Urkunde und einer Bronze-Plakette überreicht und ist mit einer an den Stiftungszweck gebundenen Summe von 10.000 EUR dotiert. Meistermann wurde 1911 in Solingen geboren. Nach der Machtergreifung der Nazis 1933 musste er seine 1928 begonnene Ausbildung an der Kunstakademie Düsseldorf abbrechen. Zwischen 1937 und 1939 folgten Reisen in die Niederlande, nach Frankreich und England. Zu den ersten wichtigen Aufträgen Georg Meistermanns nach dem Krieg gehörte 1948 die Ausführung der Fenster für die Wittlicher St. Markuskirche. (hwg/red). Fotos: Hanns-Wilhelm Grobe Jean-Claude Juncker, Präsident der europäischen Kommission, ist am Montag im Beisein von rund 1.000 Gästen im Eventum mit dem Georg Meistermann-Preis 2018 der Stadt Wittlich ausgezeichnet worden. Bundestagspräsident a.D. Professor Norbert Lammert…

weiterlesen